Schutz vor Ideenklau: Wie deutsche Maschinenbauer Produktpiraten bekämpfen

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Schutz vor Ideenklau: Wie deutsche Maschinenbauer Produktpiraten bekämpfen

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71 Prozent der Unternehmen sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen.

von Jürgen Salz

Deutsche Maschinenbauer verlieren Milliarden, weil sie gegenüber Fälschern oft zu arglos sind. Doch wer sich wehrt, kann die dreisten Kopierer und Produktpiraten auf Dauer stoppen.

Die gut zwei Dutzend Zollfahnder hatten viel zu tun. Sie beschlagnahmten 45 mutmaßlich gefälschte Armaturen und Pumpen sowie 362 Kataloge auf CDs, einen der Aussteller führten sie in Handschellen ab. Die Aktion auf der Internationalen Heizungs- und Sanitärmesse (ISH) Mitte März in Frankfurt war ein voller Erfolg. Eine Reihe deutscher Armaturenhersteller, etwa Dornbracht aus dem sauerländischen Iserlohn oder Hansgrohe aus Schiltach im Schwarzwald, hatte die Razzia gegen die Produktfälscher, überwiegend aus China, ins Rollen gebracht.

Nachsicht mit den Fälschern können sich die Unternehmen nicht mehr leisten. Für viele Mittelständler ist Produktpiraterie mittlerweile ein ebenso großes Problem wie die Euro-Krise oder steigende Energiekosten. Bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes verlieren die Hersteller im Schnitt, weil Konkurrenten ihnen mit gefälschten, billigeren Waren das Geschäft streitig machen, schätzt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Insgesamt entstand den Unternehmen allein im Jahr 2013 ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von fast acht Milliarden Euro.

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Nahezu der gesamte deutsche Maschinenbau leidet unter den oft dreisten Plagiaten. Laut einer VDMA-Umfrage aus dem Jahr 2014 sind 71 Prozent der Hersteller bereits Opfer von Produktpiraten geworden – ein neuer Rekordwert. Gefälscht wird alles, was Erfolg verspricht, von einzelnen Komponenten und Ersatzteilen bis hin zu ganzen Maschinen. Aber Banden kopieren auch Kataloge, Bedienungsanleitungen und Internet-Seiten.

Das Zentrum des Unwesens ist das gleiche wie in den vergangenen Jahren: Rund 70 Prozent der Fälschungen stammen aus China. Dort sitzen nicht nur besonders viele Wettbewerber. Es herrscht auch eine andere Mentalität als in den westlichen Industrieländern. Nachahmungen sind für viele Chinesen kein Delikt, sondern eher ein Ausweis des Respekts gegenüber dem Originalhersteller, dem Meister.

Behörden greifen durch

Zahlreichen Unternehmen wie den Sanitärherstellern auf der ISH reicht es jetzt. „Der Widerstand gegen die Plagiatoren wächst“, sagt Hans Joachim Fuchs, Inhaber der Münchner Unternehmensberatung Chinabrand Consulting, die auf Produkt- und Markenpiraterie sowie den Schutz von Know-how spezialisiert ist.

Die Produzenten der Originale scheuen kaum noch Aufwand, engagieren Detektive, initiieren Razzien und zerren die Fälscher vor Gericht. Dabei können sie sogar auf Unterstützung im Heimatland der Übeltäter rechnen. „Die Erfolgschancen sind deutlich gestiegen“, sagt Berater Fuchs, „die chinesischen Behörden gehen seit einigen Jahren massiv gegen die Fälscher vor.“

Produktpiraterie im Maschinen- und Anlagebau

  • Herkunft der Plagiate

    China: 72 %
    Deutschland: 23 %
    Türkei: 20 %
    Indien: 19 %
    Italien: 15 %
    Taiwan: 10 %

    Quelle: VDMA

  • Wirtschaftlicher Schaden

    2006: 5 Milliarden Euro
    2007: 7 Milliarden Euro
    2009: 6,4 Milliarden Euro
    2011: 7,9 Milliarden Euro
    2013: 7,9 Milliarden Euro

    Quelle: VDMA

  • Was wird plagiiert?

    Komponenten: 64 %
    Design: 56 %
    Komplette Maschinen: 51 %
    Ersatzteile: 44 %
    Kataloge, Broschüren: 35 %
    Bedienungsanleitungen: 16 %
    Verpackungen: 12 %

    Quelle: VDMA

Noch hat sich das allerdings nicht überall herumgesprochen. „Viele Mittelständler sind schutzlos und willige Opfer“, sagt VDMA-Geschäftsführer Steffen Zimmermann. Oft seien die Unternehmen in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Da bleibe im Tagesgeschäft wenig Zeit, um sich auch noch um einen guten Know-how-Schutz zu kümmern. „Dass ihre Produkte gefälscht wurden, merken die Unternehmen oft erst, wenn die Umsätze zurückgehen. Und dann sind sie oft völlig überrascht“, sagt Zimmermann.

Während viele Unternehmen oft nachlässig mit ihrem geistigen Eigentum umgehen, arbeiten die Produktpiraten höchst professionell. „Die Fälscherwerkstätten liegen oft versteckt im chinesischen Hinterland, dort, wo kaum einer hinkommt, sogar auf fahrenden Schiffen, in unterirdischen Fabriken oder schlichtweg in privaten Wohnungen“, berichtet Szenekenner Fuchs. Von den Banden angeheuerte Spezialisten werten Patente aus oder zerlegen Originale in ihre Einzelteile. Auch bei den Fälscherbanden gilt das Prinzip Arbeitsteilung. Um etwa eine Pumpe nachzubauen, konzentriert sich der eine Trupp auf das Thermostat, der andere auf das Gehäuse.

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