
MailandEs gibt Unternehmen, die expandieren im Ausland, um sich billige Lohnkosten zu sichern oder Steuern zu sparen. Und es gibt Unternehmen, die kaufen sich den guten Ruf. Ein Firmenchef aus der letzteren Kategorie ist Gianluigi Nova, der Vorstandsvorsitzende von Tenova - einem italienischen Hersteller von Hochöfen und Maschinen für die Stahlindustrie und den Bergbau: „Auf dem Weltmarkt hilft es, wenn man sich mit einem deutschen Firmennamen und einer Visitenkarte mit deutschen Namen präsentiert", sagt er.
Deshalb hat sich Nova gleich mehrere deutsche Unternehmen zugelegt. Nach dem Kauf des Hochofen-Spezialisten Loi, einer ehemaligen Ruhrgas-Tochter in Essen vor sechs Jahren, haben die Italiener 2007 den ostdeutschen Bergbau-Spezialisten Takraf gekauft und sich damit den Einstieg in das wachsende Geschäft mit Minen weltweit gesichert. Takraf beschäftigt heute 1 100 Menschen auf fünf Kontinenten, allein in Deutschland sind es 448 Mitarbeiter. Im offenen Tagebau gehört die deutsche Tochter zu den größten drei Spielern auf dem Markt.
Damit hat Tenova mit seinen weltweit inzwischen 5000 Mitarbeitern nun sowohl in der Stahlindustrie als auch im Bergbau deutsche Aushängeschilder. In China, dem Boomland für die Stahlindustrie sei Deutschland immer noch der „Leuchtturm, an dem sich alle orientieren", sagt der Vorstandsvorsitzende Nova. Das Gleiche gelte in Chile für den Bergbau.
Der Geschäftsführer von der Bergbau-Sparte heißt Walter Küng, ein deutscher Name also, auch wenn sich dahinter ein Österreicher versteckt. Eine Visitenkarte für die Welt, wie es Nova sieht. Der Italiener ist zwar ebenso vom italienischen Know-how überzeugt, aber er weiß auch, dass die Kunden weltweit Deutschland noch mehr respektieren. Es gehe auch nicht nur um den Namen, sagt Nova: „Es war für uns ebenso wichtig, mit den Deutschen und ihrer Kultur zusammenzuarbeiten, die nun einmal wichtig ist in der Welt, auch wenn sie anders ist."
Die Unterschiede sind für den Manager offensichtlich: „Wenn es klare Vorgaben gibt, dann befolgen die Deutschen sie, die Italiener nicht", erklärt Nova. Das müsse nicht immer ein Vorteil sein: „Wenn die Vorgaben gut sind, ist das positiv, wenn sie schlecht sind, hat man ein Problem."
Wachstum durch Übernahmen
Dabei gehe es bei den Deutschen nicht unbedingt immer hierarchischer zu als bei den Italienern. Er hat schon erlebt, dass er ganz italienisch forsch im Führungsgremium die Linie vorgeben wollte und die Kollegen das aber erst einmal diskutieren wollten. „Die Entscheidungen kommen bei den Deutschen nicht von oben. Auf verschiedenen Ebenen müssen alle überzeugt sein. Aber wenn sie entschieden haben, dann führen sie die Beschlüsse auch aus", beschreibt der italienische Manager die teutonische Arbeitsweise.
Nachdem der Maschinenbauer, der zum Imperium der eher verschwiegenen Rocca-Familie gehört, in den vergangenen Jahren vor allem durch deutsche Übernahmen gewachsen ist, muss sich Vorstandschef Nova nun auf eine ganz neue Kultur einstellen.
Denn Anfang des Jahres hat Tenova das südafrikanische Unternehmen Bateman dazugekauft, seither spielt es bei der Ausrüstung für den Bergbau ganz vorne mit. Insgesamt kann Tenova dank dieser Akquisition seinen Umsatz um 600 Millionen Euro im Jahr steigern - auf 1,7 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Gegenüber dem Geschäftsjahr 2006/2007 liegt der Zuwachs beim Zehnfachen.
Ebenso unter dem Strich werde auch weiterhin eine schwarze Zahl stehen, sagt Nova. Details nennt er nicht, verrät aber, dass das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) seit zehn Jahren bei mindestens zehn Prozent liege.
Die Arbeit wird nun noch internationaler: In Chile beginnen dank Bateman zwei Großprojekte mit Mitarbeitern aus Israel, Südafrika und Deutschland. Angesichts dieser neuen interkulturellen Erfahrung fragt Nova lachend: „Ob das wohl so eine gute Kombination ist?"
























