Prämien, Versicherungen, Immobilien: Wie Mittelständler Mitarbeiter in China binden

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Prämien, Versicherungen, Immobilien: Wie Mittelständler Mitarbeiter in China binden

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In China qualifizierte Mitarbeiter zu finden gestaltet sich für viele Mittelständer schwierig.

von Matthias Kamp und Philipp Mattheis

Der deutsche Mittelstand strebt nach China. Doch qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu binden, wird schwieriger. Was Unternehmen tun können.

Wenn Dominic Sturm über sein Geschäft in China spricht, gerät er erst ins Schwärmen, aber dann folgt bald ein größeres Stöhnen. Sicher, die Verkaufszahlen zeigen nur nach oben, seit Stihl – der Hersteller von Kettensägen, Heckenscheren und Rasentrimmern aus dem schwäbischen Waiblingen – vor acht Jahren seine erste Fabrik in der nordostchinesischen Stadt Qingdao eröffnete.

Das Unternehmen, das weltweit fast 14.000 Mitarbeiter beschäftigt und zuletzt 2,8 Milliarden Euro umsetzte, wächst im Reich der Mitte jedes Jahr mit zweistelligen Raten. Denn immer mehr Chinesen können sich inzwischen ein Haus mit eigenem Garten leisten – und der will natürlich auch gepflegt werden.

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Doch Sturm, Ausbildungsleiter bei Stihl in China, muss dafür sorgen, dass die Schwaben auch immer ausreichend Mitarbeiter haben, um das Wachstum im nach wie vor boomenden Riesenreich stemmen zu können. Etwa 750 Arbeiter beschäftigt Stihl zurzeit in den Fabriken in der früheren deutschen Kolonie in Ostchina; jedes Jahr müssen unter dem Strich 100 dazukommen.

Viele kommen nach dem Neujahrsfest nicht zurück

Um das zu erreichen, muss Sturm pro Jahr rund 200 neue Leute einstellen. Bisweilen keine leichte Aufgabe: „Vor allem bei ungelernten Arbeitskräften ist die Fluktuation mit 20 Prozent enorm hoch“, sagt der Deutsche.

So geht es fast allen deutschen Unternehmen im Land. In den einschlägigen Umfragen der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Shanghai nennen sie regelmäßig die Suche nach geeigneten Mitarbeitern als größtes Problem.

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Wer mehr als einen Winter in China verbracht hat, weiß, dass beispielsweise nach dem Neujahrsfest immer ein paar Mitarbeiter einfach nicht mehr auftauchen. Denn in der chinesischen Ferienwoche, die mal in den Januar, mal in den Februar fällt, besuchen Wanderarbeiter traditionell ihre Familien auf dem Land.

Manche entschließen sich kurzerhand, dort zu bleiben, andere hören von einem Bekannten, anderswo gebe es ein paar Yuan mehr zu verdienen, und wechseln kurzerhand. So kann es passieren, dass von 500 Arbeitern am Ende der Ferienwoche nur noch 200 zurückkommen – keine Kündigung, kein Anruf, nicht einmal eine E-Mail.

Keine Loyalität zum Arbeitgeber

Nicht viel besser ist die Lage bei Fach- und Bürokräften. Es fehlt an guten Kaufleuten, Ingenieuren, Betriebswirten – eigentlich an allen Berufsgruppen.

Der rechtliche Rahmen macht den Chinesen das Jobhopping leicht. Wasserdichte Gesetze mit Kündigungsfristen gibt es im Boommarkt China nicht. Das Problem haben damit vor allem die Arbeitgeber: Wer seinen Job verliert, findet angesichts der chronischen Knappheit an Arbeitskräften schnell einen neuen.

Loyalität zu einem Arbeitgeber kennen viele Chinesen nicht. Für 100 Yuan, umgerechnet gerade mal rund zwölf Euro, mehr im Monat oder auch nur einen kürzeren Anfahrtsweg zum Job wechseln viele das Unternehmen. Bei rund 19 Prozent lag die Mitarbeiterfluktuation in China im Jahr 2012. Das bedeutet, dass innerhalb von fünf Jahren einmal die Belegschaft komplett ausgewechselt wird. In manchen Branchen liegt die Wechselrate sogar bei 30 Prozent.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

  • Handelsvolumen

    China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

  • Exporte

    Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

  • Importe

    Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

  • Investitionen

    Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Trotz solcher Hemmnisse ist der China-Sog ungebrochen. Rund 5000 Unternehmen aus Deutschland haben dort inzwischen Niederlassungen, der größte Teil von ihnen sind Mittelständler. Und es kommen fast jeden Tag neue hinzu.

Auch wenn Chinas Wirtschaft sich zuletzt abgeschwächt hat: Bei 7,5 Prozent Wachstum sind die Aussichten für deutsche Unternehmen immer noch mehr als verlockend. Das gilt besonders für Maschinenbauer, Pharmaunternehmen oder Elektrotechnikanbieter. Sie haben – anders als die ausländische Konkurrenz – genau die Produkte im Angebot, die China auf seinem Weg in die Moderne dringend braucht.

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