Mittelstandsfinanzierung: "Lage hat sich spürbar verbessert"

Mittelstandsfinanzierung: "Lage hat sich spürbar verbessert"

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Der Chefvolkswirt der Bankengruppe KfW, Norbert Irsch, prognostiziert eine spürbare Verbesserung der Liquidität für mittelständische Unternehmen.

von Anne Kunz

Der Chefvolkswirt der Förderbank KfW, Nobert Irsch, über die Finanzierungsbedingungen im Mittelstand und die Debatte um eine Kreditklemme.

WirtschaftsWoche: Herr Irsch, droht dem deutschen Mittelstand durch die erhöhten Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht Eba eine Kreditklemme?

Norbert Irsch: Nein, denn in Deutschland treffen die neuen Vorgaben nur die Geschäftsbanken. Die Hausbank sehr vieler – insbesondere kleinerer – Mittelständler sind jedoch vor allem die Spar- und Genossenschaftsbanken, die nur indirekt von den Eba-Auflagen betroffen sind.

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Die Regularien von Basel III, wonach die Geldhäuser Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen und ihre Liquiditätsausstattung verbessern müssen, betreffen hingegen alle deutschen Banken. Verteuern sich dadurch die Kredite für den Mittelstand?

Ja. Ich gehe davon aus, dass durch die erhöhte Eigenkapitalunterlegung und die erhöhten Liquiditätsanforderungen die Kosten eines typischen Mittelstandskredits um mehr als 0,5 Prozent teurer werden könnten.

Wie gut sind die Unternehmen derzeit mit Kapital gerüstet?

Die Lage hat sich spürbar verbessert. Die Unternehmen haben ihre Eigenkapitalquote deutlich erhöht. Von 2002 bis 2010 ist diese im Mittelstand von 18,4 auf 27 Prozent gestiegen. Zudem hat sich die Liquiditätsausstattung deutlich verbessert. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Viele Investitionen können so von den Unternehmen ohne Bankkredit finanziert werden.

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Was bedeutet das für die Kreditnachfrage?

Wir erwarten für Deutschland dieses Jahr ein kalenderbereinigtes Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent – gegenüber dem Vorjahr ist dies eine merkliche Abkühlung. Auch die Investitionsdynamik der Unternehmen wird deutlich nachlassen: Im vergangenen Jahr gab es hier noch ein Plus von acht Prozent, 2012 dürften es aber nur noch 0,8 Prozent sein. Hinzu kommt die im Vergleich zum Sommer gesunkene Kapazitätsauslastung aufgrund der schrumpfenden Absatzmöglichkeiten in der Euro-Zone, deren Wachstum 2012 bestenfalls stagnieren wird. Durch die konjunkturelle Abkühlung in Deutschland wird die Kreditnachfrage sinken.

Könnte eine gesunkene Kreditnachfrage die Zinsen insgesamt nach unten drücken?

Das könnte so sein, hängt aber von den Refinanzierungsbedingungen der Banken, insbesondere den Risikoaufschlägen, ab. Diese werden durch den Zins an den Kunden weitergegeben werden und sind bisher noch sehr hoch.

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