Rimowa: Die neuen Koffer können selbst einchecken

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Rimowa: Die neuen Koffer können selbst einchecken

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Digitale Reise: Rimowa-Chef Morszeck rüstet Koffer für Check-In per Internet auf.

Stabile Koffer hat Rimowa bereits, jetzt sollen sie auch noch schlau werden. Der Kölner Gepäckhersteller, künftig Teil des Luxuskonzerns LVMH, rüstet seine Koffer für den Check-in per Internet aus.

Für die Demonstration im Londoner Vorzeigeladen des Kofferherstellers Rimowa braucht Richard McCarthy nur 30 Sekunden. Er öffnet eine App auf seinem Tablet und sendet Flugdaten via Bluetooth an einen Koffer. In einem kleinen Bildschirm auf der Oberfläche des Gepäckstücks erscheint die Gepäcknummer, die sonst auf Papieranhängern steht. Vielflieger müssen sich so nicht mehr vor dem Check-in-Schalter anstellen, sondern können das Gepäck ohne Wartezeit an einem Gepäckautomaten abgeben. Erste Linien wie die Lufthansa akzeptieren die elektronischen Gepäckscheine bereits, weitere sollen folgen. Rund 5000 Kunden haben sich bereits registriert.

„Das ist die Zukunft des Reisens“, schwärmt Rimowa-Chef Dieter Morszeck. Mit der Electronic Tag genannten Innovation habe der Kölner Kofferhersteller das Gepäck als Erster digitalisiert und das Leben seiner viel fliegenden Zielgruppe erleichtert. Das Produkt ist das Ergebnis einer Kooperation mit dem Flugzeugbauer Airbus und dem IT-Dienstleister T-Systems. Jeder der drei Partner brachte seine Expertise ein, 2013 stellten sie einen Prototyp auf der Cebit in Hannover vor, seit März läuft der Serienbetrieb.

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Die Offenheit für eine solche Kooperation, die auf den ersten Blick nicht naheliegt, ist eines der Erfolgsgeheimnisse des Unternehmens. Chef Morszeck legt bei der Entwicklung neuer Produkte selbst Hand an, als Rimowa kurz nach der Jahrtausendwende den weltweit ersten Vier-Rollen-Koffer entwickelte, experimentierte er am Wochenende zu Hause mit einem Gehäuse aus Holz und Bürostuhlrollen, die er im Baumarkt gekauft hatte. „Die Freude und Leidenschaft für unsere Produkte und Projekte versuche ich auch auf mein Team zu übertragen“, sagt er.

Die innovativsten deutschen Mittelständler

  • Platz 15

    Lamilux
    Hauptsitz: Rehau (BY)
    Produkt: Lichttechnologie
    Umsatz: 187 Mio Euro
    Innovationsscore: 169

  • Platz 14

    Windmöller Holding
    Hauptsitz: Augustdorf (NRW)
    Produkt: Bodenbeläge
    Umsatz: 120 Mio Euro
    Innovationsscore: 170

  • Platz 13

    Maja-Maschinenfabrik
    Hauptsitz: Kehl (BW)
    Produkt: Lebensmittelverarbeitung
    Umsatz: 23 Mio Euro
    Innovationsscore: 171

  • Platz 12

    Mekra Lang
    Hauptsitz: Ergersheim (BY)
    Produkt: Spiegel für Nutzfahrzeuge
    Umsatz: 260 Mio Euro
    Innovationsscore: 172

  • Platz 11

    Brandt Zwieback
    Hauptsitz: Hagen (NRW)
    Produkt: Zwieback
    Umsatz: 189 Mio Euro
    Innovationsscore: 175

  • Platz 10

    Edelmann
    Hauptsitz: Heidenheim (BW)
    Produkt: Verpackungslösungen
    Umsatz: 235 Mio Euro
    Innovationsscore: 177

  • Platz 9

    Insiders Technologies
    Hauptsitz: Kaiserslautern (RP)
    Produkt: Software
    Umsatz: 18 Mio Euro
    Innovationsscore: 178

  • Platz 8

    Arburg
    Hauptsitz: Loßburg (BW)
    Produkt: Spritzgießmaschinen
    Umsatz: 548 Mio Euro
    Innovationsscore: 181

  • Platz 6

    Fischerwerke
    Hauptsitz: Waldachtal (BW)
    Produkt: Befestigungssysteme
    Umsatz: 625 Mio Euro
    Innovationsscore: 185

  • Platz 7

    Aquatherm
    Hauptsitz: Attendorn (NRW)
    Produkt: Rohrleitungssysteme
    Umsatz: 91 Mio Euro
    Innovationsscore: 182

  • Platz 5

    C. Josef Lamy
    Hauptsitz: Heidelberg (BW)
    Produkt: Schreibgeräte
    Umsatz: 71 Mio Euro
    Innovationsscore: 186

  • Platz 4

    Leica Camera
    Hauptsitz: Wetzlar (HE)
    Produkt: Kameras
    Umsatz: 276 Mio Euro
    Innovationsscore: 189

  • Platz 3

    Gebr. Kemper
    Hauptsitz: Olpe (NRW)
    Produkt: Gebäudetechnik
    Umsatz: 270 Mio Euro
    Innovationsscore: 190

  • Platz 2

    Bahlsen
    Hauptsitz: Hannover (NI)
    Produkt: Süßgebäck
    Umsatz: 515 Mio. Euro
    Innovationsscore: 194

  • Platz 1

    Rimowa
    Hauptsitz: Köln (NRW)
    Produkt: Koffer
    Umsatz: 273 Mio. Euro
    Innovationsscore: 197

  • Ranking: Die Krönung der Champions

    Wer zu Deutschlands innovativsten Mittelständlern gehören will, muss ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Die Münchner Unternehmensberatung Munich Strategy Group (MSG) wertete im Auftrag der WirtschaftsWoche zunächst die Daten von 3500 deutschen Unternehmen aus, die zwischen zehn Millionen und einer Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften: Sie analysierten Jahresabschlüsse und Präsentationen, sprachen mit Kunden, Branchenexperten, Geschäftsführern, Inhabern und Beiräten. Danach nahm MSG 400 Unternehmen in die engere Wahl. Für jedes einzelne errechneten die Berater einen eigenen Innovationsscore. „Dabei achten wir darauf, dass sich das Unternehmen durch ständige Neuerungen auszeichnet, von Wettbewerbern als innovativ angesehen wird und eine ideenfördernde Kultur etabliert hat“, erklärt MSG-Gründer und Studienleiter Sebastian Theopold die Kriterien. Zudem flossen auch wirtschaftliche Indikatoren wie Umsatzwachstum und Ertragskraft in die Bewertung ein. Theopolds Fazit: „Wer innovativ ist, wächst auch schneller und erzielt nachhaltigere Erträge.“ Die MSG-Berater analysierten bereits um dritten Mal für die WirtschaftsWoche die Innovationskraft deutscher Mittelständler (Heft 15/2014 und Heft 42/2015). Während beim ersten Ranking noch Maschinenbauer dominierten, sind nun mehr Konsumgüterhersteller unter den Siegern. Die meisten innovativen Unternehmen kommen aus Baden-Württemberg. Den ersten Platz belegt der Kölner Kofferhersteller Rimowa. Rang zwei nimmt der Keksbäcker Bahlsen ein. „Die beiden Vertreter der ,Old Economy’ sind Vorreiter bei der Digitalisierung“, sagt Studienleiter Theopold.

Rimowa-Koffer gelten als Porsche des Reisegepäcks. Das hat den französischen Luxuskonzern LVMH überzeugt. Im Oktober gab der die Übernahme von rund 80 Prozent der Anteile für 640 Millionen Euro bekannt. Damit enden fast 120 Jahre konzernunabhängiger Innovation. 1898 hatte Firmengründer Paul Morszeck mit klassischen Holzkoffern angefangen, Sohn Richard wendete sich in den Dreißigerjahren dem leichteren Aluminium zu. Der heute noch aktive Gründerenkel Dieter stieg 1972 ins Unternehmen ein, machte die Koffer noch leichter und außerdem wasser- sowie staubdicht. Seit Ende der Neunzigerjahre baut Rimowa auch Hartschalenkoffer aus dem Kunststoff Polycarbonat, der sonst in Flugzeugfenstern und CDs steckt. Der neue Eigentümer werde den Mitarbeitern „eine vielversprechende Zukunft“ garantieren, sagt Morszeck. Er selbst will die Firma weiter leiten.

Das hat er bisher mit Erfolg getan. Der Mittelständler hat im vergangenen Jahr rund 1,5 Millionen Koffer verkauft und rund 350 Millionen Euro umgesetzt, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Wachstum haben auch mittlerweile fast 140 eigene Läden in den Metropolen der Welt beigetragen, in denen Rimowa seine Koffer wie Kunstwerke inszeniert. Für einen Mittelständler ist ein derart großes internationales Netz ungewöhnlich. Es passt aber zur globalen Zielgruppe.

So auch in London. Die Wände des Ladens an der Luxus-Shoppingmeile New Bond Street glitzern und erinnern an ein ultramodernes Flugzeug. Silberne Hologramme scheinen den Rumpf von Linienmaschinen zu zeigen. Vier Koffer thronen auf einer weißen Tribüne. Eine chinesische Kundin ist sichtlich beeindruckt von der Präsentation. Das gehe vielen Besuchern so, sagt Shop-Leiter McCarthy. In dem vor drei Monaten in der Nachbarschaft von Chanel eröffneten Laden sind bereits alle Koffer mit dem Electronic Tag ausgestattet.

Der bislang größte Laden befindet sich in Rimowas Heimatstadt Köln, nur wenige Schritte vom Dom entfernt, angeschlossen ist ein Firmenmuseum, in dem Kunden historische Modelle besichtigen können. Ende des Jahres wird ihn der neue Flagship-Store in Paris größenmäßig überholen. Im Kaufhaus an der Seine werden Koffer auf sieben Etagen und 420 Quadratmeter Verkaufsfläche ausgestellt. Kunden können ihre Koffer dort zur Reparatur abgeben und bei kleinen Problemen noch am selben Tag abholen. Angesichts der Übernahme durch LVMH ist Paris als künftiger Flaggschiff-Standort ein durchaus deutliches Signal.

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