Mobilfunk: Wie die Telekom mit der Billigmarke Congstar scheiterte

Mobilfunk: Wie die Telekom mit der Billigmarke Congstar scheiterte

von Jürgen Berke

Die Deutsche Telekom ist mit ihrem Discounter Congstar gescheitert. Die Billigmarke, die vor allem junge Kunden von der Konkurrenz zurückgewinnen soll, steckt tief in den roten Zahlen.

Es sollte ein Angebot an die vielen Telekom-Kritiker sein, die schon beim Anblick der Farbe Magenta einen Wutanfall bekommen. Ein schwarzer Anarcho-Stern als Firmenlogo, ein paar freche Werbesprüche und im Vergleich zu den klassischen Telekom-Tarifen günstige Flatrates und Minutentarife für Mobilfunk und Festnetz – so schob René Obermann im Sommer 2007 die Billigmarke Congstar in den Markt. „Wir nehmen den Kampf gegen die Anbieter im Discount-Segment des Telekommunikationsmarktes auf“, kündigte der Telekom-Chef damals vollmundig an und setzte hohe Ziele.

Drei Jahre bekamen die Congstar-Manager Zeit, um sich als erfolgreichster Discounter in Deutschland zu etablieren. Als grobe Vorgabe diente vor allem eine Zahl: Lohnen würde sich der Einsatz der Billigtochter (Slogan: „Einfach, günstig und kurze Vertragslaufzeiten“) dann, wenn der Umsatz im Geschäftsjahr 2010 erstmals über die magische Marke von einer Milliarde Euro klettert.

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Bald läuft die Frist ab – und Congstar hat die Milliarden-Vorgabe längst in der Schublade verschwinden lassen. Nach derzeitigen Prognosen wird der Umsatz 2010 bei gerade mal 132 Millionen Euro liegen – und damit weit hinter dem ursprünglichen Geschäftsplan aus dem Gründungsjahr zurückfallen. Das streng vertrauliche Zahlenwerk, das der WirtschaftsWoche vorliegt, präsentierte Congstar-Geschäftsführer Alexander Lautz dem Aufsichtsrat am 25. Mai.

Betriebswirtschaftliches Fiasko

Eigentlich hatte Congstar in diesem Geschäftsjahr Umsätze in Höhe von 176 Millionen Euro eingeplant. Doch auch diese Prognose ließ sich nach dem ersten Quartal nicht halten wegen „rückläufiger Bruttoabsätze seit Jahresanfang“, so die Aufsichtsrats-Präsentation. Soll heißen: Congstar verkauft mehr als 100 000 Verträge weniger und muss deshalb Umsätze in Höhe von 44 Millionen Euro aus der Planung für 2010 streichen.

„Wachstum im Kundenbestand gibt es im Wesentlichen bei Produkten mit geringem Umsatz“, räumte Congstar-Chef Lautz in seiner Präsentation für die Aufsichtsräte ein. Und das schlägt voll auf Umsatz und Gewinn durch (siehe Grafik). Wäre Congstar an der Börse notiert, hätte es spätestens im Mai eine Gewinnwarnung geben müssen.

Congstar wird für die Telekom zum betriebswirtschaftlichen Fiasko. Im vierten Jahr in Folge schreibt die Tochter tiefrote Zahlen. Die operativen Verluste summieren sich allein im aktuellen Geschäftsjahr auf schätzungsweise 38 Millionen Euro. „Seit seiner Gründung hat Congstar weit über 100 Millionen Euro verbrannt, ohne dass der Telekom-Vorstand einschreitet“, sagt ein Telekom-Manager, der ungenannt bleiben will. Angesichts der Sparrunden in anderen Konzernbereichen sei das ein „echter Skandal“.

Hoffnungen nicht erfüllt

Dabei hatte Obermann große Hoffnungen in Congstar gesetzt. Der Telekom-Chef, der selbst mal als Startup-Unternehmer anfing, wollte eine neue, kleine und vor allem äußerst flexible Mini-Telekom schaffen, die schneller als der Mutter-konzern auf Tarifsenkungen der Konkurrenz reagieren kann. Und die Billigtochter sollte gezielt Jugendliche und Junggebliebene ansprechen, die sonst zur Konkurrenz abwandern würden.

Die Voraussetzungen schienen ideal: Frei vom Ballast des trägen Konzernapparats zog ein jungdynamisches Managementteam nicht weit von den neuen Kranhäusern im Kölner Rheinauhafen ein Startup-Unternehmen hoch – und verzichtete auf alles, was Assoziationen zur Telekom weckt.

Denn das war allen Beteiligten klar: Nur als Tarnfirma, die auf das magentafarbene T verzichtet und gegenüber dem Kunden ihre wahre Herkunft verschleiert, kann Congstar eine neue Heimat für Telekom-Abtrünnige werden.

Auf den Durchbruch wartet der Vorstand bis heute. Mit 27 000 Internet-Anschlüssen (DSL), 194 000 Mobilfunkverträgen und 1,1 Millionen Guthabenkarten (prepaid) fristet die Billigtochter ein Nischendasein und betreut nicht mal zwei Prozent der weit über 70 Millionen Telekom-Kunden in Deutschland.

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