Stecker, Schrauber, Messtechnik: Mittelständler nutzen die Chancen der Energiewende

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Stecker, Schrauber, Messtechnik: Mittelständler nutzen die Chancen der Energiewende

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Vorstand Harting will bis 2020 die Standorte in Espelkamp autark vom Stromnetz betreiben, etwa mit Blockheizkraftwerken (im Hintergrund).

von Mario Brück

Wie sich mittelständische Unternehmen mit innovativen Produkten, ausgeklügelten Dienstleistungen und Engagement bei Energieeffizienz und Klimaschutz auf die Energiewende einstellen - und davon profitieren.

Was passiert eigentlich im Innern eines Windrades? Es ist vollgestopft mit Technik: Getriebe, Hydraulikpumpen, Bremsen, Lüfter, Generatoren, Ventile, Kompressoren, Blattverstellmechanismen, Schaltkästen. Um Strom, Spannung oder Daten zwischen den Komponenten zu übertragen, braucht es Hunderte Meter Kabel und unzählige Steckverbindungen. Kabel und Stecker müssen Hitze im Sommer, Frost im Winter oder Orkanen und Salzwasser auf hoher See trotzen.

Das Familienunternehmen Harting aus dem ostwestfälischen Espelkamp gehört zu den führenden Anbietern solcher Stecker. Damit zählt der Mittelständler mit 3.800 Beschäftigten und knapp 500 Millionen Euro Umsatz zu den Profiteuren der Energiewende. „Die Erneuerbaren sind für uns ein wichtiger Wachstumsmarkt“, sagt Vorstand Philip Harting. „Wir erwarten deutlich steigende Umsätze.“

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Neben den Steckern, die auch bei Elektroautos, Lkw-Mautsystemen oder Zügen zum Einsatz kommen, ist Harting zudem intern auf Klima- und Umweltschutz, Grünstrom und Energieeffizienz getrimmt. So bezieht Harting den Strom zu 100 Prozent aus zertifizierter deutscher Wasserkraft, produziert in den sechs deutschen Werken nahezu CO2-neutral und spart Strom durch die Kontrolle von Raumtemperaturen und optimierte Gebäudeisolierung. „Unsere CO2-Einsparung liegt jährlich bei rund 19.000 Tonnen. Das entspricht in etwa 160 Millionen gefahrenen Kilometern mit einem VW Golf“, schwärmt Harting.

Wie Harting mit seinen Steckern und dem Engagement beim Stromsparen profitieren viele mittelständische Unternehmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen von der Energiewende. So sorgt das Gelsenkirchener Unternehmen BBB Umwelttechnik mit seiner Erfahrung und den neuesten technischen Messgeräten dafür, dass neue Windparks künftig wirklich die Erträge abliefern, die prognostiziert wurden. Und auch aus älteren Windmühlen lässt sich mit den Entwicklungen des Hamburger Ingenieurbüros Spitzner noch deutlich mehr Ertrag herausholen.

Umsatz vs. Stromverbrauch beim Spezialsteckerhersteller Harting. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Umsatz vs. Stromverbrauch beim Spezialsteckerhersteller Harting. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Effizienter Mittelstand

Die Beispiele zeigen, welche Bedeutung der Mittelstand für das Gelingen der Energiewende hat und welche Chancen diese bietet. Fast 99 Prozent der deutschen Unternehmen sind klein oder mittelgroß. Sie setzen jährlich rund zwei Billionen Euro um – deutlich mehr als alle Dax-Unternehmen zusammen. Würden diese Unternehmen einfache Energieeffizienzmaßnahmen umsetzen, könnte der Stromverbrauch locker um bis zu zehn Prozent sinken. Harting macht es vor: Während die Umsätze zwischen 2004 und 2013 um 73 Prozent zulegten – also auch deutlich mehr produziert wurde –, stieg der Stromverbrauch nur um 33 Prozent (siehe Grafik).

Einer Untersuchung der KfW Bankengruppe zufolge sind die mittelständischen Unternehmen auf einem guten Weg. Die Auswertung des KfW-Mittelstandspanels 2013 ergab, dass jeder dritte Mittelständler von 2011 bis 2013 Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz oder zur Einsparung von Energiekosten ergriffen hat.

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