Mode: Ex-Hugo-Boss-Chef soll Escada wiederbeleben

Mode: Ex-Hugo-Boss-Chef soll Escada wiederbeleben

Bild vergrößern

Bruno Sälzer

Die Vorstandschefs wechseln beim größten deutschen Damenmodekonzern Escada fast so schnell wie Kollektionen. Zum dritten Mal innerhalb von zweieinhalb Jahren bekommt der Luxusmodehersteller aus Aschheim bei München kommende Woche einen neuen Chef.

Bruno Sälzer, der langjährige Chef von Hugo Boss soll Escada nach einem deutlichen Umsatzrückgang endlich wieder zu altem Glanz zurückführen und den russischen Großaktionär Rustam Aksenenko beruhigen, der seit Jahren ungeduldig auf Erfolge wartet.

Gelingt auch Sälzer die Kehrtwende nicht, sieht es für den letzten großen Damenluxusmodehersteller auf den Laufstegen der Welt düster aus. „Dann geht das Unternehmen vor die Hunde“, meint ein Branchenkenner.

Anzeige

Als finanzstarken Partner für die erhoffte Wende hat Escada nun die Tchibo-Eigner Wolfgang und Michael Herz an Bord, die neben Aksenenko künftig als Großaktionäre ein wichtiges Wort mitreden dürften. Auch sie setzen ihre ganze Hoffnung auf Sälzer, den sie als Aufsichtsratsmitglied ihrer Holding maxingvest schon lange kennen und schätzen.

Er muss es schaffen, dass Escada wieder Mode macht, die den Kundinnen gefällt. Das war seinen Vorgängern Frank Rheinboldt und Jean-Marc Loubier nicht gelungen: Einstigen Escada-Stammkundinnen waren die Kollektionen zu bunt, manche ärgerten sich, dass sie wegen neuer Schnitte plötzlich Größe 40 statt 38 tragen mussten.

Groß in "Sex and The City", erfolglos im Laden

Schrille Entwürfe gefielen zwar Carrie Bradshaw und ihren New Yorker Freundinnen im Kinofilm „Sex and The City“, wo der Escada-Shop groß im Bild ist. Im wirklichen Leben aber ließen die Kundinnen die Kleider in den Läden. Mit derartigen Problemen kennt sich Sälzer aus.

Auch bei Boss lief die Damenkollektion nach der Einführung im Jahr 2000 nur schleppend und verlustreich an. Sälzer holte die Produktion aus Mailand zurück ins schwäbische Metzingen, senkte die Preise und strich Stellen. Wenige Jahre später schrieb „Boss Woman“ schwarze Zahlen und wurde zur neuen Vorzeige-Marke des Modekonzerns.

Dass er als Mann Mode für Frauen macht, war aus seiner Sicht nie das Problem. „Wenn man sich die großen Weltmarken im Damenbereich anschaut - seltsamerweise machen das alles Männer“, sagte er, nachdem Boss-Aktionäre eine Frau als Managerin für die Damenkollektion gefordert hatten.

Was genau die Kundinnen wollen, ist heute allerdings viel schwerer zu erkennen als in den goldenen Escada-Zeiten der 70-er und 80-er Jahre. Die alten Regeln der Modeindustrie gelten heute nicht mehr.

„Heute kleiden sich 40-Jährige wie 20-Jährige und manche 20-Jährige auch wie 40-Jährige“, sagt Peter Littmann, Chef des Brillenherstellers Rodenstock und früher selbst Boss-Vorstandschef über den neuen Modemix. Die eigene Zielgruppe und deren Geschmack zu erkennen, wird dadurch für die Hersteller zur großen Kunst. Am Geld der Kundinnen mangelt es zumindest nicht.

Der Markt für Luxusmode boomt auf der ganzen Welt und beschert anderen Herstellern sprudelnde Gewinne. Als der russische Aktionär Aksenenko 2003 bei Escada einstieg, war auch er sich sicher, dass sich sein Geld mit Escada schnell vermehren würde. Stattdessen musste er zusehen, wie der Aktienkurs einbrach und seine 26-prozentige Beteiligung an Wert verlor.

Ein Ausstieg kam deshalb für ihn nicht in Frage, stattdessen nervte er das Management mit seiner öffentlichen Kritik an der Entwicklung des Unternehmens. Nun hofft er nach Angaben seines Sprechers, dass endlich Ruhe eingekehrt - und will offenbar auch selbst seinen Teil dazu beitragen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%