Mittelstandsbank: IKB: Eine Sonderprüfung, die jetzt reif ist

KommentarMittelstandsbank: IKB: Eine Sonderprüfung, die jetzt reif ist

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Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB kämpfen ums Überleben

von Andreas Wildhagen

Die IKB und ihr Investor Lone Star wollten eine externe Aufarbeitung des Fast-Zusammenbruchs stoppen - das wiederum stoppt nun der Bundesgerichtshof.

Es ist zweieinhalb Jahre her, dass die Düsseldorfer IKB in eine Beinahe-Pleite schlitterte. Nun hat der Bundesgerichtshof (BGH) den Weg wieder frei gemacht für die neutrale Aufarbeitung der Krise. Der II. Zivilsenat verwarf einen Eilantrag, mit dem die Mittelstandsbank die Aufnahme der 2009 gestoppten Sonderprüfung doch noch verhindern wollte. Der externe Prüfer soll untersuchen, ob Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats durch Pflichtverletzungen zur Milliardenkrise der Bank beitrugen. Kleinaktionäre hatten im August vergangenen Jahres vor dem Landgericht Düsseldorf die Wiedereinsetzung des Gutachters bei der Mittelstandsbank erzwungen, der im März auf einer außerordentlichen Hauptversammlung durch den neuen Mehrheitseigentümer Lone Star abgesetzt worden war.

Damit wird die Causa IKB wieder aktuell. Denn der Prüfer wird alle Protokolle und alle internen E-Mails in der IKB-Bank einsehen. Der Vorstand hatte im Juli 2007 die Lage der Bank fast schon als rosig bezeichnet und nur einen Verlust von ein paar Millionen Euro avisiert. Daraus wurde wenige Tage später eine dramatische Schieflage, und dann schließlich ein Rettungspaket der damaligen Hauptaktionärin, der Staatsbank KfW in Höhe von zehn Milliarden Euro. Kann man sich so vertun?

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Zu viele offene Fragen

Welche Rolle hatte der Aufsichtsrat unter dem damaligen Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann in dieser brisanten Zeit? Konnte er dem Vorstand so einfach glauben? Es gab schon viel früher Warnungen aus der Londoner City, dass die Risiken der IKB viel zu hoch waren. Warum duldete der Aufsichtsrat, dass die erheblichen Risiken aus der Bilanz ausgelagert wurden? Damit war die Bilanz der IKB nicht mehr die Bilanz, sondern nur noch ein Fetzen Papier.

Mehr Licht in die IKB-Höhle wird auch der Prozess gegen den ehemaligen Vorstandschef Stefan Ortseifen bringen, der am 16. März beginnt. Das Frühjahr wird ein wenig laues Lüftchen in die IKB-Zentrale bringen, die eher aussieht wie eine Festung als die Hauptverwaltung einer ehedem stocksoliden Bank. Die Vorsitzende Richterin wird Brigitte Koppendörfer sein, keine Unbekannte. Sie saß auch schon über Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, im Mannesmann-Prozess zu Gericht und über den früheren WestLB-Chef Jürgen Sengera. Beide Koppendörfer-Urteile hob der BGH auf. Der Vorwurf der Untreue oder der Anstiftung dazu ist juristisch schwieriges Gelände. Ortseifen darf hoffen. Vielleicht hat er ja auch noch einen Pfeil im Köcher, der ihn vom Vorwurf befreit, die Lage der Bank zu positiv dargestellt zu haben.

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