Unternehmerbörse für den Mittelstand: "Manche Nachfolger trauen sich die Unternehmensführung nicht zu"

Unternehmerbörse für den Mittelstand: "Manche Nachfolger trauen sich die Unternehmensführung nicht zu"

, aktualisiert 08. September 2017, 11:59 Uhr
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Der langjährige Chef des Verbands der Familienunternehmer will die Suche nach Nachfolgern für Familienunternehmer erleichtern.

von Anja MüllerQuelle:Handelsblatt Online

KPMG startet mit dem Verband „Die Familienunternehmer“ eine Internet-Plattform für Unternehmensverkäufe. Dabei gibt solche Marktplätze längst. Die Initiatoren zielen aber diesmal auf die großen Familienunternehmen.

Initiator Lutz Goebel kam vor neun Monaten mit seiner Idee zu Vera Elter. Goebel, der bis Mai Präsident des Verbandes "Die Familienunternehmer" war, sprach seitdem häufiger mit der Bereichsvorständin Familienunternehmen bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG. Nun wollen Sie ganz offiziell starten und erklären das, warum noch eine Börse notwendig ist.

Herr Goebel, die Initiative ging von Ihnen aus, eine neue Plattform für Unternehmensverkäufe und Investorensuche zu starten. Warum glauben Sie, braucht es noch eine weitere Plattform, neben denen von KfW, den Sparkassen und der Deutschen Unternehmerbörse DUB, an der das Handelsblatt beteiligt ist?
Lutz Goebel: Ich bin ja damals aus unserem alten Familienunternehmen ausgestiegen, wollte aber nach Stationen bei anderen Firmen ein eigenes Unternehmen führen. Ich hatte mir damals zwar Kontakte aufgebaut, aber der Prozess, bis man ein Unternehmen gefunden hat, ist einfach extrem lang und auch schwierig. Das ist jetzt bald 20 Jahre her. Auch als Präsident des Verbandes der Familienunternehmer bekam ich immer wieder Anfragen von Managern, die gern ein Unternehmen übernehmen wollten. Ich konnte ihnen aber im Grunde nicht weiterhelfen. Im Gespräch mit Frau Elter fragte ich Sie, ob KPMG nicht eine Plattform für Unternehmensverkäufe und Investorensuche ins Leben rufen könnte.

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Also ging es Ihnen vor allem um Manager, die sich – mithilfe von Finanzinvestoren – wie Sie damals ein Unternehmen kaufen?
Lutz Goebel: Nicht nur. Es gibt auch noch einen anderen, einen äußeren Anlass: Die Nachfolge wird zur immer größeren Herausforderung. Die junge Generation ist immer besser ausgebildet, sie kann woanders Karriere machen oder selbst gründen. Hinzu kommt, dass sich manche Nachfolger bei einem dreistelligen Millionen-Umsatz auch die Unternehmensführung gar nicht zutrauen. Deshalb konzentrieren wir uns auch auf größere Unternehmen als KfW und DUB.

Und wer zählt neben den Unternehmensverkäufern und interessierten Managern, die sich einkaufen wollen, noch zu Ihrer Zielgruppe, auch Finanzinvestoren?
Vera Elter: Die Zielgruppe ist deutlich größer, es gibt Family Offices, Family Equity-Gesellschaften, Mittelstandsholdings, strategische Investoren, ja und natürlich auch Finanzinvestoren. Aber das Wichtigste ist: die Verkäufer bleiben Herren ihrer Daten, es werden keine Daten an den Käufer weitergegeben bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Verkäufer es explizit wünscht. Für den Verkäufer werden die Käufer nach Investorenart geclustert, z. B. Family Equity-Gesellschaft, strategischer Investor etc. Wer seine Firmendaten nicht mit Finanzinvestoren teilen will, der klickt sie auch nicht an.
Lutz Goebel: Man sollte die Finanzinvestoren aber auch nicht ausschließen, schließlich brauchen die Manager, die ein Unternehmen übernehmen wollen, auch Financiers, so wie ich damals. Klar muss aber sein: Wenn wir den Prozess nicht sauber aufgesetzt hätten mit der vollständigen Datenkontrolle für den Verkäufer, aber auch den Käufer, und verschiedenen Informationsstufen, dann wäre das Projekt tot, bevor es beginnt. Familienunternehmer sind da sehr sensibel.

Frau Elter, ab welchem Umsatz sind denn die Unternehmen bei Ihnen richtig?
Vera Elter: Ab drei Millionen Euro Umsatz. Aber bereits bei unseren ersten Anmeldungen hatten wir jetzt auch tatsächlich Unternehmen, die einen zwei- ja sogar dreistelligen Millionenumsatz erwirtschaften.

Ihre Plattform ist kostenlos, werden Sie dann nicht viele Karteileichen haben?
Vera Elter: Bei uns muss man ausgewählte Unterlagen hochladen, wie einen Handelsregisterauszug und die Kopie des Personalausweises, das ist schon eine kleine Hürde, erst wenn diese Unterlagen vollständig sind, wird der Käufer oder Verkäufer für die Nutzung freigeschaltet.

Ja, aber man muss es aktuell halten und auch zeitliche Grenzen setzen, sonst entsteht der Eindruck einer Resterampe…
Vera Elter: Wir wollen ganz klar in das Segment der mittleren bis größeren und wachstumsstarken Unternehmen. Wir haben die Plattform noch nicht beworben, wir hatten die Information nur im Familienunternehmer-Verband und an unsere Partner verschickt, sowohl an Verkaufs- als auch an Kaufmandate. Das lief vielversprechend. Auch für andere Transaktionsberater, Steuer- und Rechtsberater sowie Personalberater kann die Plattform als „verlängerte Werkbank“ dienen.

Aber das sind ja die Konkurrenten von KPMG, Sie wollen doch sicher durch Beratungsleistung an dem Geschäftsmodell verdienen?
Vera Elter: Wir wollen uns als Experten positionieren, die helfen können. Wenn man will, kann man unsere Transaktionsexpertise in Anspruch nehmen – es ist aber absolut kein Muss. Wir können Zusatzleistungen anbieten, die nicht jeder Steuerberater im Portfolio hat, dann kommen natürlich auch Aufträge zu uns. Denn ein Unternehmensverkauf oder die Aufnahme eines Investors ist ein Vorhaben, welches sehr gut durchdacht und ausgeführt werden sollte.

Frau Elter, Herr Goebel, vielen Dank für das Interview.

Quelle:  Handelsblatt Online
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