Spanien: So profitieren deutsche Unternehmen vom Wiederaufstieg Spaniens

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Spanien: So profitieren deutsche Unternehmen vom Wiederaufstieg Spaniens

von Anne Grüttner

Mittelständler aus Deutschland tun sich bisher schwer damit, von der jüngsten wirtschaftlichen Gesundung Spaniens zu profitieren. Für Mutige bietet der Markt jedoch große Chancen.

Das Büro von Graham Johnson bietet gerade so eben Platz für einen schlichten weißen Schreibtisch und drei Bürostühle: einer für Johnson, zwei für Besucher. Der Geschäftsführer des spanischen IT-Unternehmens Connectis mit rund 1000 Mitarbeitern, groß, breitschultrig, braun gebrannt, Bürstenschnitt, hat rund 16 weiß gestrichene Quadratmeter zur Verfügung. Ein violett gestrichenes Quadrat hinter Johnsons Rücken ersetzt den Wandschmuck.

Die Bescheidenheit ist Programm. Anfang 2012 wurde Connectis, damals noch Thales Information Systems, vom Münchner Finanzinvestor Aurelius übernommen. Danach zog Johnson aus der Citylage um in diese funktionalen Räume in einem Industriegebiet nördlich von Madrid und drückte die Miete um zwei Drittel. Aus Fixgehältern wurde eine Mischung aus fixem und variablem Anteil. Die Gehälter wurden insgesamt etwas eingedampft – „vor allem bei den Führungskräften“, versichert Johnson.

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Jetzt ist Connectis wieder profitabel. Und wächst: Aurelius, einer der aktivsten Direktinvestoren in Spaniens IT-Branche, hat in den letzten anderthalb Jahren drei weitere Anbieter gekauft, die unter dem Dach von Connectis eingegliedert werden.

„Spanien ist für einen Investor, der günstig einsteigen will, derzeit sehr attraktiv“, sagt Aurelius-Chef Dirk Markus. Das spanische Wirtschaftsministerium zählte 2013 ausländische Netto-Direktinvestitionen von 15,4 Milliarden Euro. 2012 verlor Spanien noch drei Milliarden Euro mehr, als neue Investitionen ins Land kamen.

Rekordzuflüsse erwartet

Doch während internationale Direktinvestoren kräftig auf die wirtschaftliche Gesundung Spaniens setzen, zögern die meisten Deutschen noch. Französische Direktinvestitionen in Spanien stiegen laut Wirtschaftsministerium um mehr als 100 Prozent, britische um 86 Prozent. Die aus Deutschland sanken 2013 um 3,7 Prozent.

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Quelle: AP

Dabei wird Spanien, das vor nicht allzu langer Zeit als einer der gefährlichsten Krisenherde Europas galt, weiter zulegen: 2014 wird die Rekordsumme von mehr als 40 Milliarden Euro an ausländischen Direktzuflüssen (FDI) erwartet, so die Wirtschaftsprüfung und Beratung Deloitte.

Die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (Unctad) zählte für Spanien 2013 FDI-Zuflüsse von 37 Milliarden Dollar, 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Spanien lag europaweit an dritter Stelle, übertroffen nur von Großbritannien und Irland.

Wagemutig sind in Deutschland vor allem Mittelständler, die schon im Land präsent sind und dort etwa einen Zulieferer oder Vertragspartner kaufen. „Denn für Unternehmen, die nicht vor Ort sind, sind die Risiken nur schwer einzuschätzen“, sagt Georg Abegg, Partner bei der Kanzlei Rödl & Partner in Madrid. „Denn die Rahmenbedingungen rechtfertigen eine Investition bisher nur mit einer sehr hohen Renditeerwartung.“

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Aurelius-Chef Markus hat solche Probleme nicht: „Spanien macht bei uns jetzt nach Mitarbeiterzahl ein Viertel des Konzerns aus und rund ein Fünftel vom Gesamtumsatz.“ Der lag 2013 bei rund 1,5 Milliarden Euro. Über die investierte Summe verrät Markus nur, sie habe „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ gelegen: „Spanische Unternehmen sind zurzeit günstig zu haben.“

Auf Einkaufstour ist auch Deka Immobilien. Die Frankfurter, die weltweit ein Fondsvermögen im Wert von rund 50 Milliarden Euro verwalten, kauften 2013 im Zentrum Barcelonas ein Büro- und Geschäftshaus in der Ronda de Sant Pedro für 19 Millionen Euro. Wenige Monate später erwarb Deka in der Madrider Edel-Meile Calle Serrano das Geschäftshaus Adolfo Dominguez mit 2500 Quadratmetern für rund 18 Millionen Euro. „An solche Top-Innenstadtlagen kommen wir normalerweise als ausländischer Investor gar nicht ran“, freut sich Deka-Geschäftsführer Torsten Knapmeyer.

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