Mobilfunk: Finanzkrise und Apple setzen Nokia zu

Mobilfunk: Finanzkrise und Apple setzen Nokia zu

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Nokia schließt Bochum

Umsatz und Gewinn des Handyherstellers Nokia sind massiv eingebrochen. Die Krise trifft den Branchenprimus weit stärker als erwartet. Die Finnen leiden auch unter dem Erfolg von Apple - die Kalifornier trotzen der Krise.

Handy-Weltmarktführer Nokia ist von dem massiven Konjunktureinbruch schwerer erwischt worden als erwartet. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Schlussquartal 2008 brach der Nokia-Gewinn auf 576 Millionen Euro ein, von 1,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel um 19,4 Prozent auf 12,66 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute in Helsinki mitteilte.

Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo kündigte ein umfassendes Sparprogramm an und verkündete für 2009 eine düstere Prognose: Man müsse für die Branche im laufenden Jahr einen Absatzrückgang von zehn Prozent erwarten. Noch vor wenigen Wochen hatte Nokia einen Rückgang von lediglich fünf Prozent prognostiziert.

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Der Handy-Absatz des erfolgsverwöhnten Branchenführers brach im vierten Quartal um 15 Prozent auf 113 Millionen Geräte ein. Nokias Weltmarktanteil schrumpfte auf 37 gegenüber 40 Prozent ein Jahr zuvor.

Heftige Einbrüche für Nokia in China

Nun senkt Nokia weiter die Kosten. Bis zum kommenden Jahr sollen 700 Millionen Euro eingespart werden. Einzelheiten nannte Kallasvuo nicht. Sein Unternehmen lag bei fast allen Schlüsselzahlen weit unter den Erwartungen. In der Vergangenheit hatte Nokia diese Erwartungen immer wieder mit überraschend hohen Zuwachsraten übertroffen.

Die Branche leidet unter einem Preiskampf. So sank der durchschnittliche Verkaufspreis von Nokia-Telefonen auf 71 Euro von 83 Euro vor einem Jahr.

Die Menschen hätten in der Wirtschaftskrise andere Prioritäten, als ein neues Handy zu kaufen, sagt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Vor allem in Europa seien außerdem die längeren Laufzeiten bei Handy-Verträgen ein Problem, die sie Kunden an ihr Gerät binden. Ein Rückgang der Subventionen von Mobilfunkunternehmen für neue Handys sei noch nicht zu beobachten.

Bislang konnte Nokia gegenüber den Konkurrenten vor allem durch seine starke Position in neuen Märkten punkten. Doch gerade dort waren die Einbrüche besonders heftig. So gingen die Verkaufszahlen der Telefone im Nahen Osten und Afrika um 23 Prozent zurück. In China sanken sie im Vergleich zum Vorjahresquartal sogar um 36 Prozent. Weltweit betrug der Rückgang 15 Prozent.

Apple trotzt der Krise

Dabei leidet Nokia nicht allein: Der Konkurrenz geht es kaum besser.

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Konkurrent Sony Ericsson eine bittere Bilanz des abgelaufenen Quartals gezogen und einen negativen Ausblick für den Gesamtmarkt gegeben. Motorola verkaufte vorläufigen Zahlen zufolge im vierten Quartal halb so viele Handys wie im Jahr zuvor. Die südkoreanische LG Electronics konnte hingegen im abgelaufenen Quartal 25,7 Millionen Handys absetzen und sieht sich besser für die Krise gewappnet als die Konkurrenz. 

Gegen den Trend entwickelt sich vor allem das Telefongeschäft bei Apple. Mit einem überraschend optimistischen Geschäftsausblick flößte der Unterhaltungskonzern den Anlegern Zuversicht ein, die sich zuletzt große Sorgen über die Gesundheitsprobleme von Konzernchef Steve Jobs gemacht hatten.

Im vergangenen Vierteljahr verdiente Apple nach Angaben vom Mittwoch netto 1,61 Milliarden Dollar. Das war zwar nur geringfügig mehr als vor einem Jahr, aber deutlich besser als von Analysten erwartet: Umgerechnet auf die Aktie belief sich der Überschuss auf 1,78 Dollar, Analysten hatten lediglich 1,40 Dollar erwartet. Der Umsatz legte um knapp sechs Prozent und lag damit erstmals über 10 Milliarden Dollar.

Der Konzern verkaufte im vergangenen Quartal 4,4 Millionen iPhones, die Rekordzahl von 22,7 Millionen iPods und 2,52 Millionen Macintosh-Computer.

Mit den 4,36 Millionen verkauften Handys, erzielte Apple ein Plus von 88 Prozent im Jahresvergleich. Allerdings konnte Apple nicht an die knapp 6,9 Millionen iPhones aus dem Quartal davor anschließen. Damals war der Absatz des Smartphones durch den Start des neuen, UMTS-tauglichen iPhone 3G beflügelt worden.

Im Kalenderjahr 2008 verkaufte Apple damit insgesamt rund 13,67 Millionen iPhones und übertraf damit deutlich das eigene Ziel von zehn Millionen. Zum Jahresende 2008 wurde das iPhone in 70 Ländern angeboten. Spekulationen über ein abgespecktes „iPhone nano“ erteilte der für das Tagesgeschäft zuständige Apple-Manager Tim Cook in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen eine Absage.

Nokia hofft auf sein Touchscreen-Telefon N 97

Nokia zeigt in dem Segment der Smartphones Schwächen und musste massiv Marktanteile an Konkurrenten wie BlackBerry von Research In Motion oder Apple mit seinem iPhone abgeben.

Der Gesamtmarkt der High-Tech-Telefone wuchs um 37,6 Prozent auf 161 Millionen Geräte - der Nokia-Absatz stagnierte dagegen bei 60,6 Millionen. Der Marktanteil schrumpfte dadurch auf knapp 38 Prozent. Vor einem Jahr hielt Nokia noch gut die Hälfte des Smartphone-Marktes.

Das soll sich mit dem N 97 ändern. Das erste Nokia-Smartphone mit berührungsempfindlichem Bildschirm und einer zusätzlichen ausklappbaren Tastatur soll Ende des ersten Quartals herauskommen.  

Die neue Strategie von Nokia-Chef Kallasvuo vor allem auf internetbasierte Dienste, wie Musik oder Karten zu setzen, zeigt noch wenig Früchte. So hatten die Finnen im vergangenen Jahr für 5,6 Milliarden Euro Navteq übernommen – einen der weltweit zwei dominierenden Hersteller von digitalen Karten, die für Navigationsgeräte und zunehmend auch in Mobiltelefonen eingesetzt werden. Im vierten Quartal steuerte Navteq gut 200 Millionen Euro zum Umsatz bei. Mit dem Bereich Services & Software erzielte Nokia einen Umsatz von 158 Millionen Euro.   

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