Mobilfunk: Versteigerung neuer Handy-Frequenzen droht zu floppen

Mobilfunk: Versteigerung neuer Handy-Frequenzen droht zu floppen

von Jürgen Berke

Die Bundesnetzagentur ruft zu ihrer zweiten großen Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen. Doch eine Wiederholung der 50-Milliarden-Euroauktion vor zehn Jahren ist ausgeschlossen. Behörde und Bieter streiten sich heftig. Die Veranstaltung droht zur Farce zu werden.

Christian Irmler gehört zu den zähen Burschen, die sich nicht so leicht abwimmeln lassen. Seit 2004 kämpft der Vorstand der Stuttgarter Telekommunikationsfirma Airdata darum, Funkfrequenzen weiternutzen zu dürfen, die er 2000 von der Bundesnetzagentur rechtmäßig erworben hatte. Damit können auch Besitzer von Laptops mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 20 Megabit pro Sekunde im Internet surfen. Ob einstweilige Verfügung oder Klagen vor dem Verwaltungsgericht Köln – Irmler tut alles, um sich das Geschäft nicht wegnehmen zu lassen. „Wenn man uns dazu zwingt“, droht er, „klagen wir bis zur letzten Instanz.“

Der Widerstand des kleinen Mittelständlers mit wenigen Millionen Euro Umsatz gilt der Bundesnetzagentur, die wieder einmal Großes vorhat. Heute ab 13 Uhr versteigert die Behörde in Mainz neue Frequenzen . Mit denen sollen per Funk die Lücken geschlossen werden, die es in der Versorgung deutscher Haushalte mit schnellem Internet noch gibt, vor allem in ländlichen Regionen. Weitere Frequenzen sind für die Beschleunigung der Handynetze reserviert. Die Mobilfunkkunden sollen auch unterwegs schneller im Internet surfen und ohne Zeitverzug kleine Programme für Handys, sogenannte Apps, herunterladen können. Es ist die zweite große Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen nach der Auktion im Sommer 2000. Damals zahlten die sechs Gewinner von UMTS-Frequenzen 50 Milliarden Euro in die Staatskasse.

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Sichere Mitbieter sind nur die etablierten Mobilfunker

Doch eine Wiederholung des Hypes vor zehn Jahren ist nicht zu erwarten. Zwischen Behörde und Bietern herrscht Streit. Nicht nur darüber, ob die Frequenzen von Airdata unter den Hammer kommen sollen. Das Unternehmen, das ein weiteres bundesweites Mobilfunknetz aufbauen will und angeblich Zusagen von Investoren über einen dreistelligen Millionenbetrag hat, weiß noch gar nicht, ob es überhaupt mitsteigern darf. Mehrfach vertagte die Bundesnetzagentur die für Ende Februar angekündigte Entscheidung, welche Bewerber eine Zulassung bekommen. Am Ende schien es zeitweise sogar so, als wolle der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, Airdata durchfallen lassen.

Mehr noch. Auch mit einer Teilnahme von Airdata droht die ganze Veranstaltung zur Farce zu werden. Denn sichere Bewerber sind bisher nur die etablierten Mobilfunker in Deutschland: T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2. Hinzu kommt ein Unbekannter, der sich bislang noch nicht aus der Deckung gewagt hat. Treten am Ende tatsächlich nur fünf Unternehmen an, sind preistreibende Bietergefechte, die dem Fiskus viele Milliarden Euro einbringen könnten, nahezu ausgeschlossen. Denn das zu vergebende Frequenzspektrum ist so groß, dass kein Bewerber dem anderen etwas wegkaufen muss. Das zur Versteigerung stehende Spektrum von 360 Megahertz reicht für alle aus, sich die erforderlichen Kapazitäten für die nächsten 15 Jahre zu sichern.

Wirtschaftskrise schlägt durch

Analysten erwarten, dass die Auktionsteilnehmer nicht die Fehler von vor zehn Jahren wiederholen. „Die Gebote werden nicht auf extraordinäre Höhen steigen“, prophezeit Mark Chapman, Analyst beim britischen Marktforscher Creditsights. Netzagentur-Chef Kurth rechnet damit, dass die Wirtschaftskrise voll auf die Gebote durchschlägt. „Die Stimmungslage hat sich verändert“, sagt Kurth. „Es ist deshalb durchaus möglich, dass die Auktion mit einem Ergebnis endet, das erheblich unterhalb der 2000er-Resultate liegt. Die ökonomische Rationalität bei den Bewerbern ist jedenfalls stark ausgeprägt“.

Erste Hochrechnungen der Ratingagentur Moody’s sehen das Limit bei höchstens fünf bis sechs Milliarden Euro. Das wären eine Milliarde Euro pro Bieter und lediglich zehn Prozent des Versteigerungserlöses von vor zehn Jahren. „Die Netzbetreiber werden vorsichtig agieren und keine Gebote abgeben, die höher als der tatsächliche Wert der Frequenzen sind“, sagt Moody’s-Analyst Carlos Winzer. Er geht davon aus, dass die Bewerber keine neuen Schulden anhäufen und ihre Kreditwürdigkeit nach der Auktion nicht herabgestuft werden muss.

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