Weidmüller-Finanzchef im Gespräch: Weidmüller vs. Stahl - Wirtschaftskrieg erreicht deutschen Mittelstand

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InterviewWeidmüller-Finanzchef im Gespräch: Weidmüller vs. Stahl - Wirtschaftskrieg erreicht deutschen Mittelstand

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Harald Vogelsang

von Andreas Wildhagen

Im Übernahmekrieg zwischen den Mittelständlern Weidmüller und Stahl äußerst sich zum ersten Mal der Finanzchef des Angreifers zu den Marktaussichten eines gemeinsamen Unternehmens.

Zum ersten Mal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte tobt zur Zeit ein feindlicher Übernahmekampf zwischen zwei mittelständischen Unternehmen. Bisher waren solche feindlichen Merger nur zwischen Großkonzernen wie Vodafone und Mannesmann in Deutschland zu beobachten. Nun hat der Wirtschaftskrieg den deutschen Mittelstand erreicht. Die betroffenen Unternehmen stammen aus der Elektronikindustrie. Die Firma Weidmüller ist in Westfalen (Detmold) ansässig, das Unternehmen Stahl in Baden-Württemberg (Waldenburg). Der Angreifer: Weidmüller. Der Verteidiger: Stahl.

Es ist ein zähes Ringen, denn die Familien Zaiser und  Stahl sind nur zu etwas mehr als 50 Prozent Anteilseigener der eigenen Firma, während Weidmüller sich ganz in den Händen der Familien Gläsel befindet, ein ziemlich unbekannter Clan in Deutschland. Keiner der Familienstämme wolle verkaufen, wird bei Stahl beteuert. Die Familie fühlt sich offenbar als Opfer. Die Firma sei „ein Erbstück“. Ob das reicht? Auf jeden Fall wird die geplante Übernahme des börsennotierten Mittelständler Stahl für Weidmüller zu einer unsicheren Sache. Wenige Tage vor Ablauf der ersten Angebotsfrist erhöhte Weidmüller die Offerte von zuvor 47,50 Euro pro Aktie auf 50 Euro je Stahl-Aktie. Die Annahmefrist geht bis zum 1. Juli. Weidmüller hält die Übernahme des Konkurrenten Stahl für sinnvoll, da zusammen ein zusätzliches Marktpotential in Höhe von 500 Millionen Euro erreicht wird, so der Weimüller-Vorstandschef Peter Köhler.

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Zur Person

  • Harald Vogelsang

    Harald Vogelsang wurde 1962 in Gladbeck geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften in Bochum und Wuppertal. Er übernahm Führungsaufgaben bei Siemens und SAS Autosystemtechnik und war Geschäftsführer bei Max Kammerer. Außerdem war er Vice President bei VDO. Seit 2009 ist er als Finanzchef bei Weidmüller.

Weidmüller-Finanzchef Harald Vogelsang, 51, zu den Perspektiven eines fusionierten Mittelstands-Unternehmens:

WirtschaftsWoche: Herr Vogelsang, Sie haben ein Übernahmeangebot für den Elektronikspezialisten R. STAHL vorgelegt und diese auf 50 Euro pro Aktie erhöht. Warum wollen Sie das Unternehmen übernehmen – trotz Widerstand der Gründerfamilien?

Vogelsang: Weil wir von dem gemeinsamen Wachstum überzeugt sind. Weidmüller bietet elektrische Verbindungstechnik und Elektronik, STAHL den Explosionsschutz dazu. Aktuell ist R. STAHL stark vom Ölpreis abhängig, weil sich das Unternehmen auf die so genannte Prozessindustrie konzentriert, also den Bereich mit flüssigen und gasförmigen Medien. Weidmüller ist beispielsweise im Maschinen- und Anlagenbau sowie dem Energiesektor exzellent aufgestellt. Beide Unternehmen haben eine sehr unterschiedliche Kundenbasis. Eine Kombination hätte drei Effekte: Erstens verbessern wir unsere Produkte, indem wir die Expertise über alle Branchen hinweg vergrößern und Entwicklungszyklen aufeinander abstimmen. Zweitens machen wir uns unabhängig von Konjunkturzyklen. Drittens verbreitern wir schlagartig unsere Kundenbasis und können mit einem breiter aufgestellten Vertriebsteam neue Märkte erschließen. So können wir stärker wachsen und Arbeitsplätze sichern.

In welchen Märkten gibt es Überscheidungen zwischen Weidmüller und R. STAHL, wo ergänzen Sie sich?

Es gibt kaum Überschneidungen, das ist gerade der Charme dieser Kombination. Das Bundeskartellamt hat kürzlich seine Freigabe ohne jede Auflage erteilt. Für uns ist das eine Bestätigung der industriellen Logik, die auf der Komplementarität der Portfolien basiert. Wir gehen davon aus, dass R. STAHL über unsere Vertriebskanäle im Maschinen- und Anlagenbau sowie im Energiesektor ein zusätzliches Marktpotential von etwa 500 Mio. Euro heben könnte. Das ist weit mehr als der aktuelle Jahresumsatz der Gesellschaft.

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