Ökoförderung: Effizienzförderung anzapfen - Steuern sparen

Ökoförderung: Effizienzförderung anzapfen - Steuern sparen

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Helmut Leibinger, Manager beim Baustoffhersteller Rohrdorfer, investiert in Energieeffizenz.

von Daniel Schönwitz

Mittelständler, die in Energieeffizienz investieren, verschenken häufig Geld. Wie Unternehmen die richtigen Töpfe anzapfen und zudem Steuern sparen können.

Ein Saunagang ist nichts dagegen: Wer Zement produziert, braucht dafür extreme Temperaturunterschiede. Denn um den Hauptbestandteil – den Zementklinker – zu brennen, sind höllische 1450 Grad Celsius nötig. „Danach wird er auf rund 100 Grad abgekühlt“, erklärt Helmut Leibinger, Leiter der Anlagen- und Verfahrenstechnik bei der südbayrischen Rohrdorfer-Gruppe. Ein energieintensiver Prozess, den der Baustoffhersteller vor knapp einem Jahr komplett umgestellt hat: Dank eines modernen Wärmetransfersystems wird die beim Kühlen entstehende Abwärme nun für andere Teile des Produktionsprozesses genutzt. Leibinger: „Vorher ist die Wärme nutzlos verpufft.“

Die Ökobilanz der Modernisierung kann sich sehen lassen: Dank der neuen Technik spart Rohrdorfer 20 Gigawattstunden Erdgas pro Jahr – das entspricht dem Verbrauch von 870 Einfamilienhäusern – und bläst 4652 Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre. Die Energiekosten sind um 432.260 Euro pro Jahr gesunken. „Die Investition wird sich deshalb in weniger als drei Jahren amortisieren“, sagt Leibinger. Das System habe 1,2 Millionen Euro gekostet, von denen das Bundesumweltministerium im Rahmen eines Förderprogramms 20 Prozent übernommen habe.

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Darlehensprogramme für grüne Investitionen

  • KfW Bankengruppe

    Die KfW Bankengruppe in Frankfurt unterstützt Energieeffizienzmaßnahmen gewerblicher Unternehmen mit zinsgünstigen Darlehen. Die Höhe beträgt bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, in der Regel bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben.

  • NRW-Bank

    Die Düsseldorfer NRW-BANK fördert Unternehmen bei der Einführung von energie- und ressourcenschonenden Maßnahmen mit Darlehen. Die Höhe beträgt bis zu 100 Prozent der förderfähigen Ausgaben, mindestens aber 25.000 Euro und höchstens fünf Millionen Euro, Laufzeit vier bis zehn Jahre.

  • LfA Förderbank Bayern

    Die LfA Förderbank Bayern in München unterstützt Umweltschutzinvestitionen in Bereichen wie Abwasserreinigung, Luftreinhaltung, Energieeinsparung sowie Nutzung erneuerbarer Energien. Der Finanzierungsanteil des Darlehens beträgt in der Regel bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Höchstbetrag liegt bei einer Million Euro.

  • Sächsische Aufbaubank

    Die Sächsische Aufbaubank in Dresden vergibt Zuschüsse für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Nutzung erneuerbarer Energien sowie zur Verbesserung der Umweltverträglichkeit von Anlagen. Die Höhe beträgt maximal 75 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben.

  • Staatsbank für Baden-Württemberg

    Um den Energieeinsatz deutlich zu vermindern und eine zusätzliche Nutzung erneuerbarer Energieträger zu verwirklichen, unterstützt die Staatsbank für Baden-Württemberg in Stuttgart die rationelle Energieverwendung und den Einsatz erneuerbarer Energieträger. Die Förderung wird in Form eines langfristigen zinsverbilligten Darlehens gewährt. Der Finanzierungsanteil beträgt bis zu 75 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Die Höhe des Darlehens liegt in der Regel bei mindestens 10.000 Euro.

Der Fall zeigt: Investitionen in die Energieeffizienz können sich sehr schnell rechnen. Ob neue Maschinen, grüne Heiztechniken, moderne Beleuchtungssysteme oder eine Fotovoltaikanlage – wer gezielt modernisiert und dafür auch noch staatliche Fördertöpfe anzapft, kann die Kosten binnen weniger Jahre wieder hereinholen und fortan den Anstieg der Energiepreise gelassener sehen.

Gefährliche Strompreisrallye

Dieser nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Laut Bundesverband der Energieabnehmer zahlten Mittelständler im Januar 4,5 Prozent mehr für Strom als ein Jahr zuvor. Deutsche mittelgroße Unternehmen tragen mit 14,5 Cent je Kilowattstunde die mit Abstand höchste Belastung in Europa, wie die Energieberatung ECG mit Sitz im baden-württembergischen Kehl berechnet hat – ein Wettbewerbsnachteil.

Schutz vor der Preisrallye bieten die eigenständige Produktion von Strom und Wärme oder eben Energiesparprogramme. Viele Unternehmen verschenken Geld, weil sie staatliche Fördermöglichkeiten nicht ausschöpfen. Nur 20 Prozent der Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren Fördermittel in Anspruch genommen, ergab eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfung und Beratung Ernst & Young. Gerade kleinen Mittelständlern sei das Antragsverfahren „häufig zu kompliziert“. Im deutschen Mittelstand seien Kenntnisse über Fördermöglichkeiten und Antragsverfahren „sehr schwach ausgeprägt“, bestätigt Britta Seidl-Bowe, Senior-Beraterin bei der Hamburger Beratungsgesellschaft für Finanzwirtschaft und Wirtschaftsförderung Evers & Jung.

Für jeden etwas dabei

Ein unnötiges Versäumnis. Denn aus den zahlreichen Angeboten von Staats- oder Regionalbanken, Ministerien und Kommunen das richtige Programm herauszufiltern ist nicht so kompliziert. So betreibt das Bundeswirtschaftsministerium die Internet- Seite www.foerderdatenbank.de, auf der Unternehmer mit ein paar Klicks eine Liste von Programmen finden, die für ihr Vorhaben und an ihrem Standort zur Verfügung stehen. „Wer in Energieeffizienz investieren will, sollte die Datenbank des Ministeriums nutzen und intensiv nach Fördermöglichkeiten suchen“, rät Marion Sangen-Emden, die als Partnerin bei der Großkanzlei Heuking in Düsseldorf Mittelständler berät. „Die passenden Angebote sind einfacher zu finden, als viele glauben.“

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