Stromnetze: Energiewende setzt Mittelstand unter Strom

Stromnetze: Energiewende setzt Mittelstand unter Strom

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Harald Schrimpf, Chef des Softwareentwicklers PSI.

von Mario Brück

Für deutsche Mittelständler bietet der notwendige Totalumbau der Stromversorgung große Wachstumschancen. Wer davon am meisten profitiert.

Jedes Mal, wenn Harald Schrimpf in den vergangenen Wochen Berlin via Flugzeug verließ, hatte er die Wachstumsperspektiven seines Unternehmens bildlich vor Augen: „Stromnetze? Ja bitte! Neue Stromnetze sind für die Energiewende unverzichtbar“, steht in großen schwarzen Lettern auf einem drei mal drei Meter großen Leuchtplakat in der Abflughalle des Flughafens. Absender des Appells ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Berliner Programmschmiede

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Schrimpf ist Chef des Softwareentwicklers PSI aus Berlin. Das im TecDax notierte Unternehmen steuert mit seinen Programmen eben diese Stromnetze. Doch die Trassen müssen wegen der verstärkten Einspeisung von Wind- und Solarstrom dringend aus- und umgebaut werden. Und je mehr Strom dezentral eingespeist wird, desto komplizierter wird die Steuerung – was PSI aufgrund seiner Marktführerschaft zusätzliche Aufträge einbringen dürfte.

Die Energiewirtschaft in Deutschland steht vor gewaltigen Umwälzungen. Die bisherige Politik, die auf Atomstrom setzte, nutzte vor allem den großen Energieerzeugern. Die jetzt favorisierten erneuerbaren Energien bieten jedoch auch mittelständischen Unternehmen hervorragende Möglichkeiten. Windkraft, Fotovoltaik, E-Mobilität, Netzausbau und Wärmedämmung werden die Energiepolitik der kommenden Jahre und Jahrzehnte bestimmen. Obwohl auch hier Konzerne wie Siemens, Bosch oder Hochtief kräftig mitmischen, hat der Mittelstand beste Voraussetzungen, von der Energiewende zu profitieren: Unternehmen wie Lapp, die Solaranlagen und Windräder verkabeln, Krinner, der riesige Solarparks mit Schraubfundamenten versorgt, Energy & Meteo mit ihren Windvorhersagen oder eben PSI.

Der mittelständische Softwareanbieter mit 1000 Mitarbeitern und 170 Millionen Euro Umsatz ist ein wichtiger Partner für Energiekonzerne und Netzbetreiber. In den vergangenen Jahren hat PSI vor allem für die Steuerung von Hochspannungsnetzen neue Programme entwickelt, die in den riesigen Leitwarten der Versorger zum Einsatz kommen. Jetzt sind die Mittel- und Niederspannungsnetze dran, also jene Netze, die die regionale und lokale Stromversorgung übernehmen. Das Potenzial ist enorm: Das Mittelspannungsnetz ist dreimal größer als das Transportnetz, das Niederspannungsnetz sogar fünfmal so groß.

Intelligentes Stromnetz

Doch die Energiewende, also der Ersatz der stetig produzierenden Atommeiler durch schwankungsanfällige grüne Energiequellen, erfordert nicht nur ein Nachrüsten der Stromautobahnen. Ein intelligentes Stromnetz soll sämtliche Akteure auf dem Strommarkt in ein Gesamtsystem integrieren durch das Zusammenspiel von Erzeugung, Speicherung, Netzmanagement und Verbrauch. Smart Grid heißt das Zauberwort. Hierfür gilt das 1969 gegründete Unternehmen PSI, das 1998 an die Börse ging, als Markt- und Technologieführer.

Dass vor allem der Netzausbau länger dauert als gedacht, schwächt das starke Wachstum bei PSI ab. Die Berliner erwarten für 2011 nur noch 10 bis 11 Millionen Euro operativen Gewinn statt zuvor 13 bis 15 Millionen. „Natürlich kommen uns die Entscheidungen zum Bau neuer Netze zugute“, sagt Vorstandschef Schrimpf. Aber: Es fehle den entscheidenden Marktakteuren am Geld oder am regulatorischen Anreiz. „Wir leiden unter diesem Stop and go.“ Der 47-Jährige berichtet von vielen Projekten, für die Angebote geschrieben und verhandelt seien, allein, es fehlten die Unterschriften unter den Verträgen: „Darauf hoffen wir in den kommenden Monaten.“

Geschäfte mit Gazprom

Dick im Geschäft ist PSI hingegen beim russischen Gasriesen Gazprom. Der hat die Berliner mit der Lieferung der Software für das Leitsystem der nordeuropäischen Gastransportmagistrale Nord Stream onshore beauftragt. Auch das Gazprom-Hauptquartier in Moskau hat PSI kürzlich mit einer Leitwarte ausgestattet. Derzeit wird die Software dort angepasst. „Die Russen sind mit unseren Produkten wohl sehr zufrieden“, sagt Schrimpf, der Elektrotechnik studierte und schon bei Dasa, EADS und Daimler gearbeitet hat. 2002 übernahm er die Leitung bei PSI, just als das Unternehmen von schweren Verlusten und Massenentlassungen gebeutelt war.

Die Zeiten sind vorbei, Schrimpf hat PSI auf Gewinn getrimmt – und das weckt Begehrlichkeiten als Übernahmeziel. Als strategische Investoren kommen Elektro- und Automatisierungskonzerne wie Siemens, ABB, Schneider Electric oder General Electric infrage. Die Aktionärsstruktur macht es Übernehmern allerdings schwer: Der Energiekonzern RWE ist mit 18 Prozent der größte Anteilseigner, rund 25 Prozent der Aktien gehören Mitarbeitern.

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