"Wunderkind" der Wirtschaft: Lars Windhorst - das zweite Comeback eines Wunderkindes

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"Wunderkind" der Wirtschaft: Lars Windhorst - das zweite Comeback eines Wunderkindes

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Zwei Mal ging Lars Windhorst schon in die Insolvenz. Jetzt soll es klappen.

Lars Windhorst ist wieder da. Im dritten Anlauf will Helmut Kohls "Wunderkind" langfristig investieren. Doch er bleibt Hochrisiko-Spieler: Seine Holding steckt Millionen in Unternehmen, die sonst kaum einen Cent bekommen würden.

Von Melanie Bergermann, Yvonne Esterházy, Martin Seiwert, Andreas Wildhagen und Florian Willershausen.

Lars Windhorst hängt in seinem Stuhl. Die Arme über die Lehne geklemmt, die obere Hälfte der Krawatte hängt auf der linken Seite seiner Brust, die untere auf der rechten. Die Beine sind ausgestreckt. Routiniert rattert der 37-Jährige herunter, was er über die Rohstoffmärkte denkt, ob Kohle, Öl oder Gas. Cool und lässig, als wäre er schon ewig im Geschäft. Nach 15 Minuten schaut er das erste Mal auf die Uhr. Der Mann hat keine Zeit.

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Windhorst will etwas Großes aufbauen. Seine Unternehmen sollen in ihren Branchen irgendwann zu den Top-Spielern gehören. Die Sapinda Holding wächst in etwa in dem Tempo, in dem Windhorst redet: 2011 betrug das Eigenkapital noch 18.000 Euro, im kommenden Quartal sollen es 210 Millionen Euro sein. Der Marktwert der Beteiligungen liegt laut Windhorst bei 962 Millionen Euro und soll bis Ende des Jahres auf 1,4 Milliarden Euro steigen.

Für 2014 will er an sich und die anderen Sapinda-Teilhaber erstmals eine Dividende ausschütten – dabei arbeiten die meisten seiner Investments bislang noch nicht profitabel. Das rasante Wachstum erstaunt andere Finanzinvestoren, lässt sie aber auch fürchten, ob das wirklich gut gehen kann.

Der Name Windhorst steht für ein erstaunliches Comeback oder zumindest den Versuch eines solchen. Nach zwei Pleiten will das einstige Wunderkind der deutschen Wirtschaft, das als 19-jähriger Jungunternehmer mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl auf Reisen ging, jetzt mit Sapinda und einem prominenten Netzwerk eigene Unternehmen hochziehen. Dafür hat er zum Beispiel den früheren ThyssenKrupp-Vorstand Edwin Eichler engagiert.

Vom Zocker zum Unternehmer

Eines ist er jedoch geblieben: Windhorst ist ein Hochrisikospieler. Seine drei Hauptunternehmen sind in der Aufbauphase. Ob sie je erfolgreich sein werden, ist nicht absehbar. Er leiht Unternehmen Geld, die wohl anderswo keinen Cent bekommen würden. Solche Kredite sind – wenn sie zurückgezahlt werden – einträglich. Sapinda verlangt Zinsen von bis zu zehn Prozent pro Jahr.

Die Aktien seiner Beteiligungen haben hohes Potenzial. Deshalb findet er auch – zwei Pleiten zum Trotz – Co-Investoren. „Wer zu Windhorst geht, will keine Bundesanleihe kaufen“, sagt ein Frankfurter Banker. Seine Strategie, auf Investments mit hohem Chance-Risiko-Verhältnis zu setzen, ist damit auf den ersten Blick logisch. Aber genauso groß ist die Gefahr, dass Windhorst im Drama seines Lebens ein weiteres Mal scheitert.

Windhorsts Netzwerk

Die wesentlichen Beteiligungen der Sapinda-Gruppe. Für eine detaillierte Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik.

Erster Akt: Windhorst ist 16 Jahre alt, als er vom Elternhaus im ostwestfälischen Rahden aus ein Unternehmen für Computerzubehör aus Fernost aufbaut. Wohlhabende Gönner wie Klinikbetreiber Ulrich Marseille leihen ihm Millionen. 2004 geht die Windhorst AG pleite, das Landgericht Berlin verurteilt ihn wegen Untreue. Er leistet einen Offenbarungseid. Marseille nennt ihn nun einen Betrüger.

Zweiter Akt: Windhorst nimmt einen neuen Anlauf mit der Investmentfirma Vatas. Nachdem er bei der Nord/LB verschiedene Aktienpakete geordert, aber nicht abgenommen hat und die Bank ihn verklagt, meldet er 2009 erneut Insolvenz an. Viele der Investoren hätten ihm das nicht persönlich übel genommen, sagt Windhorst, da es in der Finanzkrise viele Investoren unerwartet erwischt habe. Viele würden heute wieder Geschäfte mit ihm machen.

Windhorst unter Kontrolle

Nun der dritte Akt mit der Vatas-Muttergesellschaft Sapinda, die nicht von der Pleite betroffen war. Während Vatas auf Schwankungen an der Börse spekulierte, soll Sapinda langfristig investieren und hat bislang 405 Millionen Euro eingesetzt. Mehr als die Hälfte steckt in drei Branchen: Kohle, Öl und Gas, Agrar. Der Rest wanderte in eine Vielzahl von Beteiligungen, die Spanne reicht von Immobilien und Medien bis hin zu elektronischen Fußfesseln.

Oft organisiert Windhorst dafür sogenannte Club Deals: Er hat nach eigener Aussage einen Stamm von 100 Investoren, die in Unternehmen einsteigen, in die auch Sapinda investiert. Darunter sind Größen wie die Fondsgesellschaft Fidelity.

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