Pitch Club: Gründer an der Nadel

Pitch Club: Gründer an der Nadel

, aktualisiert 30. Juni 2016, 19:11 Uhr
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Ein Geschäftsmann reißt sich die Krawatte vom Hals: Investoren und Start-up-Unternehmer kommen im Frankfurter Pitch Club leicht ins Gespräch.

von Christian SchnellQuelle:Handelsblatt Online

Erfinder einer Steuer-App, Online-Kaffeeverkäufer, Rollatoren-Hersteller: Obwohl Frankfurt das Image der Stadt der Banken und des „Big Business“ hat, gilt es als Start-up-Nirvana. Gründer im Pitch Club wollen das ändern.

FrankfurtStuhl und Tätowierer-Ausrüstung sind an diesem Tag nur durch die Leinwand versteckt. Die ist auch nötig, auf ihr präsentieren die Kandidaten schließlich ihre Konzepte. Rechts davon hängen vier Rundspiegel, in Leder eingefasst. Wer sich nicht tätowieren lassen will, kann sich hier normalerweise auch die Haare schneiden lassen. Eine Tafel gibt Hinweise für den richtigen Umgang mit Bartöl. Gesichtsbehaarung dominiert auch an diesem Tag. Der Pitch Club hat an diesem Tag zur achten Ausgabe geladen. Ins „The Legends“, einem angesagten Frankfurter Trendladen nahe der Einkaufsmeile Zeil mit dem bunten Konzept aus Bar, Friseursalon und eben Tattoo-Studio.

Zehn Start-ups präsentieren vor knapp 100 Zuhörern ihre Konzepte. Jeder hat exakt sechs Minuten Zeit, eine Glocke beendet ganz analog jede Präsentation. Auf die Bühne kommen ein Entwickler einer Steuer-App, die Erfinder einer Überweisungs-App für Migranten, aber auch Kaffee-Verkäufer im Internet oder ein Hersteller von Elektro-Rollatoren. Und auch ganz handfestes wie ein Buchungsservice für Handwerker oder die Gepäcklieferung zum Flughafen via App. Neue Ideen braucht es schließlich überall.

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Das gilt auch für den Umgang miteinander. Man ist sofort beim „Du“, daran gewöhnen sich auch die Investoren schnell. „Du Andreas, kannst Du mal sagen, wie Du Dich von den vielen anderen Steuerprogrammen differenzieren willst, die es schon gibt“, fragt einer nach der ersten Präsentation Andreas Reinsch, den Mann mit der Steuer-App. Der erzählt bereitwillig, wie hiermit bereits das ganze Jahr über Belege abfotografiert werden können, die dann sofort in die Steuererklärung einfließen. An Neujahr könnte so bereits die Steuererklärung stehen. Dass bisher so irre komplizierte Dinge auch so einfach gelöst werden können, denken jetzt viele.

Dabei sind kritische Fragen durchaus erwünscht. Und für lange Erklärungen ist hier eh nicht der richtige Ort. Der Raum ist klein und heiß, die unbequemen Klappstühle sind eng gestellt. Zwei bis drei Fragen sind das Maximum nach jeder Präsentation, der Rest kann später ein Stockwerk tiefer beim „One-on-One“ geklärt werden. An kleinen Tischen kommt es dann zu einer Art Speed-Dating zwischen Start-up-Unternehmer und Investor.

Damit waren die Teilnehmer der vergangenen sieben Veranstaltungen durchaus erfolgreich. 58 Teilnehmer gab es bislang, über 40 Prozent von ihnen haben seither über die Investoren im Pitch Club eine Finanzierung erhalten. Mehr als 10 Millionen Euro flossen insgesamt. Für übliche Frankfurter Geldgeschäfte ist das sicher eine überschaubare Summe, für die Start-up-Szene hingegen ein Betrag, mit dem sich eine Zeit lang arbeiten lässt. Große Namen wie die Deutsche Bank oder PwC gehören zu den Sponsoren der Veranstaltung.

Manche Präsentation wäre in einer späteren Unternehmensphase sicher ausgereifter, aber die Initiatoren suchen bewusst sehr junge Start-ups. Solche in einer „Early Stage-Phase“, wie es im Branchenjargon heißt. E-Movements, der Hersteller elektrischer Rollatoren, wurde beispielsweise erst am 1. Juni gegründet.


Warum im Umgang mit Start-ups Menschenkenntnis wichtig ist

Dabei gilt die Skepsis derer, die zum ersten Mal dabei sind, weniger dem Konzept, sondern vielmehr der Tatsache, dass so etwas ausgerechnet in Frankfurt stattfindet. Der Stadt der Banken und des „Big Business“. „Wir wissen, dass uns viele hier für ein Start-up-Nirvana halten“, sagt Alexander Maximilian Schiller von der Gründerküche, einem Info-Portal für Start-ups aus Frankfurt.

Junge innovative Unternehmen mit neuen kreativen Ideen siedeln die meisten Außenstehenden eher in Berlin an, womöglich noch in Köln, Hamburg oder München. Auf das Rhein-Main-Gebiet kommt erst mal niemand bei diesem Thema. Das mit seinem Team zu ändern hat sich der Vollbartträger mit dem akkuraten Seitenscheitel vorgenommen. Die nächsten Veranstaltungen sollen dann auch mal in Darmstadt oder Mainz stattfinden.

So bunt wie die Start-ups, die sich präsentieren, ist auch die Schar der Investoren. Sie kommen von Banken, Fondsgesellschaften, aber auch von großen Technologiekonzernen. Alle sind auf der Suche nach der möglicherweise ultimativen Geschäftsidee.

„Auch wenn klar ist, dass viele, die sich hier präsentieren, in einiger Zeit auch wieder verschwunden sein werden“, wie einer im offenen weißen Hemd aus langer Erfahrung berichtet. Ein gesunder Realitätssinn gehört eben auch dazu, selbst wenn einem hier von überall pure Euphorie entgegen zu schlagen scheint.

Im direkten Kontakt wird schnell klar, wer wirklich für seine Geschäftsidee fiebere und wer damit nur möglichst schnell Kasse machen will, plaudert ein anderer aus der Praxis. Manchmal hilft Menschenkenntnis eben auch im Umgang mit Start-ups.

Quelle:  Handelsblatt Online
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