Spielwaren: Lego entdeckt das Kind im Manne

Spielwaren: Lego entdeckt das Kind im Manne

, aktualisiert 02. Dezember 2011, 17:03 Uhr
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Der berühmte Bulli Camper aus Lego-Steinen.

Quelle:Handelsblatt Online

Nur für Kinder? Längst nicht mehr: Für den Spielzeughersteller Lego sind die Erwachsenen zu einer wichtigen Kundengruppe geworden. Die neue Zielgruppe könnte helfen den Marktanteil auszubauen.

BillundDie Augen leuchten, als Dirk Enghausen, Europa-Chef des dänischen Spielwarenriesen Lego, eine der neuesten Schöpfungen des Konzerns zeigt: Der rote VW-Campingbus T1 aus dem Jahre 1962 macht sich gut auf dem Tisch in der Konzernzentrale im idyllischen Billund in Südjütland. Knapp 100 Euro kostet der Kultwagen, der aus genau 1322 Teilen besteht. Und damit ist schon klar, dass Lego vor allem an große Kinder denkt. An die ganz Großen. "Viele Frauen haben uns geschrieben und sich bedankt, dass sie nun endlich ein schönes Geschenk für ihren Mann haben", lacht Enghausen.

Tatsächlich hat der dänische Spielwarenriese das Kind im Mann entdeckt. "Unsere Technik-Produkte gab es schon seit langem, aber es war wohl der falsche Zeitpunkt", glaubt der Europa-Chef von Lego. Doch jetzt scheint die Zeit reif. Lego hat in kurzer Folge neben dem VW-Bulli einen Unimog mit über 2000 Teilen und pneumatisch betriebenem Kran sowie zahlreiche andere Technik-Produkte erfolgreich auf den Markt gebracht. Allein vom 190 Euro teuren Unimog verkaufte der Konzern in Deutschland bislang rund 60 000 Exemplare. Und in aller Regel, weiß Enghausen, sind es Männer in den besten Jahren, die plötzlich für mehrere Tage in ihrem Arbeitszimmer verschwinden und mit den vielen kleinen Kunststoffteilchen kämpfen.
Die durchschnittliche Aufbauzeit des Modells beträgt zwölf bis 15 Stunden. Der für die Technik-Reihe verantwortliche Designer Markus Kossmann, der zusammen mit seinem 15-köpfigen Team 14 Monate mit der Entwicklung des Unimogs beschäftigt war, schafft es allerdings in vier Stunden, wie er stolz erklärt.

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Für Lego sind die Erwachsenen zu einer neuen, wichtigen Kundengruppe geworden. Neben diversen Fahrzeugen bietet der in Familienbesitz befindliche Konzern auch komplexe Bauwerke wie das Brandenburger Tor oder das Empire State Building für die großen Kinder an. "Diese Produkte haben vermutlich die Modelleisenbahn ersetzt", glaubt Enghausen.


Deutschland größer Markt für Lego

Dennoch stehen Klassiker wie Lego City und Duplo, das neuere Lego Ninjago sowie Lizenzprodukte wie Lego Star Wars für den Großteil des Geschäfts. Und das läuft nach einigen Jahren, in denen Lego wegen einer unklaren Strategie und einem missglückten Versuch, selbst Computerspiele zu entwickeln, in der Krise steckte, wieder gut. "Für dieses Jahr sind wir sehr optimistisch", sagt Enghausen.

Deutschland ist der größte Markt in Europa für den dänischen Spielwarenriesen. "In Deutschland rechnen wir damit, dass wir dieses Jahr um zwölf bis 15 Prozent zulegen", sagt Enghausen. Damit würde Lego mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent seine Position als größter Spielwarenhersteller noch weiter ausbauen. Denn die Nummer zwei auf dem deutschen Markt, der US-Konzern Hasbro, zu dem Marken wie Parker, Play-Doh und Monopoly gehören, kommt nur auf etwa neun Prozent. Das gerade angelaufene Weihnachtsgeschäft ist für die Spielwarenbranche die wichtigste Zeit des Jahres. "Im Weihnachtsgeschäft machen wir knapp die Hälfte unseres Jahresumsatzes", erklärt Enghausen. Und der konnte sich im vergangenen Jahr wieder sehen lassen: Lego setzte 16 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro) um. Während der Krisenjahre 2006 und 2007 lag der Umsatz bei nur knapp der Hälfte. Dass die Geschäfte mit den bunten Bausteinen wieder laufen, zeigt sich auch in der Zahl der Mitarbeiter. Beschäftigte Lego 2007 gerade einmal 4 200 Mitarbeiter, sind heute am Stammsitz in Billund und den Fabriken in Tschechien, Ungarn und Mexiko insgesamt knapp 8400 Menschen beschäftigt.

Außerdem, erzählt Enghausen, schaue man nach Produktionsmöglichkeiten in Asien. Neben der Rückbesinnung auf das Kerngeschäft hat Lego auch die Entscheidungswege deutlich verkürzt. "Wir können heute viel schneller auf veränderte Entwicklungen reagieren", sagt Enghausen. Die derzeitige Schulden- und Finanzkrise wird sich nach seiner Ansicht nicht negativ auf das Weihnachtsgeschäft auswirken. "An Kindern wird zuletzt gespart", hofft er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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