SMT-Scharf-Chef Dreyer: Chinesen wollen deutsche Produkte

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SMT-Scharf-Chef Dreyer: Chinesen wollen deutsche Produkte

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SMT-Scharf-Chef Christian Dreyer rechnet bis 2018 mit einem Rückgang des deutschen Inlandsumsatzes auf null Prozent

von Lothar Schnitzler

Christian Dreyer, Chef des Bergwerkausrüsters SMT-Scharf, weiß um die Risiken deutsch-chinesischer Joint-Ventures. Dennoch kooperiert er und nutzt geschickt den ungemein guten Ruf der deutschen Qualität.

WirtschaftsWoche: Herr Dreyer, Sie haben gestern eine Umsatzsteigerung von 60 Prozent für das erste Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bekanntgegeben. Wie hat STM Scharf diesen Zuwachs geschafft in einem Umfeld, dessen Wachstum sich verlangsamt?

Zum einen liegt es natürlich an unserer Vorarbeit. Wir fahren zum Beispiel jetzt die Ernte ein für den Markteintritt in China vor fünf Jahren. Aber es gab auch Sondereffekte wie den Überhang von Aufträgen, die wir im vergangenen Jahr nicht abarbeiten konnten. Da hatten wir trotz eines großen Auftragsbestandes viele Neuaufträge, die wir in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weitgehend abgearbeitet haben. Damit steht fest: Im zweiten Halbjahr wird sich das so nicht wiederholen.

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Wie groß ist der Auftragsbestand?

Rund 34 Millionen Euro, das reicht für 4 bis 5 Monate. Das ist ziemlich viel für uns. Wir rechnen über das Jahr mit einem Umsatzwachstum von 10 Prozent.

Spüren Sie bereits die Eintrübung der Konjunktur?

Ja. Der Auftragseingang war 24 Prozent niedriger als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011. Unser Auftragsbestand ist zurzeit 17 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Welche Länder schwächeln?

Vor allem China. Wenn die chinesische Regierung will, dass das Wachstum ein bisschen ausfällt, dann schlägt das beim Energieverbrauch durch und dann investieren die Kohlebergwerke, mit denen wir 75 Prozent unseres Geschäftes machen, weniger. Auch der weltweite Kohlepreis gibt dann nach und alle montanen Produzenten werden vorsichtiger.

Wie wichtig ist China für SMT Scharf?

Sehr wichtig. Wir machen ein Viertel unseres Umsatzes in China. Und wie gesagt: Wenn China langsamer fährt, dann fahren auch unsere Kunden in Südafrika oder Russland langsamer.

Sie haben in China ein Joint Venture und eine Hundert-Prozent-Tochter. Befürchten Sie nicht einen Abfluss von Know-how?

Mit dem Risiko lebt jeder, der in China tätig ist - wobei unsere Technik und Qualität nicht so einfach zu kopieren sind. Aber ohne das Joint Venture mit einem einheimischen Partner, das am Anfang unseres Einstiegs in China stand, wäre uns der Markteintritt nicht gelungen. Wir müssen in China mit allen Funktionen, also auch Konstruktion und Produktion vertreten sein. Eine Untertagebahn muss ständig gewartet werden. Das kann man nicht von Deutschland aus machen. Kein chinesischer Bergwerksbetreiber würde so ein Produkt kaufen.

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Machen Sie durch die chinesischen Werke dem Stammwerk in Hamm nicht das Leben schwer?

Nein, denn zum einen wollen viele Chinesen deutsche Produkte. Wir können uns hier kaum vorstellen, welchen Ruf deutsche Qualität dort hat. Von Deutschland kommen auch die technischen Vorgaben und Qualitätsanforderungen für die chinesischen Standorte.

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