Personalsuche: Besser vermarkten: Wie Mittelständler gutes Personal finden - Seite 2

Personalsuche: Besser vermarkten: Wie Mittelständler gutes Personal finden

2

Spannender Job schlägt hohes Gehalt

Phoenix Contact - Im Quelle: AP
Phoenix Contact - Im vergangenen Jahr 87 Prozent der geplanten Stellen besetzt Quelle: AP

Mit Marketing allein ist es allerdings nicht getan. Die Unternehmen müssen den Umworbenen auch tatsächlich mehr bieten. Bei den Gehältern können sie dem Vergleich mit Großunternehmen zwar meist nicht standhalten, doch das müssen sie auch gar nicht: „Das Thema Bezahlung hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren“, sagt Asmus Komm, Partner im Hamburger Büro der Unternehmensberatung McKinsey.„Ein spannender Job, Flexibilität und eine gute Work-Life-Balance sind wichtiger geworden.“

Zudem können kleinere Unternehmen mit der Nähe zum Inhaber oder Geschäftsführer, flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswegen punkten. Die typisch mittelständische Unternehmenskultur ist für viele Bewerber verlockend: 90 Prozent der nachwachsenden Fach- und Führungskräfte halten laut Studie „Employer Branding 2006“ ein gutes Betriebsklima für äußerst oder sehr wichtig.

Wie das im Betriebsalltag funktioniert, zeigt Claus Dillenburger, Gründer der Kölner Dillenburger Gruppe.„Jeden Tag gehe ich durch das Unternehmen und begrüße die Mitarbeiter. Da sehe ich schnell, ob jemand Probleme hat“, sagt der Seniorchef des Dienstleisters für technisches Gebäudemanagement. In einem Gespräch ließen sich diese meist schnell lösen. Und wenn ein Projekt gut gelaufen ist, sagt Dillenburger dem gestressten Mitarbeiter schon mal, er solle seiner Frau am Freitag einen Blumenstrauß kaufen, mit der Familie übers Wochenende nach Holland fahren und die Rechnung mitbringen. Das Kölner Familienunternehmen will sich bewusst von „den Großen absetzen“.

Das scheint zu wirken: Jobinserate schaltet Dillenburger nicht mehr. Die Suche nach neuen Mitarbeitern funktioniert oft durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Zufriedene Angestellte helfen bei der Suche nach Fachkräften. Seine 160 Mitarbeiter werben neue Kollegen für das Unternehmen – und erhalten dafür eine Prämie. So spart Dillenburger rund 40 Prozent der Rekrutierungskosten. Als Dienstleister in der schnell wachsenden Branche Gebäudemanagement sucht Dillenburger ständig neue Mitarbeiter. Umso wichtiger ist für das Familienunternehmen, dass die Fluktuation gering bleibt. Im vergangenen Jahr ging gerade einmal ein Mitarbeiter – und das aus persönlichen Gründen. Fast ebenso wichtig wie das Betriebsklima sind laut Employer-Branding-Studie Weiterbildung und Förderung. Doch gerade hier hapert es beim Mittelstand. Bei der Personalentwicklung arbeiten viele Unternehmen eher intuitiv, gleichsam auf Zuruf. „Doch zumindest eine Person sollte im Unternehmen sein, die dieses Geschäft versteht“, sagt Personal-Professor Scholz.

Erfolgsfaktor Kinderbetreuung

Der Maschinenbauer Treif, Weltmarktführer für Schneidemaschinen in der Lebensmittelindustrie, will dieses Manko abbauen. „Wir sind dabei, eine strategische Personalentwicklung aufzubauen“, sagt Marcel Schweitzer, Personalreferent bei Treif. Schweitzer tüftelt an einem Konzept für das 220-Mann-Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Oberlahr und sucht passende Weiterbildungsangebote zusammen. Punkten können Mittelständler beim Trendthema Familie und Beruf – wenn das Konzept stimmt. Zwar ist in mittelständischen Firmen in der Regel mehr Verständnis für Mütter und Väter vorhanden, die plötzlich kranke Kinder betreuen müssen. Jobmodelle, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zugeschnitten sind, gibt es dagegen seltener.

Eine Ausnahme ist die Inosoft AG. Der Mittelständler mit rund 50 Mitarbeitern hat nicht nur eine Kinderbetreuung im Unternehmen und flexible Arbeitszeiten. Die Marburger bieten auch Extras wie einen Bügelservice oder den eigenen Fitnessraum. Dafür wurde Inosoft beim Wettbewerb Erfolgsfaktor Familie 2005 als eines der zehn besten kleinen Unternehmen ausgezeichnet. Mehr als 80 Prozent der Inosoft-Mitarbeiter sind männlich. Markus Wotruba ist Fachleiter bei dem Software- und Beratungsunternehmen. Freitagmittag endet seine Bürowoche, der Nachmittag gehört seinen Kindern. Der 37-jährige Informatiker arbeitet seit zwölf Jahren bei Inosoft. Einen Nachmittag pro Woche kommen seine sieben und neun Jahre alten Kinder zu ihm ins Unternehmen. Sie toben auf dem großen, grünen Firmengelände oder im eigens für sie eingerichteten Raum. Die kleineren Kinder betreut eine Tagesmutter, um die größeren kümmert sich ein angehender Erzieher. Wenn Wotruba eine Pause macht, schaut er auch mal kurz vorbei.

200 Kilometer weiter nordöstlich in der Steuerkanzlei Knollenborg & Partner im westfälischen Lingen hat Mitinhaberin Elisabeth Knollenborg schon lange familienfreundliche Regelungen eingeführt. Von den 50 Mitarbeitern sind 40 Frauen. Einen Zuschuss für die Tagesmutterkosten gibt es hier schon seit Jahren, Telearbeitsplätze und Teilzeitlösungen sind eine Selbstverständlichkeit. Das lohnt sich. Knollenborg: „Wir halten qualifizierte Arbeitskräfte, die beständig dieselben Mandanten betreuen, und haben Mitarbeiter, die den Betrieb sehr gut kennen.“

weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.