Recruiting: So kämpft der Mittelstand um die besten Köpfe

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Recruiting: So kämpft der Mittelstand um die besten Köpfe

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Dringend gebraucht: Mittelständler haben oft Probleme bei der Suche nach Fachkräften, etwa nach Maschinenbauern.

Die Suche nach Fachkräften wird für Mittelständler immer schwieriger. Clevere Unternehmen finden neue Formen von Kooperationen mit Hochschulen und werben sogar gemeinsam mit Konkurrenten um neue Mitarbeiter.

Frisch in Deutschland ausgebildete Maschinenbau-Ingenieure sind bei Personalchefs in Technikkonzernen heiße Ware. Sie sind fachlich top und denken international. Im Kampf um diese klugen Köpfe liegen meist Weltkonzerne mit klingenden Namen vorn, weil deren Personalabteilungen über millionenschwere Budgets für Praktikanten, Werkstudenten, Stipendien, Hochschulkooperationen, Gastprofessuren und einladende Stände auf Firmenkontaktbörsen verfügen.

Item Industrietechnik mit seinen 400 Mitarbeitern kann das alles nicht vorweisen. Aber der Solinger Spezialist für Alu-Systembaukästen zum Bau von Maschinen, Betriebseinrichtungen und Anlagen hatte eine zündende Idee, um sich unter Maschinenbau-Studenten vom ersten Semester an Freunde zu machen.

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Das Unternehmen schuf das „Item Glossar“, ein deutsch-englisches Online-Wörterbuch mit rund 60.000 Maschinenbau-Begriffen und beschrifteten Zeichnungen. Inzwischen ist es auch als Smartphone-App erhältlich.

Die Nachfrage brummt: In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurde das Glossar allein im Google Play Store mehr als 1000-mal heruntergeladen. Bald stellt Item die nützliche Hilfe für Seminar- oder Abschlussarbeiten auch auf Spanisch und Chinesisch ins Netz. So verankern sich die Solinger früh und positiv in den Köpfen potenzieller Mitarbeiter.

Die attraktivsten Regionen für Fachkräfte

  • 44 Prozent

    Laut des aktuellen Fachkräfte-Atlas der Jobbörse Stepstone würden 44 Prozent sofort ihre Koffer packen und nach Bayern ziehen, wenn sie dort eine geeignete Stelle finden.

  • 38 Prozent

    Nord und süd: Jeweils 38 Prozent nannten Baden-Württemberg beziehungsweise den Stadtstaat Hamburg attraktive Regionen für Fachkräfte.

  • 30 Prozent

    Ein Drittel möchte in Nordrhein-Westfalen arbeiten.

  • 28 Prozent

    Berlin mag sexy sein. Als Fachkräfteregion ist die Heuptstadt jedoch nur für 28 Prozent der Befragten attraktiv.

  • 21 Prozent

    Noch weniger, nämlich 21 Prozent, können sich vorstellen, zum Arbeiten nach Hessen zu ziehen.

  • 20 Prozent

    20 Prozent halten Niedersachsen für eine attraktive Fachkräfte-Region.

  • 16 Prozent

    16 Prozent wollen nach Rheinland-Pfalz.

  • 13 Prozent

    13 Prozent zieht es nach Schleswig-Holstein.

  • 11 Prozent

    Nur elf Prozent wollen in Bremen leben und arbeiten.

  • 9 Prozent

    Neun Prozent könnten es sich vorstellen, für einen Job nach Sachsen zu ziehen.

  • 7 Prozent

    Jeweils sieben Prozent nannten Brandenburg beziehungsweise Mecklenburg-Vorpommern eine attraktive Fachkräfte-Region.

  • 6 Prozent

    Sechs Prozent würden nach Thüringen ziehen.

  • 5 Prozent

    Ins Saarland wollen fünf Prozent.

  • 4 Prozent

    Vier Prozent könnten sihc vorstellen, nach Sachsen-Anhalt zu ziehen.

Denn: „Wer im richtigen Beruf und der richtigen Branche unterwegs ist, egal, ob Akademiker oder Facharbeiter, wird immer wählerischer“, sagt Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), einer Fachorganisation für Personalmanagement mit Sitz in Düsseldorf. „Der Arbeitsmarkt ist ein Bewerbermarkt geworden.“ Das gilt nicht nur für Hochschulabsolventen, sondern auch für Auszubildende und Berufserfahrene.

Verlierer in der Provinz

So gaben 50 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen an, aktuell bei der Rekrutierung geeigneter Bewerber Probleme zu haben. Das ergab die im März veröffentlichte DGFP-Studie „Zukunft der Berufsausbildung“. Die Prognose für die kommenden drei Jahre fällt noch düsterer aus: Fast 90 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Bereits 2013 – neuere Zahlen gibt es nicht – blieben von 564.000 angebotenen Lehrstellen 34.000 unbesetzt.

Wer nicht zu den Top-Arbeitgebern oder Technologieführern gehört und womöglich dazu noch in der Provinz sitzt, muss über neue Modelle zur Fachkräftegewinnung nachdenken. Ein bisschen Weiterbildung hier, ein wenig flexible Arbeitszeiten dort – vom Standardprogramm (siehe Grafik unten) lassen sich Fachkräfte in begehrten Berufen nicht mehr beeindrucken.

Digitalisierung Jobs der Zukunft

Die nächste Generation der Industrie wird den Arbeitsmarkt umkrempeln. Skeptiker fürchten Stellenstreichungen, doch tatsächlich entstehen mit der Digitalisierung völlig neue Beschäftigungsbereiche. Die Jobs der Zukunft.

Digitalisierung: Jobs der Zukunft

Vorne ist, wer als Unternehmen etwa mit der Chance auf Auslandseinsätze werben kann, mit Angeboten zum lebenslangen Lernen, zu altersgerechten Arbeitsplätzen oder Pflegezeiten. In ländlichen Regionen hilft es, mit kleinen Fachhochschulen vor Ort zu kooperieren oder sich mit anderen Arbeitgebern der Region beim Standortmarketing zu verbünden.

Das ist auch nötig, denn inzwischen bewirbt sich in manchen Branchen nicht mehr der Mitarbeiter, sondern das Unternehmen buhlt um den Kandidaten. Dies gilt für Gesundheits- und Sozialberufe ebenso wie für Ingenieure, IT-Experten, Metallbauer, Kfz-Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer.

Unternehmensangebote zur Gewinnung und Bindung von Nachwuchskräften. (zum Vergrößern bitte anklicken)

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Die Zahl unbesetzter Stellen stieg dank der derzeit gut laufenden Konjunktur im März um rund 23.000 auf bundesweit 542.000 Jobangebote. Denen stehen derzeit rund 3,8 Millionen sogenannte Unterbeschäftigte gegenüber. Dazu zählen nicht nur Arbeitslose, sondern auch Kurz- und Teilzeitarbeiter. Die Wissenschaft spricht hier von „mismatch“, einem Ungleichgewicht. Mal hapert es aus Sicht der Unternehmen an der Bewerber-Qualifikation, mal aus Sicht des Bewerbers am Standort.

Insgesamt wird die Zahl der Arbeitskräfte in den kommenden Jahren kräftig sinken. Das Ausmaß des demografischen Wandels zeigt eine jüngst im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Studie. Danach sinkt in Deutschland die zur Verfügung stehende Zahl der Arbeitskräfte von 45,2 Millionen im Jahr 2012 bis 2035 auf 40,8 Millionen. Vorausgesetzt, jährlich kommen wie bisher rund 200.000 neue Ausländer auf Jobsuche dazu.

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