Mode: Die erfolgreiche Masche von Marc O´Polo

Mode: Die erfolgreiche Masche von Marc O´Polo

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Marc O´Polo

von Peter Steinkirchner

Mit viel Eigensinn hat sich Marc O’Polo zu einem der erfolgreichsten deutschen Modeunternehmen entwickelt. Nun wollen die Bayern aus eigener Kraft weiter expandieren.

Größer könnte der Gegensatz kaum sein: Draußen drückt schwüle Frühsommerhitze, im Innern des bootförmigen Pavillons sieht alles nach tiefstem Winter aus. Dunkelgraue Wolljacken und kuschelige Schals, dicke Mützen und Norwegerpullis wärmen ein Dutzend Schaufensterpuppen.

Die Modemarke Marc O’Polo ist ihrer Zeit wieder einmal locker sechs Monate voraus. Doch anders als der abgewandelte Name des venezianischen Entdeckers oder die Flagge im Firmenlogo suggeriert, wartet die neue Winterkollektion weder in Italien noch in Schweden auf Bestellungen. Die Entwürfe für Mützen und Wollpullis entstehen und lagern im modischen Niemandsland, in der 10.000-Einwohner-Gemeinde Stephanskirchen im tiefsten, krachledernen Oberbayern, 70 Kilometer südöstlich von München – „35 Minuten sind es von dort mit dem Zug hierher“, sagt Werner Böck, der Herr des Hauses.

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Böck ist Mister Marc O’Polo. Von der Provinz aus hat der heute 68-Jährige mit Blusen und Karohemden, Jeans und Kleidern Deutschland erobert und will nun im gleichen Stil im In- wie im Ausland weiter wachsen. Von Stephanskirchen nach Paris, Moskau und womöglich auch nach Peking – Böck ist auf Expansion eingestellt. Der Mann, der sich als erster Dressman der Marke stets vom Scheitel bis zur Sohle in Marc O’Polo hüllt, übernahm 1997 die Mehrheit an der einst schwedischen Firma und siedelte sie von Stockholm in den Freistaat um. Seitdem hat er den Umsatz des nicht börsennotierten Unternehmens mehr als verdreifacht: Nach vorläufigen Zahlen setzte Marc O’Polo zusammen mit dem jüngeren Ableger, der Marke Campus, im Ende Mai abgelaufenen Geschäftsjahr gut 360 Millionen Euro um: „Wir sind sehr schön gewachsen“, sagt Böck der WirtschaftsWoche, „das ist mehr, als wir ursprünglich erwartet haben.“

Mit einem Umsatzplus von mehr als neun Prozent und einer Umsatzrendite vor Steuern, die mehr als zehn Prozent erreicht haben dürfte, setzen sich die Bayern von der Textilbranche ab. Die wuchs 2010 in Deutschland beim Umsatz um drei Prozent. Bis 2020 hat sich Böck nun gar ein Plus von mehr als 40 Prozent vorgenommen: „Dann wollen wir 500 Millionen Euro umsetzen.“

Zwischen öko und edel

Erreichen will Böck das vor allem mit mehr und größeren Verkaufsstellen in Deutschland und verstärkter Orientierung in Richtung Ausland – besonders nach Frankreich. Dort gibt es Marc O’Polo bisher nur in Paris im Prunkkaufhaus Galeries Lafayette. Deshalb fließen 2011 mehrere Millionen Euro in Shops und Personal, das meiste davon nach Frankreich, aber auch nach Polen und Benelux; in Amsterdam sucht Böck gerade einen Flaggschiffladen. Gleichzeitig will er die Kunden künftig direkter ansprechen, indem er von Juli an ein eigenes Gratismagazin herausgibt. Im Gespräch ist sogar eine weitere Modelinie, die teurer daherkommt als die beiden bisherigen und in eigenen Läden verkauft werden könnte. Intern diskutiert Böck mit seinen Mitarbeitern seit einiger Zeit einen solchen Schritt.

Im oft lauten deutschen Modegewerbe, in dem Designer wie Wolfgang Joop und der Berliner Vorzeige-Kreative Michael Michalsky das Bild prägen, fällt Böck aus dem Rahmen: Den Chef von Marc O’Polo drängt es kaum in die Öffentlichkeit, er ist weder Lautsprecher noch Ankündigungsweltmeister. Das passte noch nie zu der 1967 in Schweden gegründeten Marke, die sich weder rebellisch noch verwegen präsentierte und auch keine Film- oder Musikstars einkleidet, die schlagzeilenträchtig in ihren Klamotten um die Häuser ziehen. „Lady Gaga würde definitiv nicht zu uns passen“, sagt Böck nüchtern.

Stattdessen setzt der Textilbetriebswirt auf solide Produkte, die nicht übertrieben modisch, aber hochwertig sind. „In den Achtzigerjahren war das Marc O’Polo-Sweatshirt ein Must-Have, seitdem haben sie kontinuierlich an der Marke gearbeitet, waren immer präsent und erfolgreich“, sagt Karl-Heinz Müller, Gründer und Chef der Berliner Modemesse Bread&Butter.

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