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Offener Brief: Euro-Rettung spaltet die deutsche Wirtschaft

von Michael Inacker Quelle: Handelsblatt Online

Ein Riss geht durch die deutschen Unternehmen: Jungunternehmerin Ostermann und andere wettern gegen die Griechenland-Rettung. Nun positioniert sich BDI-Präsident Keitel gegen den Mittelstand - und springt Merkel bei.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, mahnt vor Rückschritten in der europäischen Integration. Quelle: ap
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, mahnt vor Rückschritten in der europäischen Integration. Quelle: ap

BerlinDer Bundesverband der Deutschen Industrie ist der mächtigste Vertreter deutscher Wirtschaftsinteressen. Er spricht für mehr als 100.000 Unternehmen. In der wichtigsten aktuellen wirtschaftspolitischen Frage allerdings, wie der Euro auf ein tragfähiges Fundament gestellt werden kann, herrschte bislang auffällige Stille rund um den BDI.

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Hier beherrschen andere die Schlagzeilen - allen voran die beiden Vertreter deutscher Familienunternehmer: Lutz Goebel, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“, und Brun-Hagen Hennerkes, Gründer der „Stiftung Familienunternehmen“. Mit ihren Euro-skeptischen Beiträgen und scharfer Kritik am Rettungskurs von Kanzlerin Angela Merkel dominieren sie die Debatte über die Zukunft der Gemeinschaftswährung. „Ich habe den Eindruck, dass die deutsche Politik zu wenig auf die Bundesbank hört“, sagt Goebel. Hennerkes bemängelt, dass kein politisches Konzept in der Euro-Krise zu erkennen sei. Es herrsche „Chaos und Verwirrung“.

Doch nun holt BDI-Präsident Hans-Peter Keitel zum Gegenschlag aus. In einem Brief an die wichtigsten Unternehmens- und Verbandsvertreter des BDI, der dem Handelsblatt vorliegt, unterstützt Keitel den europapolitischen Kurs der Kanzlerin. „Die langfristige Sicherung der Währungsunion liegt im elementaren Interesse jedes Einzelnen von uns“, schreibt er. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsverbänden, die etwa einen Austritt Griechenlands oder anderer überschuldeter Staaten aus der Währungsunion für denkbar oder sogar wünschenswert halten, warnt der BDI-Präsident: „Jeder Schritt zurück in der europäischen Integration würde unkalkulierbare Risiken für die wirtschaftliche und politische Stabilität bedeuten.“

Ohne die Familienverbände zu nennen, kritisiert Keitel deren Aktionen wie die zweite „Berliner Erklärung“: Er halte „nichts von populistischen Spekulationen und Mutmaßungen über finanzielle Belastungen“. Es passe nicht zum „Selbstverständnis“ der Wirtschaft, „in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ökonomischen Aktionismus und waghalsige Manöver von der Politik einzufordern“.

Der Stiftungsverband hatte Anfang Juni die Parlamentarier aufgefordert, den Rettungsschirm ESM, über den in Kürze im Bundestag abgestimmt wird, abzulehnen, da mit ihm zu den bereits bestehenden Verpflichtungen weiteres Kapital und Garantien von 700 Milliarden Euro eingesetzt würden.

Keitel begründet seine Befürwortung der Euro-Rettung mit dem Hinweis auf die „erheblichen Vorteile“ der deutschen Wirtschaft durch die Gemeinschaftswährung. „Die Einführung des Euros war und bleibt richtig. Gerade für Deutschland und seine Exportwirtschaft ist die Gemeinschaftswährung das Fundament für Wohlstand und Beschäftigung“, so Keitel.

Der Brief, den der BDI-Präsident heute abschickt, ist nicht nur ein flammendes Plädoyer für den Euro. Das Schreiben soll auch zeigen, wer die Stimme der Wirtschaft in Deutschland ist.

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