Otto, Haniel und Co: Welche Familienunternehmen am besten kommunizieren

Otto, Haniel und Co: Welche Familienunternehmen am besten kommunizieren

, aktualisiert 15. November 2011, 10:48 Uhr
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Das Logo des Unternehmens Braun Melsungen.

von Wolfgang GillmannQuelle:Handelsblatt Online

Familienunternehmen galten bislang als zurückhaltend in ihrer Kommunikation - doch das scheint ein falscher Eindruck zu sein. Jetzt wurde einer von ihnen sogar für seinen Geschäftsbericht ausgezeichnet.

DüsseldorfSie stehen in dem Ruf, verschwiegen zu sein. Deutsche Familienunternehmen erzählen lieber weniger als mehr. Doch detaillierte Informationen zu Ertragslage und Strategie sind für Familien- und Stiftungsunternehmen durchaus kein Fremdwort. Viele berichten nicht minder ausgiebig als börsennotierte Gesellschaften. Das ist das überraschende Ergebnis einer Studie der Kommunikationsagentur Ergo, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PKF und von Roland Berger.

„Bei den besten zehn Unternehmen des Rankings herrscht der gleiche Standard wie bei den Börsengesellschaften“, berichtet Andreas Martin, Partner von Ergo, über die Ergebnisse, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Am besten informierte der Medizin-Spezialist B. Braun Melsungen AG. Das Unternehmen erhielt den diesjährigen Private-Public-Award.

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Die Jury untersuchte die Geschäftsberichte von 240 deutschen Familien- oder Stiftungsunternehmen. 56 kamen in die engere Wahl, da sie detaillierte Finanzberichte veröffentlichten. So sehr der Umfang der Berichte schwankte, so unterschiedlich war auch deren Informationsgehalt.

Viele Unternehmen präsentieren immer noch ein Bilderbuch, statt einen exakten Finanzbericht zu liefern. Zu mehr sind sie eigentlich auch nicht verpflichtet, sie müssen ihre Daten nur im Bundesanzeiger veröffentlichen und dürfen etwa detaillierte Angaben zum Gewinn auslassen. Dass es auch anders geht, zeigt der Sieger B. Braun Melsungen. Er war im vergangenen Jahr noch auf dem vierten Rang gelandet. Besonders die Transparenz der Darstellung hatte den Juroren damals gefallen. 2010 habe das Unternehmen die Gestaltung und auch die erzählte Geschichte noch einmal deutlich verbessert. Der Geschäftsbericht 2010 erreichte jetzt mit 84,8 Prozent der möglichen Höchstnoten die beste Wertung.

Bernadette Tillmanns-Estorf, Direktorin Unternehmenskommunikation bei Braun Melsungen, fühlt sich in ihrer These bestätigt, dass Familienunternehmen die Bedeutung von Finanzberichten häufig unterschätzen. „Der Geschäftsbericht ist für uns ein wichtiges Instrument der Kommunikation“, sagt sie.

Braun verteilt das Werk im Umfang von rund 140 Seiten an Kunden und Besucher. Wie bei anderen Berichten auch, hat Braun für den Finanzbericht ein Thema gewählt. Es lautete „Wissen teilen, Werte schaffen.“

Für Martin von der Kommunikationsagentur Ergo sind diese Schwerpunktthemen stets ein guter Indikator für die wirtschaftliche Verfassung. So hätten die Familienunternehmen ihren Berichten 2010 andere Themen gegeben als im Vorjahr. „2009 war von der Finanzkrise geprägt, deshalb mussten mehr Maßnahmen und Einmaleffekte erklärt werden“, sagt Martin. Gleichzeitig hätten viele Unternehmen aber die Bedeutung von eigener Forschung und Entwicklung betont und erklärt, dass diese Bereiche trotz der Sparmaßnahmen nicht gekürzt würden. Dadurch machten sie damals deutlich, dass sie trotz der Probleme in die Zukunft investieren.

Im wieder wirtschaftlich guten Jahr 2010 standen dagegen häufig die Personalaktivitäten im Vordergrund. Dabei ging es nicht um Entlassungen, sondern um die in der Krisenzeit angeschobenen Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme.

Ein Schwerpunktthema wählte auch Haniel, das zweitplatzierte Unternehmen. Zur Familiengesellschaft gehören Metro und der Pharmahändler Celesio. „Enkelfähig“ steht auf der Titelseite – eine Anspielung auf die Zukunftsfähigkeit und angesichts der Unruhe in der Gruppe eine wichtige Botschaft.

Doch nicht alles ist Gold, auch nicht bei den Berichten der Familienunternehmen. Defizite sieht Martin etwa bei den Erläuterungen zur Strategie und zur Finanzlage. „Hier berichten börsennotierte Unternehmen ausführlicher, aber die Familienunternehmen holen auf, wenn auch in kleinen Schritten“, sagt Martin. Auch die Segmentberichterstattung fehlt noch in vielen Jahresabschlüssen der Familienunternehmen. Da wollen sich die Unternehmen wohl nicht so sehr in die Karten schauen lassen, auch aus Angst vor der Konkurrenz.

Insgesamt analysierte die Jury die Geschäftsberichte nach 90 Kriterien. Rund die Hälfte davon widmete sich inhaltlichen Aussagen wie etwa der Darstellung der Ertragszahlen, der Strategie und des wirtschaftlichen Umfelds. Aber auch Angaben zur Geschichte des Unternehmens und zur Produktpalette spielten eine Rolle, ebenso wie die Gestaltung und die Sprache des Geschäftsberichts.

Erstmals hat die Jury zudem den besten Nachhaltigkeitsbericht ausgezeichnet. Er geht an die Oetker-Gruppe für den ausführlichen Bericht mit dem Titel „Unternehmen und Verantwortung“. Bei den Geschäftsberichten liegt Oetker allerdings nicht unter den ersten 20. Eine Gewinn- und Verlustrechnung veröffentlicht das Familienunternehmen nicht.


Quelle:  Handelsblatt Online
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