Unternehmensverkauf: Wie sage ich es meinen Kindern?

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GastbeitragUnternehmensverkauf: Wie sage ich es meinen Kindern?

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Firmenverkauf: Falsche Freunde, unkalkulierbare Widerstände und andere Überraschungen.

Um spätere Probleme zu vermeiden, sollten Unternehmer zu Lebzeiten mit ihren Erben über ihren letzten Willen reden. Die Erbin und Beraterin Kirsten Schubert gibt Tipps, wie dieses schwierige Unterfangen gelingen kann. 

Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters im Jahr 2010 stand ich vor der Wahl. Das Familienunternehmen weiterführen und 30 Jahre in den Händen eines Testamentsvollstreckers zu sein, dessen Absichten nicht klar waren oder das Unternehmen verkaufen. Ich entschied mich für letzteres.

Wie konnte so etwas passieren mit einem Unternehmen, das bereits seit 45 Jahren am Markt existierte, in dem eine der Töchter sich konsequent auf die Nachfolge vorbereitet hatte und wo doch in der Familie immer offen geredet wurde? Über alles. Fast alles. Nur nicht über den Tod.

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Worüber denkt ein Pionierunternehmer lieber nach, über die Ausrichtung des Unternehmens nach vorne oder über das Ende? Diese Frage beantwortet sich fast von selber. Sechs Jahre später, reflektiert, psychologisch geschult, frage ich mich, was ich an seiner Stelle anders gemacht hätte.

Kirsten Schubert ist Beraterin und Coach für familiengeführte Unternehmen. Quelle: Presse

Kirsten Schubert ist Beraterin und Coach für familiengeführte Unternehmen.

Bild: Presse

Was kann ich anderen Unternehmern oder Erblassern im Allgemeinen raten? Wie hätte es besser laufen können? Wo hätten Stolpersteine umgangen werden können? Konfliktfrei vererben. Geht das? Ratgeber dazu gibt es einige. 

Situation alleine durchspielen 

Ich wage einen Rollentausch. Zunächst muss ich dazu bereit sein, mich mit der Zeit „nach mir“ und dem, was ich man der Nachwelt hinterlassen möchte, auseinander zu setzen. Nur wenn klar ist, wie ich mein Lebenswerk gewürdigt sehen möchte, kann ich ins Gespräch mit den Erben gehen. 

Um auch deren Sichtweise zu verstehen  ist es sinnvoll  mir vorab die Frage zu stellen, was wohl deren Wünsche und Vorstellungen sind und wo es Divergenzen geben könnte. Dieses mentale „durchspielen“ der Situation nimmt schon einmal einen Teil der Ängste, die mit einem solchen Gespräch verbunden sein können. Es gilt die Vorstellungen der anderen anzunehmen. Zum Beispiel deren Wunsch die Nachfolge nicht anzutreten zu akzeptieren oder auch die Frage anzusprechen, welche Form des Vererbens „gerecht“ ist. Für meinen Vater galt die Devise „gleich ist gerecht“. 

Zur Person

  • Dr. Kirsten Schubert

    Kirsten Schubert ist Buchautorin und Unternehmer-Beraterin. Sie schrieb unter anderem das Buch „Plötzlich und unerwartet. Der steinige Weg der Erben und Unternehmensnachfolger“ . Schubert stieg nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Münster und einer Promotion in Graz 1996 ins elterliche Familienunternehmen, die Schubert Unternehmensgruppe, ein. Sie leitete es bis zum Verkauf im Jahre 2012 mit. Danach begleitete sie weitere drei Jahre die Integration in die WISAG und war dort Geschäftsführerin der Holding.

Was ist gerecht?

Christian Fischer von der Uni Jena hat anhand des sogenannten „Ziegenfalls“ aufgezeigt, dass es 14 Arten gibt, gerecht zu vererben. Die einfachste Variante ist die 50:50-Lösung. Daneben könnte auch der Erstgeborene alles erben (primogenitur), so wie es in Adelskreisen vielfach üblich ist, oder aber derjenige, der „bedürftiger“ ist, weil er weniger eignes Einkommen hat. 

Wie auch sonst in der Wirtschaft kann auch das Leistungsprinzip gelten, dem ich persönlich eher folgte.

Notlagen, Todesfälle und wirtschaftliche Entwicklungen können zum Verkauf der Firma führen. Worauf Unternehmer und ihre Familien achten müssen.

Daher erwartete ich mit dem Erbe auch eine Anerkennung meines fünfzehnjährigen Einsatzes für die Firma neben meinem Gehalt. Meine Vorstellung wäre gewesen, einen höheren Anteil an der Firma zu erben. Offen darüber gesprochen habe ich in der Familie zu Lebzeiten nicht. 

Heute sage ich: „Hätten wir nur darüber geredet“. Das hätte unserer Familie so viele nachträglichen Diskussionen und Kosten auf Beraterebene erspart. 

Wovor haben Sie Angst? 

Was war so unangenehm für meinen Vater? Er wollte den häuslichen Frieden nicht stören, Konflikte zu Lebzeiten vermeiden. Ja, er hatte Angst. Angst davor, dass eine von uns Töchtern enttäuscht sein könnte, daraus resultierend auf Distanz gehen würde oder seine Entscheidung in Frage stellen könnte.

Die Top 10 der Weltmarktführer im deutschen Mittelstand

  • Platz 10

    Peri

    Branche: Schalungen / Gerüste

    Marken-Performance*: 54,9
    Unternehmens-Performance*: 68,2
    Gesamt-Performance²: 123,1

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 9

    Kaeser

    Branche: Kompressoren
    Marken-Performance*: 61,9
    Unternehmens-Performance*: 63,1
    Gesamt-Performance²:124,9

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 8

    Duravit

    Branche: Badausstattung

    Marken-Performance*: 65,0
    Unternehmens-Performance*: 61,9

    Gesamt-Performance²: 126,9

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 7

    Haver & Boecker

    Branche: Drahtweberei / Maschinenbau

    Marken-Performance*: 68,7

    Unternehmens-Performance*: 60,6
    Gesamt-Performance²: 129,3

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 6

    Grimme Landmaschinenfabrik

    Branche: Landmaschinen
    Marken-Performance*: 66,6
    Unternehmens-Performance*: 64,6
    Gesamt-Performance²:131,2

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 5

    Windmöller & Hölscher

    Branche: Verpackungsmaschinen
    Marken-Performance*: 72,7
    Unternehmens-Performance*: 61,3
    Gesamt-Performance²:134,0

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 4

    Delo

    Branche: Industrieklebstoffe
    Marken-Performance*: 69,2
    Unternehmens-Performance*: 68,6
    Gesamt-Performance²: 137,7

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 3

    Lürssen Maritime Beteiligungen

    Branche: Schiffbau
    Marken-Performance*: 74,7
    Unternehmens-Performance*: 64,2
    Gesamt-Performance²: 138,9

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 2

    Otto Bock

    Branche: Prothesen
    Marken-Performance*: 70,7
    Unternehmens-Performance*: 73,1
    Gesamt-Performance²: 143,8

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

  • Platz 1

    Herrenknecht

    Branche: Tunnelbohrmaschinen
    Marken-Performance*: 72,8
    Unternehmens-Performance*: 76,6
    Gesamt-Performance²: 149,4

    * maximal 100 Punkte; ² maximal 200 Punkte; Quelle: Biesalski & Company

In den Gesprächen mit Unternehmern der jüngeren Generation erlebe eine stärkere Offenheit solche Themen anzusprechen. Das Familienbild ist dort weniger patriarchalisch geprägt, es darf mitdiskutiert werden.

Warum sollte ich als Erblasser mit meinen Kindern nicht darüber sprechen, welche Punkte im Sinne einer „familiären Wertbilanz“ wichtig sind? Der Wissenschaftler Rolf Müller aus Nürnberg sieht diese Frage als „Schicksalsfrage in der Unternehmerfamilie“ an. „Unternehmerfamilien scheitern nicht am Wettbewerb oder an betriebswirtschaftlichen Themen, sondern an sich selbst“.  

Er empfiehlt, und das kann ich aus der eigenen Erfahrung nur unterstützen, gezielt materielle und immaterielle Werte aufzulisten und zu bewerten. Da spielt die Wertschätzung für „Last und Leid“ des Unternehmertums des einen Familienmitglieds ebenso eine Rolle, wie die Repräsentation der Familie nach außen oder der Einsatz für die pflegebedürftigen Eltern bei einem anderen. 

Bleibt die Frage: Wie könnte ein solcher Ausgleich aussehen? 

Mittelstand Wie der Firmenverkauf auch in einer Notlage gelingt

Wer als Erbe oder Eigentümer eine Firma in Notlage verkauft, muss sich gegen unkalkulierbare Widerstände und falsche Freunde wappnen. Ein Ratgeber über Vollmachten, Testamentsvollstrecker und findige Berater.

Überraschungen beim Firmenverkauf. Quelle: Getty Images

Derartige Verhandlungen in der Familie sind langwierig, da zunächst einmal offen darüber gesprochen werden muss, wie die emotionalen Konten der Betroffenen aussehen. Wie jeder seinen Einsatz für die Familie in der Vergangenheit und für die Zukunft bewertet und wie das wiederum am Ende des Tages auf der finanziellen Ebene ausgeglichen werden kann.

Aber die Mühe lohnt sich. 

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