Modekonzern: Investor Permira muss Hugo Boss herausputzen

Modekonzern: Investor Permira muss Hugo Boss herausputzen

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Boss-Label Orange: Mit seiner jungen Freizeitlinie will der Edelschneider zukünftig schneller auf Trends reagieren

von Cornelius Welp und Peter Steinkirchner

Am liebsten würde Großaktionär Permira den Modekonzern Hugo Boss für viel Geld wieder loswerden. Doch in der Krise gibt es keinen Käufer. Der Finanzinvestor greift nun tief in die eigene Tasche, um einen 800-Millionen-Euro-Kredit zurückzukaufen.

Wenn sie es könnte, würde sie vermutlich sogar eine Raumstation bauen für Hugo Boss. Fran Migliorino probiert derzeit alles, um den deutschen Modekonzern im amerikanischen Städtchen Brooklyn in der Nähe des Eriesees zu halten: Sie will, dass die jährlich bis zu 150.000 Anzüge, die in der von Schließung bedrohten Fabrik gefertigt und USA-weit verkauft werden, nicht länger in teuren Trucks abgeholt werden. Also spricht sie mit der örtlichen Eisenbahn-Entwicklungsgesellschaft, ob die einen Abzweig von der nahen Bahnstrecke zum Werk legen könne. Sie verhandelt um Preisnachlässe bei Strom und Gas, bearbeitet Behörden, um aus dem Werksgelände eine Freihandelszone zu machen, was Gebühren und Steuern sparen würde, ja, sie bemüht sich sogar um günstige Kredite. Migliorino ist in Brooklyn im US-Bundesstaat Ohio für Wirtschaftsförderung zuständig. Sie weiß um ihre kleine Rolle im Kampf um die 350 Jobs in der Boss-Fabrik. Denn über das Schicksal ihrer Landsleute wird im fernen Metzingen entschieden, dem Hauptsitz von Hugo Boss.

Den Modemachern aus Schwaben geht es dabei nicht viel anders als den amerikanischen Anzugnähern. Auch sie sind Gegenstand ferner Verhandlungen, auch über sie wird anderenorts entschieden – in London, New York und Mailand. Denn nach Informationen der WirtschaftsWoche aus Finanzkreisen wird Großaktionär Permira dem deutschen Edelschneider finanziell kräftig unter die Arme greifen, indem er tief in die eigene Tasche langt und Boss damit entlastet.

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Wie Brancheninsider berichten, steht der britische Finanzinvestor nach monatelangen Verhandlungen vor einer Einigung mit einer der drei Banken, die Permira vor zwei Jahren den Einstieg bei der Boss-Konzernmutter Valentino mitfinanziert haben. Permira wird offenbar mit einem hohen Abschlag der New Yorker Citigroup einen rund 800 Millionen Euro schweren Kredit abkaufen. Dieses Darlehen ist ein großer Teil jenes 2,2-Milliarden-Euro-Kredits, mit dem Valentino in der Kreide steht. Die Transaktion schlägt direkt auf Boss durch, weil das Unternehmen auf diese Weise praktisch von der Last befreit wird, Schulden in dieser Größenordnung zu bedienen. Dadurch erhält Boss die erforderlichen Mittel, um zu wachsen.

Veränderungen bei der Mutter-Holding Valentino

Das Geld wird Permira aus einem seiner Fonds abzweigen, die die Private-Equity-Firma für ihre Anleger zwecks Beteiligung an Unternehmen verwaltet. Der Deal, über den bei Redaktionsschluss noch verhandelt wurde, könnte schon in den nächsten Tagen abgeschlossen werden, heißt es im Umfeld der betroffenen Bank. Gleichzeitig soll es Veränderungen bei der Mutter-Holding Valentino geben. Permira wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Von der Entscheidung profitieren würde vor allem Boss – mit einem Anteil von 75 Prozent am Umsatz und gut 90 Prozent vom Gewinn von Valentino sind die Metzinger die Cashcow der Mailänder und tragen den größten Teil der Zinslast. Die würde nun gemindert, das Unternehmen bekäme wieder mehr Luft und  Flexibilität für Investitionen. Die Entlastung ist überfällig. Denn zwischen Juli und September waren die Boss-Umsätze um 15 Prozent auf 450 Millionen Euro gesunken, wesentlich stärker als von der Börse erwartet; das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag nach den ersten neun Monaten mit 224 Millionen Euro um knapp 13 Prozent unter dem Vorjahr. Boss-Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs stellte zuletzt ein einigermaßen profitables Wachstum frühestens für kommendes Jahr in Aussicht. Das alles zehrt am Kapital – und am Image des jahrelang auf Erfolg programmierten Unternehmens.

Schuld an den knappen Kassen bei Boss hat neben der Konjunktur in erster Linie Großaktionär Permira selbst. Das Private-Equity-Unternehmen mit Hauptsitz in London war vor mehr als zwei Jahren auf dem Gipfel des Booms für Firmenkäufe für sündhaft teure 3,4 Milliarden Euro mehrheitlich beim italienischen Modekonzern Valentino eingestiegen. Die Mailänder halten die Mehrheit an der im MDax notierten Hugo Boss AG. Kein Finanzinvestor hatte bis dahin mehr Geld für ein Unternehmen der Luxusbranche ausgegeben.

Eine Milliarde Euro steuerte Permira aus eigenen Fondsmitteln bei. Weitere Millionen kamen vom früheren Valentino-Eigner, der italienischen Marzotto-Gruppe. Den Großteil der Kaufsumme lieh sich Permira bei Banken, vor allem bei der New Yorker Citigroup sowie den beiden Mailänder Instituten UniCredit und Mediobanca. Permira handelte genau wie jene „Heuschrecken“ unter den Finanzinvestoren, die der ehemalige SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering so bezeichnete, weil sie die Unternehmen vor allem kräftig ausbluten.

Permira bürdete den Kredit von 2,2 Milliarden Euro Mutter Valentino auf, für die Zinsen musste vor allem Boss aufkommen. Sodann erwirkten die Briten im Frühjahr 2008 bei Boss die Ausschüttung einer Sonderdividende von rund 350 Millionen Euro, um die Bankschulden von Valentino zu senken. Das Management, allen voran der damalige Boss-Chef Bruno Sälzer, konnte den Aderlass nicht verhindern. Die Eigenkapitalquote von Boss sank von 52 Prozent zum Ende des Geschäftsjahres 2007 auf magere 19 Prozent.

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