Rittal in Indien: "Die Infrastruktur bremst uns"

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InterviewRittal in Indien: "Die Infrastruktur bremst uns"

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Ajay Bhargava ist Managing Director von Rittal India in Bangalore

von Sebastian Schaal

Der Schaltschrankhersteller Rittal hat den Sprung von Herborn nach Bangalore gewagt. Im Interview spricht Indien-Chef Ajay Bhargava über schlechte Straßen, die Ausbildung seiner Mitarbeiter und die Konkurrenz zu China.

Herr Bhargava, die Regierung von Premierminister Modi hat vieles vor uns will vor allem die Industrie ankurbeln. Spüren Sie schon positive Auswirkungen?
Noch kann ich nicht sagen, welchen Effekt die Wirtschaftsprogramme der Regierung auf unsere Bilanz haben. Bei uns kommt das erst mit rund anderthalb Jahren Verzögerung an. Wenn es unseren Kunden besser geht, planen sie eine neue Fabrik und bestellen erst dann neue Schaltschränke.

Was bremst die indische Wirtschaft derzeit?
Wenn uns etwas aufhält, dann ist es die Infrastruktur. Wir müssen dafür sorgen, dass wir bereit sind, wenn die Investoren kommen. Die Regierung hat hier mit ihrer „Make in India“-Kampagne viel vor. Selbst wenn nur die Hälfte der Ankündigungen umgesetzt wird, sind wir immer noch sehr gut aufgestellt.

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Zur Person

  • Ajay Bhargava

    Ajay Bhargava leitet die Indien-Tochter des Schaltschrank-Spezialisten Rittal aus Herborn. Vor seiner Zeit bei Rittal war Bhargava 19 Jahre lang für Honeywell tätig.

Meinen Sie mit der Infrastruktur den Zustand der Straßen?
Das ist ein Teil, ja. Vor kurzem ist ein voll beladener Lkw umgekippt, die ganze Lieferung war kaputt. Oder die Schränke sind nach dem Transport über die Straßen so verzogen, dass sie unbrauchbar sind. Transportschäden sind einer der Hauptgründe für Kundenbeschwerden – aber bei Weitem nicht mehr so stark wie noch vor 15 Jahren. Änderungen an der Infrastruktur brauchen Zeit.

Eine weitere Baustelle bei der Infrastruktur ist der Energiesektor. Wie sehen Sie dort die Lage?
Das Strom-Problem existiert immer noch, ohne Frage. Regelmäßig fällt für zwei Stunden am Tag der Strom aus. Einen eigenen Generator zu betreiben macht uns wenig aus, kostet den Kunden aber etwas mehr. Insgesamt ist aber der Energiesektor entscheidend für den Erfolg des Landes. Momentan kann es noch ein Grund für einen Investor sein, eher nach China zu gehen.

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Mittelstand in Indien Quelle: Sebastian Schaal für WirtschaftsWoche

Gibt es bei den Produkten Unterschiede zwischen Indien und China?
Die Produkte, die wir hier herstellen, sind so gut wie aus einer deutschen oder chinesischen Fabrik. In China und natürlich in Deutschland ist der Grad an Automatisierung höher, aber das hat keine Auswirkungen auf die Qualität unserer Schaltschränke.

Existiert in Indien überhaupt ein Markt für eine automatisierte Produktion?
Die meisten Industriezweige in Indien haben noch nichts von Automation gehört. Wir müssen den Kunden klar machen, was die Vorteile einer automatisierten Produktion sind. Um das durchzusetzen, ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig. Denn das größte Kundenpotenzial sitzt an der Basis, nicht der Spitze der Pyramide. Internationale Großkonzerne haben dieses Knowhow bereits. Unsere Aufgabe ist es jetzt, die kleineren indischen Unternehmen zu erreichen.

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Wie wollen Sie die kleinen Firmen erreichen? Was muss man in Indien bei der Kundenansprache beachten?
Was in Indien zählt, ist sehr komplex. Als Unternehmer muss man emotional nah am Kunden sein und nicht nur mit Fakten überzeugen. Wenn ich mich frage, was die Probleme meines Kunden sind und ihm schnell eine Lösung anbieten kann, hat man sehr gute Karten.

Finden Sie ausreichend qualifiziertes Personal?
An der Universität bekommen die Studenten keine Praxiserfahrung. Deshalb gibt es eine Differenz zwischen der Lehre und dem, was wir im Unternehmen benötigen. Aus diesem Grund haben wir 2014 unser eigenes Trainings-Center eröffnet. Wir müssen die Leute von verschiedenen Levels auf ein Niveau bringen. Dazu kommt: Auch erfahrene Angestellte müssen ständig weitergebildet werden.

Rittal Indien hat seinen Hauptsitz in Bangalore. Wie zentral ist der Vertrieb organisiert?
Indien ist so ein großes Land, dass man die Kunden kaum von einer Zentrale aus erreichen und betreuen kann. Wir müssen nahe bei unseren Kunden sein, deshalb haben wir 18 Büros, fünf eigene Warenlager und 30 Lager bei Partnerunternehmen im ganzen Land verteilt. Unser Ziel ist es, in den Hauptregionen innerhalb von 48 Stunden auszuliefern, was mit unserer Infrastruktur nicht ganz einfach ist.

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