Mobile World Congress Barcelona: Handybranche setzt auf Internet to go

Mobile World Congress Barcelona: Handybranche setzt auf Internet to go

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Außenansicht von der Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona.

Die Mobilfunk-Branche kommt heute zu ihrem wichtigsten Treffen des Jahres zusammen, dem Mobile World Congress in Barcelona. Ein Schwerpunkt der Messe ist die mobile Internet-Nutzung. Onlinefirmen wie Apple und Google drängen ins Mobilfunk-Geschäft und verändern das Kräfteverhältnis.

Über Jahre haben die Mobilfunk-Anbieter Milliarden in den Aufbau superschneller Netze investiert - doch zum Massenmarkt wurde die Internet-Nutzung für unterwegs bisher nicht. Die Verbraucher stören sich an hohen Tarifen oder umständlicher Bedienung auf den kleinen Bildschirmen. Doch inzwischen wittert die Branche Morgenluft: Apples iPhone zeigt, dass die Nutzer bei richtigem Bedienkomfort doch zum „Internet in der Tasche“ greifen. Google stellt in Barcelona erste Geräte-Prototypen vor, die mit dem Betriebssystem Android laufen.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel dürfte Prototypen seiner mobilen Mini-Computer (MID) nach Barcelona mitbringen, die mit den neuen Silverthorne-Prozessoren eine hohe Rechenleistung mit geringem Stromverbrauch verbinden sollen. Bisher scheitert eine breitere Internet-Nutzung unterwegs auch daran, dass die Geräte die Akkus binnen weniger Stunden leersaugen.

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Die Branche wird in nächster Zeit zudem immer mehr mobile Dienste anbieten. Nokia steht unter Zugzwang, den Aufbau seines Portals Ovi voranzutreiben: Das groß angekündigte Musik-Angebot startete bisher erst in Großbritannien, der Spiele-Dienst N-Gage wurde wegen technischer Schwierigkeiten verzögert. Aber die Konkurrenz schläft nicht: Das britische Unternehmen Omnifone will in Barcelona Nokia die Schau stehlen und ein eigenes Musik-Handy mit Zugang zu Songs der großen Musikkonzerne vorstellen.

Navigation und Ortung gelten als ganz heiße mobile Dienste. Mit der Verbreitung von Handys, die - ob über GPS oder mit anderen Mitteln - ihren Standort erkennen, können den Nutzern gezielt Angebote zum Beispiel von Kaufhäusern oder Restaurants in ihrer Nähe aufs Telefon gesendet werden. Solche Ortungs-Dienste gelten auch als ein Schlüssel, um Geld mit Werbung auf dem Handy zu verdienen.

Nokia nahm jüngst gut acht Milliarden Dollar in die Hand, um den Anbieter digitaler Straßenkarten Navteq zu übernehmen. Nokia-Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo kündigte auf der Mobilfunk-Messe neue, günstigere Modelle mit GPS-Ortungsfunktion an. Sie sollen nicht nur auf Autofahrer, sondern auch speziell auf Fußgänger zugeschnitten sein. Nokia wolle in diesem Jahr 35 Millionen GPS-Handys verkaufen.

Der Fußball-Weltverband FIFA will Handy-TV bei der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zum Durchbruch verhelfen. Der schwedische Telekomausrüster Ericsson sei dazu mit dem Betrieb einer Plattform für die Verbreitung von Fernsehbilder über das Handy beauftragt worden. Zum Auftragsvolumen machte Ericsson keine Angaben. In den kommenden Jahren werden nach Einschätzung von Experten immer mehr Menschen mit ihrem Mobiltelefon Fernsehübertragungen verfolgen. Sportveranstaltungen wie die Fußball-EM oder -WM gelten als wichtiger Treiber.

Sony-Ericsson will in diesem Jahr ein Handy mit Microsofts Betriebssystem Windows Mobile auf den Markt bringen. Unter der Marke Xperia soll das Handy im höherpreisigen Marktsegment vertrieben werden. Damit werden künftig alle großen Handyanbieter mit Ausnahme von Nokia Modelle mit Windows Mobile im Angebot haben. Microsoft versucht seit einigen Jahren, seinen Erfolg bei Personal Computern auf mobile Geräte und Handys zu übertragen und konkurrierte bislang vor allem mit dem unter anderem von Nokia entwickelten Betriebssystem Symbian. Lange tat sich der Software-Riese schwer, im Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen, doch inzwischen könne das Unternehmen auf einen guten Erfolg zurückblicken, sagte Microsoft-Manager Sott Horn.

Sony Ericsson blickt jedoch mit Sorge auf die möglichen Auswirkungen des weltweiten Wirtschaftsabschwungs für die Branche. „Es ist klug, für die nächsten zwölf Monate etwas vorsichtiger zu sein“, sagte der Verkaufschef des weltweit viertgrößten Handyherstellers, Anders Runevald. Das Unternehmen wolle zudem in Zukunft noch günstigere Handys anbieten. Derzeit koste das preiswerteste Modell von Sony Ericsson etwa 50 Euro, während der Markt mit Modellen für 30 Euro der am schnellsten wachsende sei.

Der Telekom-Ausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) sieht sich für den harten Wettbewerb in der Branche gerüstet. „Wir werden 2008 schneller als der Markt wachsen“, sagte Vorstandschef Simon Beresford-Wylie. Er kündigt allerdings an, dass die Gemeinschaftsfirma von Nokia und Siemens ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr überprüfen wird.

Veranstaltet wird die jährliche Messe in Barcelona von der GSM Association (GSMA), die die Interessen von über 700 Mobilfunkanbietern vertritt. Sie dauert bis Donnerstag dieser Woche. Im vergangenen Jahr - als die Messe noch „3GSM“ hieß - kamen rund 50 000 Fachbesucher.

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