Pausder auf den Punkt: Warum Deutschland Berlin braucht

kolumnePausder auf den Punkt: Warum Deutschland Berlin braucht

Kolumne von Verena Pausder

Berlin ist nicht nur Hauptstadt, sondern auch Weltstadt. Hip. Cool. Spielplatz der Gründer - und digitaler Durchlauferhitzer der Republik. Deutschland braucht Berlin.

Während sich Car2go aus Düsseldorf und Ulm zurückzieht, boomt Carsharing in Berlin - und wir prügeln uns um das nächstgeparkte Auto.

Wir lieben Uber und wundercar, stellen unsere Wohnungen auf airbnb und Wimdu ein und leihen uns Abendkleider bei Laremia.

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Wir trinken den besten Kaffee der Welt und bringen unsere Hunde mit ins Büro. Ach ja, apropos Büros: Wir wollen nicht mehr in Teppich-Büros mit niedrigen Decken und Oberlichtern arbeiten, sondern der Arbeitsplatz soll etwas Besonderes sein.

Nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch optisch. Soundcloud, Researchgate, wooga und Onefootball machen es vor. 

Die zehn wertvollsten Digital-Startups

  • Platz 10

    Flipchart bietet eine App an, mit der digitale Notizen – egal ob per Tastatur oder Freihand – organisiert werden können. Das Wagniskapital liegt bei 5 Milliarden Dollar.

    Quelle: Statista.de

  • Platz 9

    Das 2009 in San Francisco gegründete Startup Square ist ein Finanzdienstleister rund um mobiles Bezahlen. Der Unternehmenswert wird auf 5 Milliarden Dollar taxiert.

  • Platz 8

    Pinterest ist ein soziales Netzwerk, in dem die Nutzer Fotos an die Pinnwände anderer Profile "pinnen" können. Das Foto-Netzwerk hat weltweit mehr als 70 Millionen Nutzer und kommt auf einen geschätzten Wert von 5 Milliarden Dollar.

  • Platz 7

    Rocket gilt als deutsches Vorzeige-Startup. Der Internetinkubator ist an zahlreichen Startups wie Zalando oder eDarling beteiligt. Der Unternehmenswert wird auf 5,8 Milliarden Dollar geschätzt.

  • Platz 6

    Wie viele US-Startups stammt Palantir aus Palo Alto, Kalifornien. Das Softwareunternehmen bietet Finanz- und Sicherheitssoftware an. Einer der größten Kunden der Sicherheitssoftware ist dem Vernehmen nach die CIA. Palantir ist geschätzte 9,3 Milliarden Dollar wert.

  • Platz 5

    Mit der Snapchat-App können Nachrichten und Bilder von Smartphones und Tablets verschickt werden. Die Besonderheit: Die Bilder sind nur wenige Sekunden sichtbar und löschen sich dann selbst. Experten schätzen den Wert auf zehn Milliarden Dollar.

  • Platz 4

    Dropbox bietet seinen Nutzern einen Online-Speicher an – die Cloud für jedermann. Auch hier liegt der geschätzte Unternehmenswert bei zehn Milliarden Dollar.

  • Platz 3

    Xiaomi bringt in China den Smartphone-Markt durcheinander und macht den Branchengrößen Apple und Samsung kräftig Konkurrenz. Der Wert liegt bei zehn Milliarden US-Dollar.

  • Platz 2

    Statt ein Hotelzimmer zu suchen kann per Airbnb auch ein Zimmer oder eine Wohnung tageweise gemietet werden, meist von privat. In einigen Staaten und Städten ist Airbnb zwar verboten, das tut dem Erfolg aber keinen Abbruch: Der Wert des Unternehmens liegt dem Vernehmen nach bei zehn Milliarden Dollar.

  • Platz 1

    Über kaum ein Startup ist international so viel berichtet worden wie über den Taxi-Konkurrenten Uber. Der Fahrdienst-Vermittler hat zuletzt viel Geld von Investoren eingesammelt und kommt auf einen Schätzwert von 18,2 Milliarden Dollar.

Wir co-worken im betahaus, St. Oberholz oder Soho House und finden Einzelbüros höchst suspekt. Wir bestellen Produkte, die noch keiner kennt, auf Kickstarter und crowd-investieren bei Companisto, Seedmatch, indiegogo und Bergfürst. Nicht, weil wir wirklich mit einer Rendite rechnen, sondern weil wir einfach dabei sein wollen. Wir trainieren mit Freeletics, Runtastic und gymondo und haben schon lange kein Fitness-Studio mehr von innen gesehen.

Gründer Bei Berlins Startups ist die Party vorbei

Rückzüge, Notverkäufe, Pleiten: Nach Jahren des Booms macht sich Realismus in Deutschlands Internet-Hochburg an der Spree breit. Ohne zusätzliches Risikokapital bleibt der Abstand zum Silicon Valley exorbitant.

Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Wir bestellen unser Essen bei Home Eat Home, Eatfirst oder Marley Spoon und finden es zeitraubend im Supermarkt einzukaufen. Und wir werden sicherlich die Ersten sein, die mit Google Glass und iWatch durch die Straßen rennen und Nutzerreports ins Netz stellen.  

Berlin ist das Startup-Labor der Republik

All dies mag Menschen außerhalb von Berlin hochgradig suspekt vorkommen. Viele mag diese vermeintliche Parallelwelt an einen Hype oder gar eine Blase erinnern.

Und dass die Gesamtheit aller Berliner Startups mehr Verlust als Umsatz macht, ist für Viele ein weiterer Indikator dafür, dass es sich bei diesem digitalen Versuchslabor eher um ein vorübergehendes Phänomen als um eine ernstzunehmende Zukunftsschmiede handeln kann. Aber dieser Schluss ist falsch.  

Woher Startups ihr Kapital erhalten

  • Eigene Ersparnisse

    82,5 %

    Quelle: Deutscher Startup Monitor/Bundesverband Deutsche Startups, 2014

  • Familie und Freunde

    32,7 %

  • Staatliche Fördermittel

    29,1 %

  • Business Angels

    28,2 %

  • Inst. Risikokapitalgeber

    21,4 %

  • Inkubatoren

    10,9 %

  • Bankdarlehen

    10,2 %

  • Schwarmfinanzierung

    4,1 %

Berlin braucht den Rest von Deutschland – das ist richtig. Denn natürlich sind der Mittelstand und die Schwergewichte unserer Wirtschaft immer noch das Rückgrat unseres Landes. Aber der Rest von Deutschland braucht auch immer mehr Berlin.

Denn was in Berlin gerade passiert, sollten sich Unternehmensvertreter des Mittelstands und der Old Economy ganz genau ansehen. Kein Unternehmen kann es sich leisten, die Produkte, Dienstleistungen und die Lebensweise, die hier Trend sind, zu ignorieren oder klein zu reden.

Während es in Rest-Deutschland immer noch keine Kultur des Scheiterns oder des Fehler-Eingestehens gibt, ist es in Berlin teurer geworden stehen zu bleiben als Fehler zu machen oder zu scheitern. Und das lässt die Schere zwischen der digitalen Wirtschaft und den traditionellen Unternehmen immer weiter aufgehen. Berlin ist in puncto Startups das Labor der Republik.

Bekannte Kopien erfolgreicher Firmen

  • Groupon und Citydeal

    Rabattgutscheine übers Internet: Die Idee der US-Plattform Groupon lockte in Deutschland mehrere Nachahmer. Einen davon kaufte sich Google. Aber der erfolgreichste hieß Citydeal: Den Klon der Samwer-Brüder schnappte sich Groupon selbst – im Tausch gegen Firmenanteile, von denen die Citydeal-Gründer und Investoren später einen Teil für 170 Millionen Dollar verkauften.

  • Etsy und Dawanda

    Zwei Millionen individuelle Produkte, 130.000 Anbieter: „Die Einzigartige“ bedeutet der Name des Online-Marktplatzes Dawanda. Doch das Unternehmen ist ein Klon des US-Portals Etsy.

  • Facebook und StudiVZ

    Rot statt blau – das war anfangs einer der wenigen Unterschiede zwischen Facebook und StudiVZ. Anfangs Marktführer in Deutschland, wurde StudiVZ 2009 von Facebook überholt. Heute fristet es ein Schattendasein.

  • Twitter und Frazr

    Kurz nachdem in den USA Twitter gestartet war, ging in Deutschland Frazr auf Sendung. Als Twitter im Jahr 2009 bereits mehr als eine Million Nutzer in Deutschland zählte, gab Frazr auf.

Nirgendwo sonst in Deutschland wird so viel ausprobiert, experimentiert, hinterfragt und iteriert. Nirgendwo sonst werden die bisherige Arbeitswelt und die existierenden Unternehmen so sehr in Frage gestellt wie hier. Es gibt keine alten Zöpfe, die nicht abgeschnitten werden dürfen und es gibt keine Barrieren in den Köpfen, was geht und was nicht geht. 

Alles ist möglich. Aber das heißt nicht, dass alles erfolgreich ist. Zum Glück nicht.

Denn Innovationen sind das Ergebnis von trial and error. Sie sind das Ergebnis von Prototypen, Fehlern, neuen Prototypen und schließlich der Essenz, die das Potential hat, am Markt erfolgreich zu sein.

Nicht jede Idee ist gut, nicht jedes Startup schafft die nächste Finanzierungsrunde, nur sehr wenige werden international erfolgreich. Aber entscheidend ist, dass es immer mehr werden.

Und zwar mehr Menschen für die Unternehmertum und die neuen Technologien die beste Option darstellen, die Zukunft zu gestalten.

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Die Digitalisierung ist keine Option mehr. Es geht nicht darum, ob ich als Unternehmen an ihr teilnehmen möchte oder nicht. Die Digitalisierung ist da und sie betrifft jeden Wirtschaftszweig, jedes Unternehmen und jeden Menschen.

Wir leben in einer Zeit des noch nie vorher dagewesenen Wandels. Kein Stein bleibt auf dem Anderen, alles wird in Frage gestellt, alles verändert sich. Und in Zeiten solch exponentiellen Wandels braucht die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt eine digitale Speerspitze. Und das ist Berlin.

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