Nachfolge im Mittelstand: Deutschland sucht die neuen Firmenchefs

Nachfolge im Mittelstand: Deutschland sucht die neuen Firmenchefs

, aktualisiert 15. November 2011, 13:52 Uhr
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Mit Schwung in die Führungsposition: Der Mittelstand braucht Nachwuchs.

von Gero BrandenburgQuelle:Handelsblatt Online

Demografiewandel, Konjunkturflaute und Kreditklemme bedrohen den Fortbestand zehntausender deutscher Unternehmen. Der Mittelstand sucht händeringend nach qualifizierten Fachkräften - für den Chefsessel.

DüsseldorfDie Schuldenkrise in Europa hat sie bundesweit bekannt gemacht – und den Sorgen des Mittelstandes ein neues Gesicht gegeben. Marie-Christine Ostermann (33), Juniorchefin des Lebensmittelgroßhändlers Rullko im westfälischen Hamm, ist als Bundesvorsitzende des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“ Stammgast in Talkshows. Dort sitzt sie Merkels Parteisoldaten wie CDU-Fraktionschef Friedrich Kauder gegenüber und sorgt mit knackigen Zitaten für Aufsehen. Kostprobe: „Es ist ein Menetekel für künftige Generationen, wenn unser Land heute Milliarden-Risiken schultern muss, um Schuldenstaaten unter die Arme zu greifen.“ Unentwegt redet sie gegen gigantische Rettungspakete an und warnt vor den Risiken und zukünftigen Belastungen für die deutschen Familienunternehmen.

Es sind durchaus berechtigte Warnungen. Schon jetzt ist der Fortbestand zehntausender Mittelstandsbetriebe ungewiss: Vielen kleinen und mittelgroßen Firmen gehen schlichtweg die Chefs aus. Die Frankfurt School of Finance and Management widmet dem hochaktuellen Thema „Unternehmensnachfolge im Mittelstand“ deshalb am Mittwoch (16. November) eine Branchenkonferenz.

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Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn schätzt, dass bis 2014 jährlich in gut 22.000 Unternehmen ein Nachfolger die Geschäftsführung antreten muss, weil der aktuelle Chef aus Altersgründen abtritt oder unerwartet – durch Tod oder Krankheit – ausfällt. Gesellen sich zum demografischen Wandel dann auch noch schlechtere gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, stehen etliche Übernahmen auf der Kippe.

Schon jetzt zeigt die Schuldenmisere ihre Auswirkungen. Einerseits kühlt sich die Konjunktur in Deutschland merklich ab, zum anderen beeinträchtigt die Krise nachhaltig die Kreditvergabe der Banken. Die nächste Reform der Bankenregulierung („Basel III“), wird es Mittelständlern spätestens ab 2013 deutlich erschweren, an klassische Kredite zu kommen. Weniger als die Hälfte aller Übergaben geht familienintern über die Bühne. Laut aktuellem DIHK-Report sind Probleme bei der Finanzierung aber bereits jetzt für die Mehrheit der familienfremden Kandidaten (59 Prozent) die größte Hemmschwelle , die ein Unternehmen  übernehmen wollen. „Fehlendes Eigenkapital ist der häufigste Grund für das Scheitern einer externen Nachfolge“, bestätigt IfM-Expertin Nadine Schlömer-Laufen.

Diese Sorge hat Marie-Christine Ostermann als Erbin ihres Vaters nicht. Dennoch weiß sie um die vielfachen Probleme bei der Nachfolge-Regelung. Dass sie die Nachfolge ihres Vaters bei der 1923 gegründeten Rullko GmbH - mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro spezialisiert auf die Belieferung von Großküchen in Altersheimen und Krankenhäusern - antreten würde, war beileibe kein Selbstläufer.


Traditionsbewusstsein allein genügt nicht

Nach der Ausbildung bei der Commerzbank ging sie zum BWL-Studium nach St. Gallen und absolvierte ein Trainee-Programm beim Discounter Aldi. Erst dann wagte sie die Rückkehr zu Rullko - und wurde erneut nicht geschont. „Mein Vater hat mich direkt ins kalte Wasser geworfen und gesagt: Mal mal!“, erzählte Ostermann gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Mit harter körperlicher Arbeit - etwa im Kühlhaus der Firma - erwarb sie sich den Respekt des Seniors und den der Mitarbeiter.

Damit hat Ostermann, der inzwischen 23 Prozent der Firmenanteile gehören und den Betrieb in wenigen Jahren komplett übernehmen soll, einen nicht unwesentlichen Schritt gemeistert. Denn psychologisch-emotionale Faktoren spielen bei der Nachfolge eine große Rolle. Viele mittelständischen Unternehmen sind durch die Persönlichkeit des Seniorunternehmers geprägt. Der neue Chef muss sich das Vertrauen von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten erst erarbeiten.

Ebenso gilt, dass der Nachfolger die unternehmerischen Anforderungen in jedem Fall erfüllen sollte, um erfolgreich zu sein. Wer sich einzig und allein aus Traditionsbewusstsein für die Karriere im Familienbetrieb entscheidet, hat schlechte Karten. Bringt der Erbe das fachliche Know-how jedoch mit, kann er auf viele Vorteile bauen: Das Unternehmen ist bereits etabliert, die Beziehungen zu Kunden und Lieferanten existieren und das Team ist eingespielt.

In gewisser Hinsicht zeigt das Beispiel Rullko den Idealfall; vor allem, weil der Stabwechsel als jahrelanger Übergabeprozess innerhalb der Familie erfolgt. Laut DIHK-Report bevorzugt jeder zweite Unternehmer eine familieninterne Lösung, die allerdings nur in einem Drittel der Fälle auch zustande kommt. Gerade bei der externen Nachfolge, die zumeist den Verkauf des Unternehmens bedeutet, verzögert sich Geschäftsführerwechsel häufig und geht schließlich mit deutlicher Verspätung in einer mehrmonatigen Hauruck-Aktion über die Bühne. Wenn überhaupt: Nach DIHK-Erfahrungen müssen acht Prozent der Unternehmen letztlich liquidiert werden.

Ralph Beckmann, Abteilungsleiter der Nachfolgeberatung bei der Commerzbank, sagt: „Wer zu spät mit der Planung beginnt, gerät später unter Druck. Umso schwieriger wird es dann, die beste Nachfolgelösung zu konzipieren beziehungsweise den optimalen Kaufpreis zu erzielen.“ Experten kalkulieren einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren für eine solide Übergabe.


Wer schweigt, findet keinen Nachfolger

Tatsächlich aber stellt die Suche nach einem geeigneten externen Nachfolger für viele Seniorunternehmer eine große Hürde dar. Zum einen können viele emotional nicht wirklich loslassen, geht es doch oft um die Übergabe ihres Lebenswerks, dessen materiellen Wert sie überdies nicht immer realistisch einschätzen und den Kaufpreis zu hoch ansetzen.

Zum anderen hat Stefan Klemm, Gründer des Entrepreneurs-Clubs und Veranstalter der Recruitingmesse „Karrieretag Familienunternehmen“ in vielen Gesprächen mit übergabewilligen Inhabern eine „gewisse Verunsicherung“ identifiziert. „Der Unternehmer ist eben meist nur einmal während seiner Laufbahn mit der Trennung vom Lebenswerk konfrontiert.“ Nur selten würde der Wunsch nach Übergabe publik gemacht, schon allein deshalb, „weil es Auswirkungen auf die Unternehmensbewertung haben könnte, wenn bekannt wird, dass der Unternehmer verkaufen will oder muss“, sagt Klemm.

Viele Verkaufsabsichten bleiben deshalb im Verborgenen, weshalb Informationsportale wie Nexxt und die Deutsche Unternehmerbörse (DUB), die mit dem Handelsblatt kooperiert, die nötigen Kontakte herstellen. In den vergangenen Wochen verzeichnete die DUB ausgelöst durch die jüngsten Griechenland-Turbulenzen eine deutlich erhöhte Nachfrage zu Verkaufsinseraten. Geschäftsführer Michael Grote sagt: „Die Investition in ein etabliertes Unternehmen stellt für viele Investoren eine sichere Geldanlage dar.“

Auf diese Weise könnte die Schuldenkrise dem Mittelstand sogar noch etwas nutzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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