Optimismus-Index: Wo Europas Mittelständler optimistisch sind

exklusivOptimismus-Index: Wo Europas Mittelständler optimistisch sind

Konflikte, Krisen und Konjunkturprobleme haben Spuren bei den europäischen Unternehmen hinterlassen – in manchen Ländern mehr als in anderen. Eine Studie zeigt, wo der Optimismus überwiegt – und wo nicht.

Die deutschen Mittelständler schauen überwiegend mit Zuversicht in die Zukunft. Mit Blick auf die Wirtschaftslage sind sie optimistischer als noch vor einem Jahr und auch als viele Nachbarstaaten. Das legt eine Bestandsaufnahme der Sage Group Plc nahe. Weltweit hat der Software-Anbieter im Spätsommer knapp 14.000 kleine und mittelständische Unternehmen in 18 Ländern befragt, darunter neun europäische Staaten.

Die bislang unveröffentlichte Auswertung, die der WirtschaftsWoche Online vorab vorliegt, zeigt: In Bezug auf ihre eigenen Aussichten strahlten die deutschen Unternehmer mehr Zuversicht denn je aus. Seit 2013 ist der Optimismus-Index um 1,81 auf 63,63 Punkte gestiegen. Nur 18 Prozent der befragten deutschen mittelständischen Firmen schauen nicht so hoffnungsvoll in die Zukunft und befürchten einen Rückgang ihres Geschäfts.

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Auch der deutschen Wirtschaft trauen die Firmen mehr zu: Hier stieg der Index um 3,19 auf 57,32 Punkte. Neigten die Mittelständler im vergangenen Jahr bei der Einschätzung der Weltwirtschaft eher zum Pessimismus – optimistisch waren damals 47,93 Prozent – ist inzwischen die Zuversicht auf 50,53 Punkte gestiegen.

Bei den deutschen Nachbarn schwankt der Optimismus stark. Während etwa Engländer, Iren, aber auch Spanier und Polen zuversichtlich im Hinblick auf die eigene, weltweite und europäische Wirtschaftsentwicklung sind, fallen die Erwartungen der Franzosen besonders pessimistisch aus.

So optimistisch sind Europas Mittelständler

  • Zur Umfrage

    Im jährlich veröffentlichten Sage Business Index werden knapp 14.000 kleine und mittelständische Unternehmen in weltweit 18 Ländern befragt, davon acht in Europa. In Deutschland nahmen in diesem Jahr 1.035 Unternehmen an der Sage-Studie teil.


    Fragestellungen: In Bezug auf die Aussichten des eigenen Unternehmens / die Wirtschaftslage des eigenen Landes / die Wirtschaftslage in Europa / die Wirtschaftslage weltweit, wie optimistisch sind Sie für das kommende Halbjahr, im Vergleich zu den vorherigen sechs Monaten?


    [0 = sehr viel weniger optimistisch, 100 = sehr viel optimistischer, 50 = kein Unterschied]

  • Deutschland

    Wirtschaftslage Unternehmen: 63,63
    Wirtschaftslage Land: 57,32
    Wirtschaftslage weltweit: 50,53
    Wirtschaftslage Europa: 52,23

  • Großbritannien

    Wirtschaftslage Unternehmen: 66,29
    Wirtschaftslage Land: 61,76
    Wirtschaftslage weltweit: 55,90
    Wirtschaftslage Europa: 52,23

  • Spanien

    Wirtschaftslage Unternehmen: 61,48
    Wirtschaftslage Land: 50,00
    Wirtschaftslage weltweit: 54,34
    Wirtschaftslage Europa: 54,14

  • Irland

    Wirtschaftslage Unternehmen: 64,99
    Wirtschaftslage Land: 58,67
    Wirtschaftslage weltweit: 57,34
    Wirtschaftslage Europa: 56,40

  • Polen

    Wirtschaftslage Unternehmen: 60,88
    Wirtschaftslage Land: 62,32
    Wirtschaftslage weltweit: 51,70
    Wirtschaftslage Europa: 52,13

  • Schweiz

    Wirtschaftslage Unternehmen: 64,46
    Wirtschaftslage Land: 57,53
    Wirtschaftslage weltweit: 48,38
    Wirtschaftslage Europa: 48,88

  • Portugal

    Wirtschaftslage Unternehmen: 57,94
    Wirtschaftslage Land: 44,70
    Wirtschaftslage weltweit: 48,18
    Wirtschaftslage Europa: 47,78

  • Österreich

    Wirtschaftslage Unternehmen: 61,66
    Wirtschaftslage Land: 48,52
    Wirtschaftslage weltweit: 47,01
    Wirtschaftslage Europa: 47,74


Seit Jahren stellt Sage starke kulturelle Unterschiede bei der Beantwortung internationaler Umfragen fest. Die Deutschen seien etwas kritischer, die Engländer antworten mitunter ausweichend.

Damit lassen kleinere Unterschiede erklären. Doch der große Pessimismus in Frankreich hat andere Gründe. „Die konjunkturellen Anzeichen in Frankreich deutlich negativer sind als hierzulande“, sagt Andreas Lechner, Mitglied der Geschäftsleitung bei Sage. „Eine hohe Staatsverschuldung und eine immer noch zu hohe Neuverschuldung, eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und eine Rekordarbeitslosigkeit im Juni mit zweistelligen Arbeitslosenzahlen trüben die Stimmung in Frankreich sicherlich deutlich ein.“

Europas Wirtschaftslage

Das erschüttert offenbar nicht nur das Vertrauen in die eigene Wirtschaft, sondern auch das in Europa. Mit 44,08 Punkten sind die französischen Mittelständler von allen Befragten am pessimistischsten, wenn sie auf die Wirtschaftslage Europas angesprochen werden. Auch in Österreich, der Schweiz und in Portugal fällt die Bewertung eher negativ aus.

Die Deutschen tendieren eher zu einer positiven Einschätzung als zu einer negativen. Auch Briten, Iren, Spaniern und Polen sind laut Umfrage eher optimistisch.

Die weltweiten Ergebnisse des Optimismus-Index

  • Zur Umfrage

    Im jährlich veröffentlichten Sage Business Index werden knapp 14.000 kleine und mittelständische Unternehmen in weltweit 18 Ländern befragt, davon acht in Europa. In Deutschland nahmen in diesem Jahr 1.035 Unternehmen an der Sage-Studie teil.


    Fragestellungen: In Bezug auf die Aussichten des eigenen Unternehmens / die Wirtschaftslage des eigenen Landes / die Wirtschaftslage in Europa / die Wirtschaftslage weltweit, wie optimistisch sind Sie für das kommende Halbjahr, im Vergleich zu den vorherigen sechs Monaten?


    [0 = sehr viel weniger optimistisch, 100 = sehr viel optimistischer, 50 = kein Unterschied]

  • Optimismus weltweit

    Weltweit stieg der Optimismus der Unternehmen in Bezug auf ihre positive Entwicklung um 2,13 auf 64,14 Punkte, der Optimismus im Hinblick auf die Wirtschaft des eigenen Landes um 2,78 auf 51,63 Punkte und im Hinblick auf die Weltwirtschaft um 3,08 auf 51,68 Punkte.

  • Umsatzwachstum weltweit

    58 Prozent der Unternehmer sagen für den Umsatz ihres Unternehmens im nächsten Jahr ein Wachstum von durchschnittlich 2,5 Prozent voraus, nur 21 Prozent gehen von einem Umsatzrückgang aus.

  • Neuanstellung von Mitarbeitern weltweit

    43 Prozent der Unternehmer sagen, die Anzahl ihrer Mitarbeiter nimmt in den nächsten zwölf Monaten zu, nur 9 Prozent gehen von einem Rückgang der Mitarbeiterzahl aus.


Insgesamt war die Stimmung in Europa im August laut Sage so gut wie noch nie seit Sommer 2011. „Natürlich führen aber Faktoren wie der Ebola-Ausbruch in Westafrika und die Kriegsherde an verschiedenen Stellen der Welt, die dazu, dass die Stimmung noch viel besser sein könnte, als sie es derzeit ist“, sagt Lechner.

Zudem bleibt die Sage-Studie eine Momentaufnahme aus dem frühen Herbst. Seit einigen Wochen beherrschen neue Negativ-Schlagzeilen die Wirtschaftspresse. Die Erwartungen des deutschen Mittelstandes und der Industrie sind trüber als in den Wochen zuvor, dass belegen verschiedene nationale Studien. Unter anderem ist der ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober zum sechsten Mal in Folge gesunken.

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Das weiß auch Andreas Lechner, trotzdem sieht er keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. "Wahrscheinlich ist, dass wir es hierbei wohl eher mit einer konjunkturellen Delle oder Schwächephase zu tun haben, als mit einer handfesten Wirtschaftskrise", glaubt der Sage-Manager. „Den Mittelständlern in Deutschland geht es – verglichen mit unseren europäischen Nachbarn – nach wie vor gut und die Auftragssituation erscheint uns noch recht robust zu sein.”“

Aber auch insgesamt werde der europäische Mittelstand auch in den kommenden Monaten in der Lage sein, seine Geschäfte auf einem hohen Niveau fortführen zu können, schätzt der Lechner. Schließlich seien die Aussagen zur eigenen Geschäftsentwicklung immer noch recht positiv.

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