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Werner Klein, Psb: Der Lager-Spezialist, der kein Einstein sein will

von Von Camen Salvenmoser Quelle: Handelsblatt Online

Werner Klein führt das Pirmasenser Intralogistik-Familienunternehmen Psb bereits in der vierten Generation. Gemeinsam mit seinen Kunden tüftelt der einfallsreiche Unternehmer an neuen Lösungen und Anwendungen, die den individuellen Ansprüchen gerecht werden.

Psb- Chef Werner Klein will seinen Kunden individuelle Lösungen anbieten können. Quelle: handelsblatt.com
Psb- Chef Werner Klein will seinen Kunden individuelle Lösungen anbieten können. Quelle: handelsblatt.com

KÖLN. Mitten im Durcheinander fühlt sich Werner Klein besonders wohl: T-Shirts schweben an Kleiderbügeln hängend an dem Unternehmer vorbei, daneben rattern gelbe Behälter auf Rollenbändern von einer Kommissionierstation zur nächsten. Der Chef der Pirmansener Psb Intralogistics GmbH steht mitten im firmeneigenen Präsentationszentrum, das er "Prisma" getauft hat. "Hier können unsere Kunden Intralogistik live erleben", schwärmt Klein, der Interessenten gerne in seine Vorzeige-Halle einlädt. Dort dürfen sie die neueste Technik bestaunen und ausprobieren, sogar Zubehör wie Handscanner und Waagen stehen zum Test bereit. "Es ist eine kleine Logistik-Show zum Anfassen, die unsere Kunden und auch uns selbst inspirieren soll", sagt Klein.

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Der Psb-Chef hat seine Begeisterung für Logistik-Technik wohl vom Vater geerbt. Genauso wie die Freude am Unternehmertum: "Mein Vater hat es geschafft, mich sehr früh für die Firma zu begeistern", sagt der studierte Wirtschaftsingenieur. Obwohl er der Älteste von vier Geschwistern ist, habe er nie Druck verspürt, den Familienbetrieb zu übernehmen. "Ich hatte die freie Berufswahl." Die Entscheidung für das elterliche Unternehmen hat der Filius nie bereut. Zehn Jahre lang führte er Psb sogar gemeinsam mit dem Vater: "Das hat erstaunlich gut geklappt", sagt Klein mit einem Augenzwinkern.

Heute hat Klein das Zepter allein in der Hand und führt über 400 Mitarbeiter im Stammhaus in Rheinland-Pfalz. Die Pirmansenser gelten als Spezialisten für Intralogistik, sie organisieren den Materialfluss und das Lager innerhalb von Unternehmen vom Wareneingang bis zum Warenausgang. Der Geschäftsführer des Familienbetriebs in vierter Generation drückt es so aus: "Intralogistik ist all das, was sich innerhalb eines Unternehmens physisch und organisatorisch bewegt." Diese trockene Definition übersetzt Klein gleich mit einem praktischen Beispiel: "Eine Geschirrspülmaschine, die am Fließband montiert wird, befördern wir mit unseren Systemen durch die ganze Fabrikhalle, bis aus dem anfänglichen Blechbottich ein fertiges Gerät geworden ist."

So schlängeln sich im Bielefelder Werk von Miele, einem der größten Psb-Kunden, Rollenförderbänder von Montageinsel zu Montageinsel, eine Elektro-Hängebahn stellt neue Roh-Bottiche aufs Band und holt die fertigen Geschirrspüler am Ende wieder ab. Selbst zur Prüfstation fährt das Haushaltsgerät auf einer Psb-Maschine, bevor es fertig verpackt vom Elektro-Transportsystem aus Pirmasens eingelagert wird.

Auch diese gewaltigen Anlagen können Kunden im Präsentationszentrum Prisma besichtigen. Wer genug gesehen hat, marschiert ins Gebäude nebenan, die Denkfabrik. Dort arbeiten Kunden und Psb-Mitarbeiter gemeinsam am perfekten intralogistischen System. Klein vergleicht die Workshops in der Denkfabrik mit der Arbeit eines Architekten: "Wir konzipieren eine Anlage immer so, dass sie in das Umfeld des Kunden passt." So etwa beim Schweizer Neukunden Lindt & Sprüngli: Der Schokolade-Produzent hat bei Psb ein vollautomatisches Lager für die Produktion in Zürich bestellt, das sich in das historische Firmengebäude integrieren lässt.

Eine Herausforderung ganz nach dem Geschmack des Psb-Geschäftsführers. Der gebürtige Pirmansenser konnte sich schon immer für Technik begeistern, auch wenn er nach eigener Aussage "kein Einstein unter den Ingenieuren" ist. Klein studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der technischen Universität Kaiserslautern und legte ein Auslandssemester in Birmingham ein. Nach dem Diplom stieg er 1992 als Projektmanager bei Festo ein, einem Anbieter von Automatisierungstechnik. Schon ein Jahr später verließ Klein das Unternehmen wieder und fing als Controller im Unternehmen seines Vaters an. 1995 wurde er zum zweiten Geschäftsführer bestellt. Auch wenn es in zehn Jahren des geteilten Chef-Sessels ab und zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Vater und Sohn gab - mit guter Streitkultur und getrennten Aufgabengebieten sei die Zusammenarbeit doch einfach gewesen: "Mein Vater war für die technische Projektabwicklung verantwortlich, ich für den Vertrieb und das Controlling", sagt Klein.

Kunden aus Europa, den USA, Asien und Südafrika bestellen die Anlagen aus Rheinland-Pfalz, die auch im Stammhaus gefertigt werden: "Bei uns kommt alles aus einer und eigener Hand", sagt Geschäftsführer Klein nicht ohne Stolz. Sein Vater war es, der vor vielen Jahren den Ausbau des Transportgeräteprogramms vorangetrieben hatte.

Gründer des Unternehmens war Kleins Ur-Großvater. Er eröffnete im Jahr 1887 eine Schlosserei. Mitte des 19. Jahrhunderts entstand daraus unter Großvater Klein ein Stahlbauer, der hauptsächlich Transportgeräte für die damals in Rheinland-Pfalz heimische Schuhindustrie herstellte. Erst die dritte Generation wagte 1970 den Einstieg in die Lagertechnik und baute erste branchenbezogene Förderanlagen.

Heute steht Psb für intralogistische Gesamtsysteme, die nicht nur Geräte zur Montage befördern, sondern auch Hosen und Pullover aus Regalen holen, sauber verpacken und an Versandhaus-Kunden schicken, Auto-Ersatzteile auf Knopfdruck in kleine Behälter füllen und zum Ausgabeschalter fahren oder Retouren-Ware annehmen und sie automatisch zurück an ihren angestammten Lagerplatz bringen. "Idealerweise ist der Automatisierungsgrad bei unseren Systemen hoch", sagt Klein. "Es gibt aber auch einfache Lösungen." Immer wieder wurde der rheinland-pfälzische Familienbetrieb als einer der erfolgreichsten Innovatoren des Mittelstands geehrt. Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Mentor des Top-100-Rankings Lothar Späth kennt den Grund: "Es gibt Unternehmen, die verkaufen Produkte oder Ideen. Psb kann beides liefern und hat Lösungen im Angebot, auf die kein anderer bisher gekommen ist."

Innovation und Nachhaltigkeit sind Werner Klein wichtig. Der Geschäftsführer denkt bei seiner Arbeit deshalb schon an die nächste Generation: "Quartalsergebnisse stehen bei uns nicht im Vordergrund", beschreibt Klein die Unternehmensphilosophie. Die langfristige Perspektive sei bedeutend, Investitionen dürfe man nicht aus reinen Return-on-Investment-Gesichtspunkten betrachten. Diese Sichtweise hilft Klein auch in Krisenzeiten: "Natürlich spüren wir die Konjunkturkrise", sagt der Firmenchef. "Viele Kunden investieren zurzeit nicht." Aber manche Unternehmen denken gerade jetzt wieder verstärkt an ihre Produktivität: "Wir haben das optimale Produkt für Unternehmen, die jetzt effektiver arbeiten wollen oder müssen", wirbt Klein.

Im Moment ist der Unternehmer mit der Auslastung zufrieden und erwartet für das laufende Jahr keine ernsthaften Probleme. "Was 2010 kommt, müssen wir erst sehen", sagt der Geschäftsführer. Er schaut aber mit einem positiven Gefühl in die Zukunft und ist fest überzeugt davon, dass auch die fünfte Generation noch Freude an seinem Unternehmen haben wird.

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