Mode-Unternehmer Bogner: "Olympia-Bewerbung von München ist Riesenchance"

InterviewMode-Unternehmer Bogner: "Olympia-Bewerbung von München ist Riesenchance"

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Willy Bogner

von Peter Steinkirchner

Mode-Unternehmer Willy Bogner über Gewinne trotz Krise, den Konkurrenzkampf mit Ralph Lauren und darüber, wie er die Olympischen Spiele 2018 nach München holen will.

Herr Bogner, was ist das für ein Gefühl, mit gut 100 Sachen und einer kiloschweren Filmkamera vor dem Bauch auf Skiern eine Bobbahn hinunterzurasen?

Ach, Sie haben den James-Bond-Film „In tödlicher Mission“ gesehen, für den ich das gemacht habe – ich weiß, das klingt tollkühn, aber für einen guten Skifahrer ist das kein Problem. In der Bobbahn fährt man wie auf Schienen, die Kurven sind überhöht, da fliegt man nur raus, wenn man einen groben Fehler macht.

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Heizen Sie manchmal noch nachts im Traum durch den Eiskanal?

Ja, besonders die Situationen, bei denen ich durch einen Draht verbunden hinter dem vorausrasenden Bob hing, das spüre ich heute noch, da kenne ich jede Kurve. Ich war froh, eine Eishockeyausrüstung zu tragen; die Polster waren nötig.

Polster werden Sie zuletzt als Unternehmer auch gebraucht haben – viele Premium- und Luxushersteller haben 2009 schlechte Geschäfte gemacht.

Nein, wir brauchten keine Polster: Für uns ist 2009 nicht schlecht gelaufen. Wir sind sehr nahe herangekommen an den Umsatz von knapp 181 Millionen Euro, den wir mitsamt Lizenzumsätzen 2008 gemacht haben.

Sie führen eine sehr bekannte Marke – reicht Ihnen das?

Sie haben insofern recht, als die Marke Bogner in Deutschland eine Bekanntheit von 80 Prozent erreicht. Da könnte man einen höheren Umsatz erwarten. Daran arbeiten wir auch, indem wir neue Geschäftsfelder aufmachen, etwa Bogner Travel. Allerdings melden wir ausschließlich die Großhandelsumsätze, die wir mit unseren Handelspartnern erwirtschaften. Dadurch sehen wir nach außen stets um die Hälfte kleiner aus, als wir wirklich sind. Tatsächlich geben unsere Kunden im Jahr fast eine halbe Milliarde Euro für Bogner-Produkte aus. Außerdem erreichen wir eine Umsatzrendite im niedrigen zweistelligen Bereich und sind damit in unserer Branche weit vorn.

Kamen Sie ganz um Einbrüche herum?

Nein, wir haben 2009 etwa 30 Prozent an Umsatz in Russland verloren, unter anderem bedingt durch Währungseffekte. Das hat uns natürlich wehgetan, weil wir dort in den Jahren zuvor sehr hohe Zuwächse verzeichnen konnten. Wir spüren aber schon jetzt, dass es wieder vorangeht. In Deutschland haben wir mit einem Plus abgeschlossen.

Die deutsche Olympiamannschaft wird am 12. Februar in Vancouver komplett in Ihren Produkten einlaufen – Bogner kleidet das Team seit 1936 ein. Was bringt das?

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele ist die größte Fernsehsendung und zugleich die größte Modenschau der Welt. Da schaut die Hälfte der Weltbevölkerung zu, mehr als beim Finale der Fußball-WM. Es gibt kein Ereignis, mit dem Sie mehr Menschen erreichen.

Was kostet Bogner die Ausstattung des 300 Personen starken Olympiatrosses?

Wenn Sie alle Teile kaufen wollten, müssten Sie drei Millionen Euro dafür bezahlen, also für uns ein echtes Investment.

Und das rechnet sich für Sie?

Ich bin zwar ein Modemann, aber auch Kaufmann – bei uns muss sich alles rechnen. Und das tut es, denn mithilfe von Olympia gelingt es uns seit mehr als 70 Jahren, unsere Marke immer wieder neu mit den Themen Sportlichkeit und Eleganz aufzuladen. Wir docken stets aufs Neue an die Welt der Jungen und Aktiven an. Gleichzeitig verkaufen wir nach Turin 2006 zum zweiten Mal eine entschärfte Version der Teamkleidung, nur ohne Hoheitsabzeichen wie Bundesadler und olympische Ringe.

Helfen die Spiele Ihrer Marke im Konkurrenzkampf mit großen US-Wettbewerbern wie Ralph Lauren?

Ja, wir sind in den USA speziell mit Skibekleidung erfolgreich, haben in New York einen neuen Shop eröffnet und verkaufen sehr gut in den Top-Skiorten wie Vail und Aspen. Aber insgesamt ist es für einen Nischenanbieter wie uns schwer, mit einem Riesen wie Ralph Lauren zu konkurrieren – in den USA müssen Sie sich etwa bei den großen Kaufhausketten Verkaufsfläche regelrecht kaufen. Hinzu kommt, dass US-Konzerne von vornherein damit kalkulieren, viel Ware reduziert im Outlet zu verkaufen. Das machen wir nicht mit, weil wir unserer Marke nicht schaden wollen.

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