
DüsseldorfDer Sommer kommt zu spät für die Modebranche. Die Lager sind voll, viele Hersteller bleiben auf ihren Vorräten sitzen. Deutlich macht dies die rückläufige Entwicklung der Exporte. Aber auch der Import schwächelt.
Noch vor einem Jahr konnte der Modeverband German Fashion von einem wahren "Boom" in der Modebranche berichten. Steigende Exportzahlen, aus denen hohe Umsatzgewinne hervorgingen, sorgten für Hochstimmung.
Nicht so in diesem Jahr. Die Finanzkrise macht eben auch vor der Modebranche nicht halt. Ein Rückgang der Exporte von 3,28 Prozent bringt die Hersteller zum Nachdenken. Die Gründe für den schwachen Absatz liegen nicht nur in der Finanzkrise. Auch der warme Winter und späte Anflug des Sommerwetters spiegeln sich darin wider.
"Das ist Klagen auf hohem Niveau", sagt der Präsident des Modeverbands, Gerd-Oliver Seidensticker. Der Modeindustrie insgesamt gehe es sehr gut. Trotzdem müsse sie bei der Disposition deutlich vorsichtiger agieren. Viele Unternehmen der mittelständisch geprägten deutschen Branche müssten ihre Umsatzplanung inzwischen zurückfahren.
Auch die Textilimporte schwächeln. Besonders aus China als Importland Nummer eins verzeichnet die Branche in den ersten fünf Monaten 2012 einen starken Importrückgang von gut zehn Prozent im Vergleich zum Jahr 2011. Viele Hersteller lassen inzwischen in anderen Ländern produzieren, weil die Löhne in China stark steigen. Mit einem Importvolumen von knapp 2,8 Milliarden Euro liegt die Volksrepublik dennoch weit vor allen anderen Importländern für den deutschen Markt.
Die Branche erwartet ein kleines Umsatzplus
Effektivere Steuerung der Beschaffung hat inzwischen Vorrang vor Preiserhöhungen. Hatten die Hersteller letztes Jahr Preisanhebungen aufgrund der hohen Baumwollpreise in Asien durchgesetzt, ist daran jetzt nicht mehr zu denken. Teilweise gingen die Preise wegen des harten Wettbewerbs sogar wieder zurück, sagte Seidensticker. "Die deutschen Modehersteller konzentrieren sich jetzt mehr auf Prozessoptimierungen im Ausland."
Gemeint ist damit etwa der Abbau von Zwischenhändlern, wie es Tom Tailor im Vorjahr erfolgreich durchgeführt hat. Die direkte Kooperation mit dem indischen Hersteller Asmara in einer gemeinsamen Beschaffungsfirma ermöglicht dem Hamburger Konzern seither eine erhöhte Effizienz bei der Produktion. Mit zwischengeschalteten Agenturen erhöht sich der Zeitfaktor immens. Varianten wie diese werden nun auch für mittelständische Unternehmen immer interessanter.
Den geschätzten Gesamtumsatz von etwa zwölf Milliarden Euro im Jahr 2011 werde die Branche nach Meinung von Thomas Rasch, Geschäftsführer des Verbands German Fashion, leicht steigern können: "Umfragen unter den 333 Verbandsmitgliedern zeigen, dass es einen optimistischen Grundtenor für das laufende Geschäftsjahr gibt."
























