Mobilfunk: Zoff bei Vodafone

Mobilfunk: Zoff bei Vodafone

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Vodafone-Zentrale in Düsseldorf: Verlorene Marktanteile bis 2012 zurückgewinnen

von Jürgen Berke

Zoff beim Mobilfunk-Riesen Vodafone: D2-Chef Friedrich Joussen will durch Übernahmen wachsen, doch Konzernlenker Vittorio Colao bremst.

Es waren dramatische Tage. Mehrmals flog Friedrich Joussen, der Deutschland-Chef der britischen Mobilfunkgesellschaft Vodafone, nach München. Es galt, mit Adrian von Hammerstein, dem Chef von Kabel Deutschland, die letzten Details auszuhandeln. Dann hätte Vodafone den TV-Kabelnetzbetreiber für deutlich weniger als zwei Milliarden Euro übernommen und wäre – mit 34,6 Millionen Mobilfunkteilnehmern, 9 Millionen TV-Kunden und 4,7 Millionen Internet-Benutzern – zum Superkonkurrenten der Deutschen Telekom aufgestiegen.

Es wäre eine Traumhochzeit geworden. Doch dann, Mitte Februar, kam das „No“ aus der Vodafone-Zentrale in London. Konzernchef Vittorio Colao, der von seinem Büro am Bahnhof Paddington die Vodafone-Gesellschaften in 20 Ländern steuert, war die Milliardenübernahme zu riskant. Der gebürtige Italiener verweigerte im letzten Augenblick seine Zustimmung. Kabel Deutschland blieb nichts anderes übrig, als am 23. Februar den Gang an die Börse bekannt zu geben.

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Seitdem kommt der größte Mobilfunkkonzern Europas nicht zur Ruhe. Eine heftige Strategiedebatte über die Zukunft lässt den Konzern nicht mehr los: Sind die schnellen TV-Kabelnetze der Königsweg ins Festnetz? Oder können Kooperationen, etwa mit Exmonopolisten, den Glasfaserausbau beschleunigen? Zeitweise sah es so aus, als würde Deutschland-Chef Joussen frustriert aufgeben und an die Spitze eines anderen deutschen Konzerns wechseln. Doch damit ist offenbar erst einmal nicht mehr zu rechnen. „Ich hoffe, dass Fritz Joussen noch lange auf seinem Posten bleibt“, sagt Vodafone-Chef Colao. „Wenn er gehen würde, hätte ich ein Problem.“

Vodadofone-Geschäft in Deutschland "deutlich unterinvestiert"

Der Mann von der Apenninhalbinsel müht sich, aus der Strategiediskussion keinen Glaubenskrieg zu machen. „Wir sind offen für Zukäufe, gehen dabei aber sehr diszipliniert vor“, deutet Colao an. „Die Zeiten sind nicht so, dass die Aktionäre einer Akquisition zustimmen, ohne sicher zu sein, dass sie sich auszahlt.“ Die Episode zeigt, wie fragil der sonst so kraftstrotzende Vodafone-Konzern ist. Der Vorstand mit Colao an der Spitze zog in den vergangenen Jahren lieber Mittel aus Europa ab, um die Expansion in stärker wachsende Mobilfunkmärkte wie Indien und Afrika zu finanzieren. Das schöne Geld dafür kommt etwa aus Deutschland, das zuletzt knapp ein Drittel aller im Konzern verfügbaren Barmittel, den sogenannten Cash-Flow, beisteuerte. Früher lag die Quote bei 20 Prozent. Kein Wunder, dass die Teutonen von London fordern, mehr Geld in das Wachstum hierzulande zu stecken. „Das Geschäft in Deutschland ist deutlich unterinvestiert“, sagt ein Vodafone-Manager.

Colao fehlt ein Masterplan für Europa. Im Mobilfunk sind die Briten mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent die unumstrittene Nummer eins in Europa mit Tochtergesellschaften in großen Märkten wie Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien. Doch diese Position ist akut gefährdet, wenn Vodafone nicht eine ähnlich starke Position im Festnetzgeschäft aufbaut. Die Kunden verlangen immer öfter nach Komplettangeboten mit Handy und superschnellen Internet-Anschlüssen und nehmen in Zukunft auch noch Fernsehen dazu. Nur: Im Festnetzmarkt ist Vodafone derzeit nur ein Nischenspieler in Europa mit einem Marktanteil von gerade mal vier Prozent.

Vodafone will in Deutschland wieder wachsen

Zumindest in Deutschland zeichnet sich jetzt eine Kurskorrektur ab. Ein Teil der fast zwei Milliarden Euro, die Vodafone durch die abgeblasene Übernahme von Kabel Deutschland gespart hat, darf Deutschland-Statthalter Joussen in eine Vertriebs- und Serviceoffensive stecken. Bis zum 31. März 2012, so der gerade vorgelegte Zwei-Jahres-Plan mit dem ehrgeizigen Titel „Win“ (auf Deutsch: gewinnen), will Joussen den Negativtrend umkehren und stärker als die Konkurrenz wachsen. Bei einem Treffen mit den 500 wichtigsten Führungskräften traten Joussen und Colao vor die Mannschaft, um die drei wichtigsten Ziele abzustecken.

Erstens soll Vodafone in Deutschland wieder wachsen und Marktanteile zurückgewinnen. Zweitens soll der Service besser werden; das heißt, Kunden sollen von den Angeboten so begeistert sein, dass sie Vodafone bei Freunden und Bekannten weiterempfehlen. Drittens wird Vodafone auch in Deutschland einige Hundert Arbeitsplätze abbauen. Dadurch sollen die operativen Kosten auf die neue Zielmarke von 20 Prozent vom Umsatz sinken.

Über allem steht das Ziel, das Vodafone in Deutschland an alte erfolgreiche Zeiten anknüpfen soll. Noch 2005, als Joussen zum Deutschland-Chef aufstieg, lieferten sich die Telekom-Tochter T-Mobile und Vodafone ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei den Kundenzahlen sicherte sich meist T-Mobile einen hauchdünnen Vorsprung. Bei anderen wichtigeren Kennziffern wie Umsatz und Profitabilität hatte Joussens Vorgänger Jürgen von Kuczkowski oft die Nase vorn. Damals bevorzugten viel telefonierende Geschäftsleute D2, was bei Vodafone die Kassen klingeln ließ.

Seitdem fällt der Konzern von der Insel jedoch zurück. Der Vorsprung von T-Mobile ist auf 4,5 Millionen Kunden angewachsen. Vor allem Vieltelefonierer und Technikfreaks wechseln verstärkt zu dem Exmonopolisten, seitdem es das iPhone von Apple exklusiv in den Telekom-Shops gibt. 1,5 Millionen Geräte konnte T-Mobile bis jetzt in Deutschland verkaufen – zum Leidwesen von Joussen. „Vodafone hat das iPhone unterschätzt“, sagt ein D2-Manager.

Im Festnetzgeschäft droht es Vodafone mittelfristig sogar, den Status als größter Telekom-Konkurrent zu verlieren. Die drei großen TV-Kabelnetzgesellschaften Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel Baden-Württemberg konnten in den vergangenen drei Jahren 1,9 Millionen Neuverträge abschließen und mit Vodafone gleichziehen. Und Großstädte wie Köln, München und Hamburg sind fest in der Hand von Regionalanbietern wie Netcologne, M-Net und die von O2 übernommene Hansenet. Mit Kabel Deutschland hätte Joussen schnell wieder Anschluss an die Spitze gefunden. Doch der Weg ist jetzt verbaut.

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