Mode: Einkaufen bei Facebook

Mode: Einkaufen bei Facebook

Der angesagte Londoner Online-Bekleidungsshop Asos hat als erster europäischer Modeeinzelhändler bei Facebook eine elektronische Filiale eingerichtet und geht damit einen Schritt weiter als Wettbewerber. Die Engländer sind damit Vorreiter auf dem Gebiet des Mobile Shoppings - in Zukunft ein Milliardenmarkt.

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Facebook-App für das Apple iPhone

Wenn Sarah Townsend künftig ihre 507 Facebook-Freunde besucht, kann sie gleich bei Asos vorbeisehen. Und beispielsweise diesen Schlabberpullover für 35 Pfund (42 Euro) mitnehmen, den sie schon eine Weile im Auge hatte. Der angesagte Londoner Online-Bekleidungsshop hat als erster europäischer Modeeinzelhändler bei Facebook eine elektronische Filiale eingerichtet und geht damit einen Schritt weiter als Wettbewerber wie Gap und die Inditex-Marke Zara. Die nutzen die Netzwerk-Seite derzeit hauptsächlich noch, um Kontakt zu Fans zu halten. Die Besucher des Asos-Shops auf Facebook können bei ihrem Einkauf dagegen, ohne die Seite zu verlassen, aus dem gesamten Sortiment von 150.000 Produkten wählen. Zudem lassen sich Fotos von Artikeln auf die eigene Pinnwand stellen, damit Freunde Kommentare zu Kaufvorhaben abgeben können.

Asos steht für "as seen on screen", wie auf dem Bildschirm, denn das Unternehmen betreibt keine Ladengeschäfte, und die Nummer zwei unter den britischen Internet-Einzelhändlern hat den Umsatz in den neun Monaten bis 31. Dezember um 54 Prozent auf 371 Millionen Dollar gesteigert. Analysten schätzen, dass der Vorsteuergewinn dieses Jahr 44,5 Millionen Dollar erreichen wird. "Asos spielt eine Vorreiterrolle", sagt Andrew Wade, Analyst für den Einzelhandel bei Numis Securities in London. Er empfiehlt Kunden die Asos-Aktie zum Kauf.

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"Mobile shopper" im Visier

Asos und andere Einzelhändler haben es auf Kunden abgesehen, die von Werbern "Mopper" genannt werden – eine Abkürzung aus "mobile shopper". Mopper sehen sich schon heute per Mobilgerät in Online-Geschäften um, nutzen Preissuchmaschinen und holen von Freunden Empfehlungen ein. Dann über das Android-Telefon oder das Apple-iPad auch zu kaufen, ist nur der logische nächste Schritt. Die Marktforschungsunternehmen Verdict Research und Ovum prognostizieren, dass sich der mobile Umsatz allein in Großbritannien bis 2013 auf 440 Millionen Dollar mehr als verdoppeln wird.

Nach Angaben von Facebook nutzen rund 200 Millionen der 500 Millionen Mitglieder weltweit die Seite auch über Mobilgeräte, und diese Nutzer sind doppelt so aktiv wie diejenigen, die sich vom Computer auf der Arbeit oder zu Hause einloggen. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Palo Alto bemüht sich derzeit in den USA verstärkt darum, Firmen für Online-Shops auf seinen Seiten zu gewinnen. Zu denen, die bereits ein Facebook-Geschäft eröffnet haben, zählen der Bekleidungsanbieter J.C. Penney und die Fluggesellschaft Delta Air Lines. Mike Fauscette, Analyst beim Beratungsunternehmen IDC in Framingahm, Massachusetts, hält es für wahrscheinlich, dass innerhalb von drei bis fünf Jahren zehn bis 15 Prozent der gesamten Verbraucherausgaben in Industrieländern über Online-Netzwerke wie Facebook laufen. "Hier lässt sich von allen Beteiligten Geld verdienen", sagt er.

Bei Asos – das auch eine deutsche, französische und amerikanische Seite betreibt – entfielen im Dezember nur 1,5 Millionen Dollar auf das Geschäft über Mobilgeräte, rund drei Prozent des Umsatzes. Das Unternehmen geht jedoch davon aus, dass dieser Anteil mit der Eröffnung des Facebook-Shops langsam zu steigen beginnt. "Unsere [Kunden] sind den ganzen Tag auf Facebook, jeden Tag", sagt Vorstandschef Nick Robertson. Insgesamt rund 465.000-mal ist sein Unternehmen auf Facebook mit "Gefällt mir" bewertet. Vorerst lässt sich der Asos-Shop auf der Netzwerkseite nur per Computer oder iPad besuchen, aber eine App, über die auch Smartphone-Nutzer auf der Seite einkaufen können, ist schon in Arbeit.

Shopping-Apps auf dem Vormarsch

Ebay, der Betreiber des weltgrößten Internet-Marktplatzes, geht davon aus, dass sich der Umsatz über Mobilgeräte dieses Jahr auf weltweit vier Milliarden Dollar verdoppeln wird. Dabei sei Mode die größte Wachstumsrubrik und Großbritannien der am raschesten wachsende Markt in Europa, sagt Patrick Munden, Leiter des Bereichs Seller Communications bei Ebay Großbritannien. Auch bei britischen Lebensmittelhändlern legt das mobile Geschäft zu. Beim Online-Supermarkt Ocado gingen in der ersten Jahreshälfte 2010 nach eigenen Angaben rund sechs Prozent der Bestellungen via Smartphone-App "Ocado on the Go" ein. Tesco, der größte britische Einzelhändler, hat seine App im Oktober um eine Funktion erweitert. Künftig können Kunden Produkte in ihren virtuellen Einkaufswagen legen, indem sie einfach den Strichcode eines Artikels fotografieren. Schmeckt Ihnen im Restaurant eine Flasche Chianti? Einfach das Etikett ablichten und Tesco sorgt für den Rest!

Fazit: Der britische Bekleidungseinzelhändler Asos hat eine Facebook-Filiale eröffnet und wird bald auch den Einkauf per Smartphone-App anbieten. So will das Unternehmen den Umsatz über Mobilgeräte steigern.

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