Provinz Jiangsu: Willkommen im chinesischen Baden-Württemberg!

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Provinz Jiangsu: Willkommen im chinesischen Baden-Württemberg!

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Deutsches Musterstädtchen mitten in China. Taicang in der chinesischen Provinz Jiangsu ist zum Lieblingsstandort deutscher Maschinenbauer geworden. Wer will bekommt hier sogar Curry-Wurst zum Mittagessen. Foto: www.tcinvest.gov.cn

von Philipp Mattheis und Rebecca Eisert

In Taicang, in der Nähe von Shanghai, haben sich rund 200 deutsche Unternehmen angesiedelt. Sie prägen die Stadt so sehr, dass man vom "Baden Württemberg in China" spricht. Für immer mehr schwäbische Maschinenbauer wird die Region zur zweiten Heimat.

Beim Mittagsbuffet im Restaurant Mezzo gibt es heute Pommes und Schnitzel. Friedrich Lamers grüßt die Gruppe am Nebentisch auf Deutsch. Man kennt sich. "In Taicang ist es leicht zu vergessen, dass man in China ist", sagt der gemütliche Deutsche, der von seinen chinesischen Kollegen auch mal "Lao Xiong", erfahrener Bär, genannt wird. "Wer Currywurst haben will, kriegt sie hier auch.",

Seit sieben Jahren lebt der Deutsche in der chinesischen Stadt Taicang. Vermissen tut Lamers so gut wie nichts. "Das Leben hier unterscheidet sich wenig von dem in Mitteleuropa", sagt er. Für das Heimatgefühl sorgen deutsche Restaurants, deutsche Bäckereien, ein deutsch-chinesischer Kindergarten, ein deutsches Ausbildungssystem und vor allem eine große deutsche Community. Einmal im Jahr findet hier sogar ein Oktoberfest statt.

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Die Stadt Taicang im Yangze-Delta gilt als so etwas wie das Baden-Württemberg in China. Rund 190 deutsche Unternehmen haben sich hier angesiedelt - dazu kommen noch einmal 300 amerikanische und europäische Firmen. Für baden-württembergisches Flair sorgen nicht nur die vielen Firmen aus dem Ländle. Wie im Süden Deutschlands gibt es in der Provinz Jiangsu viele kleine und mittelständische, aber vor allem inhabergeführte Unternehmen. Wer verhandeln will, redet direkt mit dem Chef - ganz wie zuhause in Schwaben. In den riesigen Staatskonzernen, die weite Teile der chinesischen Geschäftswelt dominieren, ist das unvorstellbar.

Seit 1986 besteht zwischen der Provinz Jiangsu und Baden-Württemberg eine Partnerschaft. Sie hat maßgeblich zur wohl auffälligsten Parallele zwischen beiden beigetragen: dem prächtig entwickelten Maschinenbau. Ein Fünftel aller chinesischen Maschinenbauer haben sich in dieser Provinz niedergelassen und beherrschen damit einen Großteil des chinesischen Maschinenbaus, der aktuell ein Umsatzvolumen von rund 550 Milliarden Euro erreicht. Allein der aktuelle Verbrauch an Werkzeugmaschinen summiert sich auf fast 24 Milliarden Euro. Tendenz stark steigend. Dank dieser starken Branche erreicht Jiangsu das zweithöchste BIP des Landes.

Dort - circa 50 Kilometer nordwestlich von Shanghai liegt Taicang. Mit 450.000 Einwohnern für chinesische Verhältnisse eine Kleinstadt: Auch wenn in Höchstgeschwindigkeit gebaute Hochhäuser, Nudelrestaurants und unzählige Elektroroller das Straßenbild prägen, bekommt man hier stellenweise das Gefühl, in einem deutschen Gewerbegebiet zu sein. Die Straßen sind breit und sauber, vor nicht allzu langer Zeit gepflanzte Bäume sorgen für ein bisschen Grün. In enger Nachbarschaft arbeiten hier Zollner Elektronik, Mubea, Schaeffler, Krones, Trumpf und viele andere Unternehmen - vor allem Mittelständler aus den Bereichen Automobilzulieferer, Elektronik und Maschinenbau. Lamers zum Beispiel arbeitet für den deutschen Automobilzulieferer Mubea.

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