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Unternehmensfinanzierung: Wie Mittelständler unter der Finanzkrise leiden

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Allerdings wird auch diese Finanzierung nicht mehr so günstig zu haben sein wie noch vor einigen Jahren. „Von 2004 bis 2007 gab es Mezzanine-Kapital auch für Unternehmen, die eigentlich echtes Eigenkapital gebraucht hätten, was sich heute teilweise als ein Problem entpuppt“, sagt Wolfgang Biedermann, Managing Director und Leiter des Deutschlandbüros von H.I.G. European Capital Partners, einer Tochtergesellschaft des US-Finanzinvestors American Capital. „Da hat es inzwischen eine Reihe von Ausfällen gegeben.“

Zu den Glücklichen, die noch von den günstigen Mezzanine-Konditionen der vergangenen Jahre profitierten, gehört die Losberger-Gruppe, ein Unternehmen in Heilbronn, das Zelte herstellt, verkauft und vermietet. „Wenn der Mezzanine-Markt nachhaltig für den Mittelstand gestört wäre, dann wäre das schade“, sagt Carlo Dyckhoff, Losberger Chief of Finance. „Denn das ist eine sehr gute Option, sich mittelbar über den Kapitalmarkt zu finanzieren.“

Abhängig machen wollen sich die Schwaben allerdings nicht von der Mezzanine-Finanzierung. Deshalb setzt das Unternehmen, das über eine komfortable Eigenkapitalquote von etwa 30 Prozent verfügt, auf eine breite Finanzierungspalette – von Mezzanine über Leasing und Factoring bis zum klassischen Mittelstandskredit. „Das ist sicherlich einer der Gründe, warum wir von der Kreditkrise noch keine Auswirkungen spüren“, sagt Berndt Zoepffel, Gesellschafter der Losberger-Gruppe.

Wegen der Zurückhaltung der Banken im Kreditgeschäft und des flauen Mezzanine-Marktes entschließen sich jetzt viele Unternehmen, Maschinen und Anlagen zu verkaufen und zurückzumieten. Mit dem sogenannten Sale and Lease back heben die Unternehmen stille Reserven und vergrößern ihre Liquidität – ohne eine Bonitätsprüfung bei den Banken über sich ergehen lassen zu müssen. „Die Nachfrage nach solchen bonitätsunabhängigen Finanzprodukten hat sich deutlich verstärkt“, stellt Maturus-Finance-Chef Carl von der Goltz fest, dessen Unternehmen die Anlagen aufkauft und an den ehemaligen Eigentümer zurückmietet.

„Für uns war das Sale and Lease back ein entscheidender Beitrag im Rahmen einer Umfinanzierung“, sagt Fritz Gradert, Chef des gleichnamigen Maschinenbauunternehmens in Schenefeld bei Itzehoe. „Wir haben uns damit von den Banken freigeschwommen.“ Im Wachstumsprozess der vergangenen Jahre hatte das Unternehmen aus Schleswig-Holstein immer wieder neue Einzeldarlehen aufgenommen und war kreuz und quer besichert gewesen. Der Überblick ging verloren, die Finanzierungskosten stiegen. Zudem wuchsen die Probleme mit den Geschäftsbanken, die nicht wussten, was gebrauchte Spezialmaschinen wert sind. Da kam der Verkauf und das Leasing der eigenen Anlagen gerade recht.

Thomas Fees, kaufmännischer Geschäftsführer der Carl Leipold Metallwarenfabrik in Wolfach, bestätigt diese Erfahrung. „Wir haben über 100 Drehmaschinen, die zum Teil schon etwas älter sind, aber immer noch in der Produktion eingesetzt werden“, sagt er. „Das sind stille Reserven, für die uns keine Bank mehr Geld gibt, obwohl die für uns durchaus noch von Wert sind.“ Die verkauften und zurückgeleasten Maschinen spülten das nötige Geld in die Firmenkasse, um das weitere Wachstum ohne Banken zu finanzieren.

Während sich viele Mittelständler von ihren Banken zunehmend unabhängig machen, um den Folgen der Finanzkrise auszuweichen, orientieren sich andere ins Ausland. Kornel Lehrheuer etwa ist mit seiner Firma Coma aus Aachen, die Anlagen zur Blechbearbeitung wartet und Programmierungen für den Maschinenbau entwickelt, zu einer belgischen Bank gegangen. „Wir sind seit über 17 Jahren Kunde der Raiffeisenbank, und da ist nie etwas Negatives gewesen“, erzählt er. „Doch jetzt hieß es, uns sind die Hände gebunden.“ Also hat er sich an die belgische Bank KBC gewandt. Innerhalb von drei Wochen war der Kredit über 400.000 Euro bewilligt. „Davon können Sie in Deutschland nur träumen“, meint er. „Da dauert das sechs bis acht Wochen, und es werden noch Sicherheiten eingefordert, auf die unsere belgische Bank sich nur eine Option hat einräumen lassen, sodass ich theoretisch meine Gebäude noch weiter verwerten könnte.“

Auch Michael Theerkorn, Vorstandsvorsitzender des Autozulieferers PSW im bayrischen Gaimersheim, erlebt sehr verhaltene Banken. „Gerade in unserer Größenordnung gibt es nur wenige Banken, die Kredite geben“, sagt er. „Die wollen dann eine möglichst reichhaltige Besicherung, haben Schwierigkeiten in der Bewertung der Maschinen und brauchen viel Zeit für ihre Entscheidung.“ Vor drei Wochen hat er deshalb für das 400-Mitarbeiter-Unternehmen acht Millionen Euro als Nachrangdarlehen von einem privaten Finanzierer aufgenommen. „Die Prüfung war standardisiert, ging über vier Tage, die Berichtspflichten waren klar geregelt“, erzählt er. „Von einer Bank hätten wir das Geld maximal in geringeren Tranchen bekommen – und so ständig um Erweiterung kämpfen müssen.“ Dass die Zinsen nun rund zwei Prozent über denen der Bank liegen, stört ihn nicht weiter. Jetzt kann er Skonti nutzen und kommt einfacher an Aufträge, weil er durch die liquiden Mittel mehr Spielraum hat.

Andere Mittelständler weichen auf das Factoring aus, das – wie Leasing – bereits in den vergangenen Jahren als Finanzierungsinstrument stark zugelegt hat. Allerdings ist hier die Welt auch nicht mehr so einfach wie vor der Finanzkrise. „Sogenannte alternative Finanzierungen sind nicht mehr so alternativ“, sagt Jutta Körber, die mit Hanse Factor in Hamburg bundesweit Unternehmer bei Leasing- und Factoringverträgen berät. Denn die Finanzierung im Leasinggeschäft läuft im Hintergrund ebenfalls über die Banken. „Da heißt es schnell, das Geschäft ist in den letzten Jahren nicht so prickelnd gelaufen, obwohl das Unternehmen gut dasteht“, sagt Körber.

Die Beraterin machte die Erfahrung, dass Leasinggesellschaften einem Unternehmen mit einem Umsatz von über sechs Millionen Euro das Eigenkapital so schlecht rechneten, dass es plötzlich negativ ausfiel. Damit war es vorbei mit dem Leasing. Andere Anbieter wiederum drängten Unternehmer, für ihren Betrieb verstärkt privat zu haften. „So kommen die Firmenchefs in die gleiche Bredouille wie beim herkömmlichen Bankenkredit“, meint Körber.

Dennoch kann das Factoring gerade für kleine Unternehmen eine Alternative sein. Ines Heinrich etwa beliefert mit ihrer Heinrich Distribution in Barkelsby bei Eckernförde in Schleswig-Holstein Homeshopping-Sender sowie Parfümerie- und Warenhausketten mit italienischer Designerware. Dazu brauchte sie jemanden, der für sie in Vorlage trat. „Die Banken wollten das Risiko trotz vorliegender Aufträge immer seltener eingehen“, sagt sie. Also arbeitet sie mit Factoringgesellschaften zusammen, die Einkaufsrechnungen vorfinanzieren oder Lieferantenkredite abkaufen, ohne dass sie lange warten muss. „Die Banken gucken in die Vergangenheit, begleiten mich aber häufig nicht in die Zukunft“, sagt Heinrich. Seit fünf Jahren ist sie Unternehmerin und hat sich früh von den herkömmlichen Finanzinstituten unabhängig gemacht. Jetzt, wo die Banken ihre selbst verschuldete Krise auf den Mittelstand abwälzen, weiß sie ihre Freiheit mehr denn je zu schätzen.

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.10.2008, 14:56 UhrAnonymer Benutzer: Michael Burkart

    Wer sich frühzeitig nach einer alternativen Unternehmensfinanzierung wie zum beispiel "Factoring" umsieht und auf den Zug der bankenunabhängigkeit aufspringen möchte, kann sich nähere informationen gerne auf dem Deutschen Factoring-Portal holen. Dort haben Factoring-interessenten die direkte möglichkeit Factoring-Anfragen an die dort gelisteten Factoring-Unternehmen zu stellen.
    Weitere informationen findet man unter: www.deutsches-factoring-portal.de

  • 04.10.2008, 00:14 UhrAnonymer Benutzer: Werner Eckert

    Als spannende und tiefgründige Hintergrundlektüre zur Finanzkrise empfehle ich das aktuelle buch von Wolfgang Köhler: "Wall Street Panik - banken außer Kontrolle", erschienen im Mankau Verlag.
    Siehe: http://www.mankau-verlag.de/webshop/verlag-buch-koehler-wallstreet-kredit.html

    Herzliche Grüße
    Werner Eckert

  • 09.09.2008, 22:17 UhrAnonymer Benutzer: Eduard Seel

    Mittelfristig wird sich der Markt wohl aber selbst heilen und sich längerfristig wohl auch besser aufstellen und so für zukünftige Finanzkrisen gewappneter sein. Das wirtschaftliche Gesetz aus Nachfrage und Angebot greift auch hier: die einen lassen Geschäfte aus Gründen der Sicherheit fallen und die anderen erkennen darin eine Chance. Die jüngsten Zielerklärungen der Commerzbank mit der Dresdner bank zu einer ausschließlich für die deutsche Wirtschaftsfinanzierung tätige Großbank zu fusionieren, sind erste Zeichen für den beginn dieses Selbstheilungsprozesses.

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