Pac Automation: Ein Maschinenbauer profitiert von Chinas Pharmaboom

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Pac Automation: Ein Maschinenbauer profitiert von Chinas Pharmaboom

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Gute Besserung. Chinas Gesundheitssektor soll bis 2020 auf eine Billion Dollar wachsen

von Philipp Mattheis

Der Pharmamarkt im Reich der Mitte boomt. Wie der mittelständische Anlagenbauer Pac Automation aus dem Allgäu davon profitiert.

Die Maschinen, die Pester Pac Automation in China baut, sind etwa so groß wie ein Wandschrank. Am hinteren offenen Ende stecken mehrere Dutzend Kabel, vorne sind Rollen, Gewinde und Spindeln aus Edelstahl zu sehen. Wenn die Maschine fertig ist, wird sie Medikamente in Plastik verpacken, immer zehn Packungen zu einem Bündel, ein Bündel pro Sekunde, 60 in der Minute.

Drei Monate brauchen die Pester-Leute vom Auftrag bis zur Auslieferung, um eine solche Maschine zu bauen. „Damit sind wir doppelt so schnell wie unsere Konkurrenten“, sagt Werksleiter Kevin Butler. Kundennähe und Tempo waren die Gründe für das Familienunternehmen aus dem Dorf Wolfertschwenden im Allgäu, einen Teil der Produktion nach China zu verlagern.

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Quelle: dpa

Auf diese Weise profitiert der Mittelständler mit weltweit 450 Mitarbeitern davon, dass Chinas Markt für Medikamente boomt wie kaum ein anderer. Seit Jahren wächst die Branche mit 20 bis 25 Prozent im Jahr. Pesters Kunden im Reich der Mitte sind Pharmakonzerne wie Bayer, Pfizer oder Novartis, aber auch chinesische Arzneimittelhersteller.

Unternehmen suchen Kundennähe

Seit über einem Jahr sitzt der 1888 gegründete Maschinenbauer mit 18 Leuten im Songjiang-Industriepark, etwa eine Autostunde vom Zentrum Shanghais entfernt – wenn kein Stau ist. So wie Automobilzulieferer die Nähe zu ihren Kunden suchen, folgte auch Pester seinen Abnehmern nach Fernost. Kundennähe ist für rund die Hälfte der deutschen Unternehmen der Hauptgrund, in China zu investieren.

„Anfangs haben wir nur exportiert“, erzählt Thomas Pester, der das Unternehmen in vierter Generation führt. „2004 gründeten wir dann ein Vertriebsbüro. Damit wollten wir unseren Kunden zeigen: Wir sind hier vor Ort, wir kümmern uns und gehen auf die Bedürfnisse ein.“ Noch macht China nur fünf Prozent des Gesamtumsatzes von knapp 200 Millionen Euro im Jahr aus. Aber der Anteil soll zunehmen.

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Denn die Chancen stehen gut, dass die Chinesen noch mehr Geld für Arzneimittel, Pillen und Medikamente ausgeben. „Die chinesischen Ausgaben für Pharmazeutika werden bis 2015 zwischen 18 und 20 Prozent wachsen“, prognostiziert Norbert Meyring, Partner und Pharma-Chef Asien bei der Beratung und Wirtschaftsprüfung KPMG in Shanghai.

Besser als Barfuß-Doktoren

Zum einen wächst die Zahl der Menschen, die sich Arzneien leisten können. Großzügig geschätzt zählen bereits 700 Millionen Menschen zur neuen Mittelschicht: Sie haben mehr Geld zur Verfügung, als sie zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse benötigen.

Nach der Mao-Ära, in der die Krankenversorgung für alle kostenlos war, aber oft eben auch nur den Besuch eines Barfuß-Doktors umfasste, litten in den Neunzigerjahren viele Chinesen unter den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen. Sie konnten sich keine Gesundheitsversorgung mehr leisten. Nach der Reform 2009 haben immerhin 95 Prozent der Chinesen eine – wenn auch rudimentäre – Krankenversicherung, die etwa die Hälfte der Kosten übernimmt.

Hinzu kommt: Schon heute sind 185 Millionen Chinesen über 60 Jahre alt. Dem Land steht eine massive Überalterung bevor: 2010 kamen auf 100 Erwerbstätige elf alte Menschen, 2050 werden es 42 sein, so eine Studie der Vereinten Nationen. Die Überalterung ist Folge der Ein-Kind-Politik.

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