Steuervorteile trotz Umsatzboom gefordert: Handwerk wird zur Jubelbranche

Steuervorteile trotz Umsatzboom gefordert: Handwerk wird zur Jubelbranche

Dem Handwerk geht es nach eigenen Angaben blendend, die Aussichten sind gut. Trotzdem läuft es nicht überall rund. Die Handwerker haben massive Nachwuchssorgen.

Es kriselt überall. In Europa, in der Welt, in der Wirtschaft. Die Aussichten für Deutschland verschlechtern sich zusehends. Aber während es mit der Gesamtwirtschaft bergab geht und die Stimmung in den Unternehmen sinkt, wirken manche Branchen wie Inseln der Glückseligkeit. Das Handwerk scheint eine von ihnen zu sein.

Seinen Optimismus lässt sich Holger Schwannecke deshalb auch deutlich anmerken. "Die Schlagzahl der Handwerkskonjunktur bleibt unverändert hoch", rief der Generalsekretär des Branchenverbandes ZDH auf der Herbstkonferenz des Deutschen Handwerkskammertages vom Podium herab.

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Der Chef-Handwerker legte sogar noch einen drauf: "Probleme der globalen Wirtschaft und die schwächere gesamtwirtschaftliche Entwicklung lassen die Handwerkswirtschaft bisher unbeeindruckt."

Auslastung, Umsatz und Beschäftigung hätten sich seit Jahresbeginn jeweils verbessert. Für 2014 erwarte man weiter zwei Prozent mehr Umsatz und 25.000 neue Jobs.

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Dem Handwerk geht es also gut. Grund dafür sind laut Schwannecke eine stabile Beschäftigung, steigende Einkommen und niedrige Zinsen. Vor allem deshalb wird in Deutschland derzeit kräftig gebaut. Allein im ersten Halbjahr 2014 stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 9,6 Prozent.

Aber auch im Lebensmittelhandwerk, bei den Dienstleistern, den Zuliefererbetrieben und selbst den Kfz-Handwerken laufen die Geschäfte stabil bis gut. Nach einer Umfrage des ZDH haben in diesem Herbst zwölf Prozent der Betriebe von schlechteren Geschäften berichtet, 88 Prozent von guten oder zufriedenstellenden Geschäften. Die Zahlen lägen exakt auf dem Vorjahresniveau.

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Bei so viel positiven Meldungen wirken selbst die Dämpfer nicht schlimm. Denn auch am Handwerk wird die schwächelnde Konjunktur nicht spurlos vorbeigehen, glaubt Schwannecke. 2015 rechnet der ZDH nur noch mit rund 1,5 Prozent mehr Umsatz - in einer Zeit, in der andere Branchen mit einer schwarzen Null zufrieden sind.

Energetisch sanieren als Umsatzturbo gefordert

Die Baubranche brummt, aber es ginge noch etwas mehr. Nachholbedarf sieht der Zentralverband des Handwerks auch im Bereich der Gebäudesanierung - und fordert die Bundesregierung auf, endlich Investitionsanreize für die energetische Gebäudesanierung zu setzen.

„Das Handwerk erwartet von Bundesregierung und Ländern ein klares Bekenntnis zu mehr Energieeffizienz im Gebäudebestand“, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer der „Rheinischen Post“. „Die durch steuerliche Anreize ausgelösten Investitionen führen am Ende zu zusätzlichen Einnahmen für die öffentlichen Haushalte.“ Der Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko, verlangte ebenfalls steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten.

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Dem Bericht zufolge will die Bundesregierung diese Forderungen offenbar aufgreifen. Am 3. Dezember werde das Kabinett einen „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE)“ verabschieden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Koalitionskreise. Darin listeten Bundeswirtschafts- und Umweltministerium zahlreiche Maßnahmen auf, damit Deutschland seine Energieeffizienz-Ziele bis 2030 erreichen kann. Dabei solle die energetische Gebäudesanierung eine wichtige Rolle spielen.

Im Gespräch sind demnach unter anderem mehr direkte staatliche Investitionszuschüsse durch die Förderbank KfW sowie steuerliche Erleichterungen für private Investoren. Die Maßnahmen könnten Teil des von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geplanten Investitionspakets sein. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte gefordert, man solle „vor allem in die Bereiche investieren, die für Wachstum stehen“. Das seien zuallererst Energieeffizienz und Gebäudesanierung.

Steueranreize gibt es schon

Ob steuerliche Anreize allerdings die Nachfrage nach Gebäudesanierung sprunghaft in die Höhe schnellen lassen, ist kaum zu prognostizieren. Schließlich bedeutet eine energetische Sanierung für den Bauherren Zusatzkosten, die sich über die Energieersparnis erst amortisieren müssen. Wer nicht ohnehin Dach, Fenster oder Fassade erneuern muss, wird die Ausgaben trotz Steuervorteil scheuen, weil sie dann schnell unwirtschaftlich werden. Auch das hat dazu geführt, dass sich die Sanierungsquote im Gebäudebestand hierzulande von zwei auf ein Prozent halbiert hat. Dem Boom der Wärmedämmindustrie hat das jedoch keinen Abbruch beschert. Sie ist trotz der Zurückhaltung noch immer eine Wachstumsbranche. Davon profitieren insbesondere auch Handwerksbetriebe.

Das Handwerk profitiert insbesondere seit Jahren von den bereits existierenden Steuererleichterungen für private Haushalte, die Handwerkerdienstleistungen steuersenkend nutzen können. 20 Prozent der Arbeitskosten können sie von der Steuer absetzen.

Vielmehr hat das Handwerk ein viel größeres Problem als die zu geringe Sanierungsquote im Baubestand. Nicht ganz. Seit Jahren klagt das Handwerk über den Mangel an Lehrlingen. Allein in diesem Jahr bleiben voraussichtlich 18.000 Lehrstellen unbesetzt. 5000 mehr als im Vorjahr. Schwannecke spricht von “einer fatalen Entwicklung”. Doch die zeichnet sich seit Jahren ab. Appelle und aufwendige Kampagnen haben an dem Trend bislang nichts ändern können. Hält der Bauboom an, wird der Mangel zunehmen.

Mit Material von dpa.

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