Rolf Benz, der Ehrbare Kaufmann: "Jeder hat seine verborgenen Wahrheiten"

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InterviewRolf Benz, der Ehrbare Kaufmann: "Jeder hat seine verborgenen Wahrheiten"

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Rolf Benz auf dem Weltmarktführertreffen in Schwäbisch Hall.

von Anke Henrich

Mit Blick auf die Manipulationen bei VW scheint das Ideal des Ehrbaren Kaufmanns bedeutungslos. Möbelfabrikant Rolf Benz warnt vor den Folgen: In Krisenzeiten seien Unternehmen umso mehr vom Vertrauen der Kunden abhängig.

WirtschaftsWoche: Herr Benz, Sie sind seit der Gründung Ihrer ersten Polsterwerkstatt 1964 erfolgreicher Unternehmer und Aufsichtsrat. Ihre Sofas haben Status-Charakter. Wie wichtig waren moralische Werte für Ihren Aufstieg?

Rolf Benz: Anstand und ethisches Verhalten sind für mich unverzichtbare Erfolgskomponenten. Ohne sie sind Leistungsbereitschaft und Erfolgsstreben wertlos.

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Mit Blick auf Praktiken im globalen Wettbewerb, angesichts des Abgasbetrugs bei VW oder der Zinsmanipulationen bei der Deutschen Bank gilt das offenbar vielen als überholt.

Das Thema hat heute wieder eine hohe Aktualität: Jedes Unternehmen, um das sich eine Marke bildet, wird in seinem ethischen Verhalten belohnt oder bestraft. Je höher die Marktbedeutung ist, umso gravierender sind die positiven oder negativen Auswirkungen nach außen und innen. Das gilt erst recht, wenn der Markenname mit der Person des handelnden Inhabers verknüpft ist.

Zur Person

  • Rolf Benz

    Der gelernte Polsterer Rolf Benz gründete 1964 das Möbelgeschäft gleichen Namens. Seit 1998 gehört es zur Hüls-Gruppe, 1995 schied der Chef mit 65 Jahren aus. Heute ist Benz Aufsichtsratsvorsitzender seines einst zweiten Möbel-Unternehmens "Walter Knoll", das sein Sohn Markus führt.

Wie definieren Sie ethisches Verhalten als Unternehmer?

Im Sinne des Tübinger Theologie-Professors Hans Küng, als Weltethos, das für die Weltwirtschaft, über die Welt hinweg und für das eigene Unternehmen gilt. Zudem teile ich die Sicht des schon 1971 verstorbenen Wirtschaftswissenschaftlers und Christen Hans Domizlaff: Er hat in das Zentrum des Ehrbaren Kaufmanns die Gewinnung des öffentlichen Vertrauens mit seinen Chancen und Risiken gestellt.

Welchen Einfluss hatte Ihr Elternhaus auf Ihre Einstellung?

Mein Berufsweg war nicht immer leicht und einfach. Nicht ich, sondern meine Eltern entschieden, dass ich eine Polstererlehre machte. Ich bin ihnen dankbar, weil sie mir Werte, auch christliche Werte, vermittelt haben, die ich als Rüstzeug für einen offenen, interessanten und erfolgreichen Lebensweg betrachten darf. In Krisenzeiten kann das Überleben des Unternehmens in entscheidender Weise vom erworbenen Vertrauen bei Kunden, Geschäftspartnern und Banken abhängen. Da bekommen die weichen Faktoren wie Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit einen weit höheren Stellenwert als taktische Cleverness. Hart und im eigenen Interesse verhandeln kann man trotzdem.

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Was macht einen redlichen Chef aus? Und was haben Sie als Vater Ihren vier Kindern davon vermittelt? Ihr Sohn Markus ist heute Chef des Möbelherstellers Walter Knoll.

Ein redlicher Chef sollte ein Vorbild sein für seine Mitarbeiter, egal, in welcher Branche, weil sein Umfeld ihn als Leitbild wahrnimmt. Festgestellt habe ich, dass sich mit Anstand und ethischem Verhalten langfristig die besseren Ergebnisse erzielen lassen. Meinen Mitarbeitern habe ich vermittelt: Natürlich hat jeder seine verborgenen Wahrheiten, und das ist auch okay; trotzdem gilt es, eine Form der Kommunikation zu finden, mit der man verstanden wird. Eine klare Ansage ist entscheidend – auch wenn es dafür mehr Anstrengungen benötigt. Wer Leichen im Keller hat, sollte sich vorsehen: Die heutigen Kommunikationsstrukturen und sozialen Medien ermöglichen Einblicke, die für solch ein Unternehmen gefährlich werden können. Beispiele dafür gibt es derzeit genügend.

Gipfeltreffen der Weltmarktführer Rolf Benz: "Ich habe auch Flops gelandet"

Welche Überzeugungen haben den Möbel-Unternehmer Rolf Benz so erfolgreich gemacht? Beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall gab er seine Lebenserfahrung weiter.

Rolf Benz beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall. Quelle: Armin Höhner für WirtschaftsWoche

Glauben Sie, dass die um sich greifenden Regeln für rechtskonforme Unternehmensführung, die sogenannte Compliance, für mehr Ehrlichkeit sorgen?

Seit Ende des Zweiten Weltkrieg sehen wir eine unvergleichliche Leistungsentwicklung der Unternehmen, zugleich steigen die Ansprüche an Compliance. Das ist gut, denn mit der Arbeit am richtigen Produkt obliegt es der Unternehmensleitung eben auch, eine gesunde Unternehmenskultur aufzubauen, die allen Mitarbeitern Leitplanken vorgibt, innerhalb derer das Unternehmen agieren will.

Das klingt recht theoretisch.

Gegenfrage: Hat sich das Fehlverhalten der Chefs aus Sicht von deren Unternehmen gelohnt? Nein. Betrug und Korruption sind die größten Verhinderer einer wünschenswerteren Fortschrittsentwicklung unserer Welt. Hier sind wir gefordert, unser Gewissen zu prüfen.

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2 Kommentare zu Rolf Benz, der Ehrbare Kaufmann: "Jeder hat seine verborgenen Wahrheiten"

  • Ein Reifenhändler stellte mir bei einem Plattfuss knapp 100,- Euro für Vor-Ort-Service, Reparatur und Material in Rechnung; die ganze Angelegenheit war in zwei Stunden erledigt, obwohl das Auto in einer Tiefgarage stand.
    Er hätte mir ohne Weiteres einen neuen Reifen für das Dreifache verkaufen können.
    Bei dieser Firma habe ich in ehrliche Gesichter geschaut von Leuten, die sauber arbeiten und gar nicht daran denken, einen zu bescheißen.
    Das war eine Wohltat, und ich weiß, wo ich für den Rest meines Autofahrer-Lebens die Räder wechseln lassen werde.
    Die ethische Komponente der Ökonomie wird oft unterschätzt, aber Herr Benz steht für sehr viele Mitstreiter.

  • "Anstand und ethisches Verhalten sind für mich unverzichtbare Erfolgskomponenten. Ohne sie sind Leistungsbereitschaft und Erfolgsstreben wertlos". Sehr geehrter Herr Benz: Ethisches und moralisches Verhalten in den Konzernen können sie doch mittlerweile vergessen, das war einmal. Die Einkäufer-Methoden von VW, Siemens etc. sind ethisch, moralisch und sozial in vielen Fällen nicht mehr vertretbar. Wird aber nur bei kleinen und mittleren Unternehmen praktiziert, die sich gegenüber dem DAX-Unternehmen in einer schwachen Ausgangslage befinden. Es gibt diverse Verhaltenskodexe „Corporate Governance, Code of Conduct und Compliance denen sich die DAX-Konzerne verpflichtet haben aber die Realität sieht anders aus. Man darf sich nicht wundern wenn die Hemmschwellen von lügen und betrügen in der Gesellschaft weiter abnimmt. Die Großen machen es ja vor.

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