Mode: Hugo Boss ist bereit zum Melken

Mode: Hugo Boss ist bereit zum Melken

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Models des Labels "Hugo"

Wie Permira beim florierenden Modekonzern Hugo Boss für Unruhe sorgt – und sich mit einer Sonderdividende bedient.

Das Unternehmen gilt als Perle: Steigende Umsätze und Gewinne, dazu eine stabile Eigenkapitalquote – bislang um die 50 Prozent. Neun von zehn Deutschen kennen Hugo Boss, eine der wenigen deutschen Modemarken, die auch in Paris und Mailand, in London und New York bekannt sind. Und sie hat noch Potenzial, in Asien steht sie erst am Anfang. So musste Boss früher oder später auf dem Radar von Private-Equity-Firmen erscheinen.

Im vergangenen Jahr war es soweit. Permira kaufte dem italienischen Textilclan Marzotto mehr als 80 Prozent des Kapitals der Boss-Mutter Valentino Fashion Group ab. Für 3,4 Milliarden Euro, eine Milliarde Euro davon aus Permira-Fonds.

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Ein Geschäft voller ungewöhnlicher Details: Etwa, dass sich nach Informationen der WirtschaftsWoche die alten Mehrheitseigner – zusammen mit institutionellen Anlegern – mit rund 500 Millionen Euro am Kauf beteiligten; der weitaus größte Teil davon sei, so heißt es in Aufsichtsratskreisen, von den Marzottos gekommen. Sie stiegen demnach bei ihrer eigenen Firma wieder ein. Mit im Boot sitzen auch UniCredit, Citibank und Mediobanca. Fast 100 Millionen Euro kostete allein der Transfer.

Jetzt, knapp ein Jahr nach dem Einstieg in das Weltunternehmen aus dem schwäbischen Metzingen, will der neue Eigentümer nach bester Heuschreckenmanier dem Unternehmen 450 Millionen Euro an Dividenden entziehen – fast dreimal so viel wie das Konzernergebnis. Rund 300 Millionen Euro bleiben bei Permira, der Rest geht an die anderen Anleger. 250 Millionen Euro verwendet Permira für die Tilgung von Krediten, die der Boss-Mutter Valentino mit dem Kauf aufgebürdet wurden.

Die Eigenkapitalquote des Unternehmens Boss sinkt dadurch von 52 auf 20 Prozent. Die Arbeitnehmervertreter stimmten im Aufsichtsrat dagegen. Chefkontrolleur Guiseppe Vita musste deshalb seine Doppelstimme ausspielen. Einige Tage später kündigte er seinen Rückzug an.

Auch Bruno Sälzer nahm vor wenigen Wochen den Hut, ebenso Produktions-Vorstand Werner Lackas. Vor allem Sälzer trauern die Bossianer nach. „So einen kriegen wir nie mehr wieder“, sagt Betriebsratschef Antonio Simina. Die beiden spielten zusammen Fußball und joggten gemeinsam, sie hatten in den vergangenen Jahren gezeigt, wie Arbeit und Kapital bei Boss an einem Strang zogen. „Es ging manchmal hart zur Sache, aber dann sind wir nachher eine Runde gelaufen und konnten wieder miteinander“, erinnert sich der italo-schwäbische Betriebsratsboss. Bei allen Gegensätzen im Detail hätten beide immer das Wohl des Unternehmens vor Augen gehabt.

Jetzt befürchten die Arbeitnehmer, dass die aktuelle Melkaktion nur der Anfang ist und wollten deshalb eine schriftliche Zusage für die kommenden Jahre, dass weitere Griffe in die Kasse unterbleiben. Die aber wollten Permira-Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser und Permiras Statthalter im Boss-Aufsichtsrat, Martin Weckwerth, nicht geben.

Sälzer brachte die Damenmode in die Gewinnzone, verdreifachte die Zahl der Boss-Läden. Das margenstarke Geschäft mit Schuhen, Brillen verdoppelte er binnen drei Jahren auf 176 Millionen Euro Umsatz. Während seiner Ägide legte der Aktienkurs um 400 Prozent zu; der Konzernüberschuss stieg fast um das Doppelte.

Dennoch sehen Kenner des Modegeschäftes noch Luft nach oben. „Sowohl beim Ausbau der eigenen Läden wie bei den Asseccoires ist noch weiteres Potenzial da, auch beim Asiengeschäft und bei der Qualität kann man noch zulegen“, sagt ein Unternehmensberater. Verglichen mit internationalen Modekonzernen, die 15 bis 20 Prozent Marge (vor Zinsen und Steuern) erzielen, liegt Boss mit 13,5 Prozent zurück.

Um das zu ändern, sagt Manager Weckwerth, wolle und müsse Permira noch vier bis fünf Jahre im Unternehmen bleiben. „Umso besser“, sagt ein Arbeitnehmervertreter, „aber wenn wir den Eindruck bekommen, dass hier nach der Ex-und-hopp-Methode verfahren werden soll, werden wir alles tun, um Boss zu retten.“

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