Studie des IfM Bonn: Ostdeutsche Mittelständler auf der Überholspur

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Studie des IfM Bonn: Ostdeutsche Mittelständler auf der Überholspur

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Mittelständler sind der Wachstumsmotor Deutschlands - besonders brummt er derzeit im Osten.

von Rebecca Eisert

Jahrelang galten die Mittelständler aus dem Westen Deutschlands als das Rückgrat der Wirtschaft. Eine Studie zeigt: Die Kollegen aus Ostdeutschland sind dabei, die alte Garde zu überflügeln.

Wer an den deutschen Mittelstand denkt, denkt an Namen wie den Schrauber-König Würth, den Dübel-Erfinder Fischer oder den Kettensägen-Profi Stihl. Allesamt traditionsreiche Familienunternehmen aus Deutschlands Westen. Doch schon bald könnten immer mehr Weltmarktführer und Nischenkönige aus Deutschlands Osten stammen. Liest man die Studie "Triebwerk des Erfolgs" des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn, sind die ostdeutschen Unternehmen auf dem Vormarsch.

Die Zahlenlage ist eindeutig: Während der gesamtdeutsche Mittelstand im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 2,4 Prozent verbuchte, waren es im Osten satte 3,2 Prozent. Damit nicht genug.

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So schlägt sich der deutsche Mittelstand

  • Definition Mittelstand

    Die Studie des Instituts für Mittelstands Forschung IfM konzentriert sich auf die größeren Mittelständler mit einem Jahresumsatz zwischen 20 Millionen und einer Milliarde Euro. Das trifft aus rund 26.000 deutsche Betriebe zu.

  • Umsatzentwicklung und Beitrag zum BIP

    Der Umsatz des größeren Mittelstands (siehe Definition) stieg 2012 auf 2,41 Billionen Euro. Damit stieg der Beitrag zum BIP auf 400 Milliarden Euro, das entspricht rund 30 Prozent der gesamten wirtschaftlichen Leistung Deutschlands. Im Durchschnitt konnten die deutschen Mittelständler im vergangenen Jahr 2,4 Prozent mehr Umsatz erwirtschaften. In Ostdeutschland lag die Quote bei 3,2 Prozent. 14 Prozent der 26.000 untersuchten Betriebe konnte sogar über 10 Prozent mehr als 2011 umsetzen.

  • Beschäftigte

    Deutsche Mittelständler haben 2012 über 116.000 Stellen geschaffen. Die durchschnittliche Mitarbeiterzahl erhöhte sich um 3,3 Prozent.

  • Forschung und Entwicklung

    Die Mittelständler investierten im Schnitt fünf Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung - deutlich mehr als der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt. In Ostdeutschland liegt der Anteil bei 5,5 Prozent, im Norden sind es 5,3, im Westen 5,1 und im Süden 4,4 Prozent. Außerdem wollen sich 42 Prozent der ostdeutschen Mittelständler noch stärker auf die Entwicklung neuer Produkte konzentrieren. Zum Vergleich: Im Norden sind es 34 Prozent, im Westen knapp 33 und im Süden 32 Prozent.

  • Das Erfolgsrezept

    Die deutschen Mittelständler sind besonders findig: Im EU-Vergleich besitzen sie die höchste Zahl der Patente. Dabei neigen die befragten Unternehmen dazu, ihre Strategie auf Hightech-Produkte und Dienstleistungen zuzuspitzen. Zwei der Mittelständler konzentrieren sich auf einen Nischenmarkt, um herausragende Produkte zu entwickeln.

  • Export

    Viele Mittelständler bleiben in ihrer Region, nur ein Drittel exportierte Waren. Am höchsten ist der Anteil der exportorientierten Mittelständler in Ostdeutschland. "Generell nimmt der Drang zur Internationalisierung im Mittelstand zu", beobachtet Studienleiterin Friederike Welter vom IfM. Fast ein Viertel der bisher nicht exportierenden Unternehmen betrachten die Internationalisierung als zentralen Aspekt ihrer Unternehmensstrategie.

  • Ausblick

    Ein Drittel der deutschen Mittelständler schaut optimistisch in die Zukunft. Die größten Herausforderungen bleiben der Zugang zu Krediten. Diesen beklagen 30 Prozent als zu schwierig.

Ein Fünftel der ostdeutschen Mittelständler gehört zu den so genannten Wachstumschampions. Als solche bezeichnet Studienleiterin Friederike Welter vom IfM Unternehmen, die ihren Umsatz im vergangenen Jahr um mehr als 10 Prozent steigern konnten. Das trifft gesamtdeutsch auf 14 Prozent der mittelständischen Betriebe zu. Aus dem Osten stammen 44 Prozent dieser Turbo-Mittelständler.

Noch also die Mehrzahl der Wachstumskönige im Westen zu finden, doch "betrachtet man jedoch den Nettozuwachs", erklärt Welter, "stellt man fest, dass dieser im Osten bei 3,2 Prozent lag – und im Westen bei 1,9 Prozent." Das Fazit der Studienleiterin: "Während die Gesamtwirtschaft in Ostdeutschland sich von der Deindustrialisierung und Privatisierung nach der Wende noch nicht erholt hat, sind die mittelgroßen Unternehmen im Osten dabei, den Westen einzuholen - wenn nicht sogar zu überholen."

Ost-Betriebe investieren am meisten in Forschung

Das klingt nach blühenden Landschaften, wie sie Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl versprochen hat. Tatsächlich geben die ostdeutschen Mittelständler in punkto Forschung Personalentwicklung richtig Gas. 42 Prozent der befragten Unternehmen wollen sich in Zukunft noch stärker auf Innovationen und die Entwicklung neuer Produkte konzentrieren - der höchste Anteil deutschlandweit. Damit einher gehen die höchsten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung: 5,5 Prozent des Umsatzes fließen bei ostdeutschen mittelständischen Betrieben in die Forschung - so viel wie in keinem anderen Teil des Landes.

Ein weiteres Indiz für mittelständischen Aufschwung Ost liefert die kürzlich von der WirtschaftsWoche in Zusammenarbeit mit Biesalski & Company veröffentliche Studie "Die Marken der Deutschen Hidden Champions". Dabei wurden fünf Weltmarktführer aus den neuen Bundesländern unter die Lupe genommen. Zwei schafften es unter die Top 50. Bauerfeind - Hersteller von medizinischen Hilfsmitteln wie Bandagen und Kompressionsstrümpfen - verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um gleich zwei Plätze auf Rang 27, das Medizintechnikunternehmen Biotronik - bekannt für seine Herzschrittmacher - stieg neu auf Platz 38 ein.

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