Mode: Kleider aus Hefe

Suzanne Lee ist der Kopf hinter BioCouture. Statt normale Stoffe zu verwenden, lässt die Modedesignerin umweltfreundliche Bekleidungsmaterialien von Bakterien und Hefe produzieren.

Wie sind Sie von der Couture zur Kultur gekommen?

Suzanne Lee: Ich habe in einer Kunstgalerie einen Biologen getroffen, und er hat mich davon überzeugt, dass sich aus Mikroorganismen Kleidung züchten lässt. Es war das Verrückteste, was ich je gehört hatte. Aber ich bin ein ziemlicher Science-Fiction-Fan, und ich dachte: Klingt nach einer interessanten Aufgabe. Er erklärte mir, wie Mikroben bei einem Fermentationsprozess Zellulose herstellen. Da ich ausgebildete Modedesignerin bin, lag es nahe, das Material für Bekleidung zu verwenden. Das Ganze hat vor ein paar Jahren als Spaß angefangen, aber als Nachhaltigkeit weltweit zu einem immer größeren Thema wurde, begriff ich, dass mein Verfahren einige dringende Probleme lösen könnte.

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Was war das erste Kleidungsstück aus ihrer Zucht?

Lee: Nun, das erste Teil war 2004 ein Hemd.

Haben Sie viele Rezepte ausprobiert, bis es mit dem Wachstum des Materials klappte?

Lee: Eigentlich nicht, das Rezept beruht auf dem für Kombucha, ein Gesundheitsgetränk, das seit Jahrtausenden gebraut wird. Die Zellulose ist genau genommen ein Nebenprodukt, das Bakterien beim Vergären einer Nährlösung erzeugen. Wir haben am Rezept etwas herumprobiert, ebenso an den idealen Wachstumsbedingungen, der Weiterverarbeitung zu Kleidungstücken und danach der Färbung oder dem Bedrucken.

Könnten auch andere Textilien – etwa für Autositze – durch das Material ersetzt werden, das mit Ihrem Verfahren hergestellt wird?

Lee: Theoretisch ja. Natürlich hängen die Materialanforderungen von der Anwendungen ab, so dass eine besondere Herstellung oder Ausrüstung nötig sein dürfte – aber im Grunde ja.

Verwenden Sie für verschiedene Stoffe unterschiedliche Rezepte?

Lee: Ich kann die Qualität des Materials zu einem gewissen Maß beeinflussen, indem ich das Rezept ändere. Für eine grundlegende Abwandlung ist jedoch mehr Forschung nötig, weil die Bakterien an sich verändert werden müssten. Mehr als andere Stoffe interessiert mich eine breitere Anwendung des Materials, für Verbraucher, Innenausstattung, Autobau und Architektur.

Lassen sich die Stoffe in verschiedenen Farben herstellen?

Lee: Ja, man kann sie in einer Lösung mit Farbpigmenten wachsen lassen oder leicht im Nachhinein färben. Anders als Baumwolle nehmen sie Farbe leicht auf, so dass man nur ganz geringe Mengen braucht, eine weitere umweltfreundliche Eigenschaft.

Wie fühlt sich das fertige Material an?

Lee: Wie pflanzlich gegerbtes Leder, ganz glatt und wie Haut.

Wie groß sind die Wannen, die Sie verwenden, und wie viele setzen sie gleichzeitig an? Und hängt es von der Größe der Bottiche ab, wie viel produziert wird?

Lee: Ich stelle kleine Mengen her, in stationären Kulturen. Dabei entstehen stabile Lagen Material, genauso groß wie die Oberfläche des Wachstumsbads. Die Dicke hängt von der Wachstumszeit ab und von der ausreichenden Nährstoffversorgung. Weil ich nur einzelne Prototypen oder Ausstellungsstücke mache, die ich selbst handhaben muss, misst das Bad rund 1,2 mal 0,6 Meter.

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