KommentarMobilfunk-Allianz: Warum Microsoft und Nokia den Markt aufmischen könnten

11. Februar 2011
Mobilfunk Allianz: Nokia-Chef Quelle: ReutersBild vergrößern
Mobilfunk Allianz: Nokia-Chef Stephen Elop (l) und Microsoft-CEO Steve Ballmer Quelle: Reuters
von Michael Kroker

Der Mobilfunk-Allianz von Nokia und Microsoft schlägt Häme und Skepsis entgegen. Doch die Kooperation verfügt über das Potenzial, das Geschäft mit Smartphones mittelfristig kräftig durcheinander zu wirbeln, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker.

Ok, zugegeben, Begeisterung sieht anders aus: Um mehr als acht Prozent schickten die Börsianer die Aktie des Handyherstellers Nokia in den Keller, nachdem die Finnen heute eine weitreichende strategische Partnerschaft mit dem Softwaregiganten Microsoft verkündeten. Kernpunkt der Übereinkunft: Nokia setzt künftig im Segment der margen- und prestigeträchtigen Smartphones die neue Microsoft-Plattform Windows Phone 7 statt des hauseigenen Symbian ein.

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Bei aller Skepsis der Märkte - die Heftigkeit des Kursausschlages überrascht. Schließlich wird über eine Partnerschaft der beiden im Mobilfunk zuletzt immer stärker gebeutelten Konzerne schon länger spekuliert. Bereits als der damalige Microsoft-Manager Stephen Elop im September des vergangenen Jahres in einem überraschenden Schachzug als neuer Vorstandsvorsitzender an die Spitze von Nokia rückt, gibt es erste Indizien über ein künftiges Zusammenrücken der ehemals verfeindeten Unternehmen – von einer Partnerschaft bis hin zu einer Übernahme der Finnen durch die Amerikaner.

Neue Nahrung erhalten jene Spekulationen am Anfang dieser Woche, als das US-Technologieblog Engadget einen internen Wutbrief Elops an die Nokianer veröffentlicht, in der der Nokia-Chef haarklein die Versäumnisse der Finnen in den vergangenen Jahren auflistet und eingesteht, die mobile Plattform des Unternehmens – also das Handy-Betriebssystem Symbian – brenne gerade darnieder („Nokia, our platform is burning“).

Potenzial für Nokia und Microsoft

Kann das Zusammengehen von Elop mit seinem einstigen Boss Steve Ballmer das zuletzt lichterloh fackelnde Feuer – laut Gartner sackte der Marktanteil im Smartphone-Geschäft binnen eines Jahres von 47 auf 38 Prozent – wieder löschen? Kurzfristig mögen da Zweifel angebracht sein, schließlich dauert es mindestens ein paar Monate, bis Nokia erste Geräte auf Basis der Microsoft-Plattform auf den Markt bringen kann. Doch trotz vieler Bedenken verfügt die heutige Ankündigung auch über das Potenzial, das Handy-Geschäft mittelfristig noch einmal kräftig durcheinander zu wirbeln.

Grund: Zum einen verändert der Zusammenschluss rein numerisch die Arithmetik gerade im besonders stark wachsenden Geschäft der intelligenten Smartphones. Gemeinsam kommen Nokia und Microsoft laut der jüngsten Zahlen von Canalys auf einen Marktanteil von 34 Prozent. Sollte Blackberry-Hersteller Research in Motion künftig nicht doch noch auf Android wechseln, läge das Duo sogar noch vor Google. Das hilft in erster Linie Microsoft, deren erst Ende 2010 vorgestelltes Mobil-Betriebssystem Windows Phone 7 trotz positiver Beurteilungen durch Analysten aktuell bei einem Marktanteil im niedrigen einstelligen Bereich dümpelt.

Microsoft muss mit Cash um sich werfen

Umgekehrt kann aber auch Nokia von Microsoft profitieren: Zum einen verfügen die Redmonder über eine große und treue Entwickler-Community, die seit vielen Jahren in der Windows-Welt zu Hause ist. Jene kann man vergleichsweise leicht dazu bewegen, ihre Anwendungen künftig auch für das Handy-Windows umzuprogrammieren – leichter jedenfalls, als das für das alte Nokia-System zu tun. Apps, jene kleinen Programmschnipsel fürs Mobiltelefon, sind schon heute wichtiger Kaufgrund der Kunden bei der Geräteauswahl. Im Vergleich zu Apple (400.000 Apps) und Google (240.000) ist Nokias Mobilfunk-Shop Ovi mit rund 30.000 Apps weit abgeschlagen.

Zugegeben: Microsoft rangiert mit aktuell rund 7000 Handy-Programmen noch weiter dahinter. Aber Ballmer kann sich finanziell aus extrem tiefen Taschen bedienen, um das zu ändern. Allein im Ende Dezember abgelaufenen Quartal beliefen sich die Barreserven der Amerikaner auf mehr als 41 Milliarden Dollar. Und der Microsoft-Chef wird, nein muss mit Cash um sich werfen, um endlich substanziell im Mobilfunkmarkt voran zu kommen, schließlich ist das bereits seit langem prophezeite Ende des PC-Zeitalters inzwischen nicht nur mehr ein Schreckgespenst am Horizont: Wie die Marktforscher von IDC Anfang der Woche berichteten, wurden im vierten Quartal 2010 erstmals mehr Smartphones als Computer verkauft – 101 Millionen im Vergleich zu 92 Millionen.

Die kommenden Monate dürften jedenfalls sehr spannend werden – weil Elop und Ballmer jetzt beweisen müssen, wie sie die weit enteilten Marktführer im Mobilgeschäft Apple und Google wieder einholen wollen. Immerhin, verbal sind sie zumindest sicher, dass ihnen das gelingen wird. „Es gibt andere Ökosysteme“, schreiben sie heute in einem gemeinsam veröffentlichten Brief. „Wir werden sie zerschmettern.

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Kommentare | 11Alle Kommentare
  • 11.02.2011, 15:51 UhrJan

    Eine gute Entscheidung und ich freue mich schon auf die WP7 Smartphones mit geiler Kamera und langer Akkudauer.

  • 11.02.2011, 16:30 UhrMartin D.

    windows phone 7 soll nokia retten?
    dieses betriebssystem ist der reine flop:

    http://www.focus.de/digital/handy/handyvergleich/tid-20231/windows-phone-7-siebe n-fehler_aid_565551.htmlwindows phone 7 soll nokia retten? dieses betriebssystem ist der reine flop: http://www.focus.de/digital/handy/handyvergleich/tid-20231/windows-phone-7-siebe n-fehler_aid_565551.html

  • 11.02.2011, 17:18 UhrSeher

    wenn sich zwei blinde verbinden wird daraus noch kein Seher. Die Verbindung mit ballermann wird für Nokia den Untergang nur noch beschleunigen. Außerdem wird dieser Markt noch in 5 Jahren insgesamt wachsen also jeder kann mit seinem betriebssystem Geld verdienen. Warum soll jetzt alles wieder so werden wie im PC bereich. Alternativen sind gut und wichtig auch mit 5 % Marktanteil

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