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Modemarkt: Esprit bläst zum Angriff auf H&M und Zara

von peter.steinkirchner@wiwo.de

Der Modemarkt schrumpft seit Jahren – doch die deutsch-chinesische Marke Esprit will ihren Umsatz verdoppeln. Das Wachstum schafft Probleme.

Der Anzug ist dunkelblau, er fällt gut und sitzt ziemlich perfekt – „Herr Grote, mal ehrlich: Das ist aber kein Esprit-Teil von der Stange, oder?“ Thomas Grote grinst. Dann sagt er, na ja, der Schnitt des Anzugs, der stamme sehr wohl von Esprit, dem Unternehmen, dessen künftiger Chef er ist. Aber der Stoff, der ist tatsächlich etwas teurer. Das sei der gleiche, den auch der italienische Edelschneider Prada für seine sündhaft teuren Entwürfe verwende. Das gute Stück habe er sich schneidern lassen – in den Esprit-Läden „könnten wir einen solchen Anzug schlicht nicht kostendeckend anbieten“. Prada-Stoff und Esprit-Schnitt – die Botschaft, die der Präsident der Marke Esprit und künftige Vorstandschef loswerden will, sitzt so gut wie sein Anzug: Esprit peilt eine Spitzenposition unter den internationalen Bekleidungskonzernen an. Innerhalb der kommenden fünf Jahre will das Mode-Unternehmen, das 1968 vom kalifornischen Hippiepärchen Doug und Susie Tompkins gegründet worden war, danach Lizenzen nach Europa und Asien vergab und 2002 unter dem Dach der in Hongkong an der Börse notierten Esprit Holding vereint wurde, seinen Umsatz auf 4,5 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Statt 150 Millionen Teile wie derzeit will der Klamottenkonzern dann jährlich weltweit mehr als 300 Millionen Hosen, Jacken, Hemden unter die Leute bringen. Die Daten sorgen für Optimismus beim deutsch-chinesischen Modekonzern mit den zwei Hauptsitzen in Ratingen bei Düsseldorf und Hongkong. Seit Jahren legt Esprit zweistellig bei Gewinn und Umsatz zu und setzt mittlerweile 2,4 Milliarden Euro um. Der Gewinn vor Steuern lag bei fast einer halben Milliarde Euro. Damit rangiert der Konzern zwar noch immer deutlich hinter den großen Konkurrenten Zara und Hennes&Mauritz (H&M). Die spanische Zara-Mutter, der Inditex-Konzern, machte zuletzt einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern (Ebit) von einer Milliarde Euro. Damit hatte Zara im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals sogar H&M überholt; die Schweden, die Anfang November ihre jüngste Designer-Kollektion mit den beiden Holländern Viktor & Rolf in die Läden bringen, kamen auf einen Umsatz von 6,5 Milliarden und ein Ebit von 1,4 Milliarden. Doch die italienische Konkurrenz vom Strickkonzern Benetton hat Esprit bereits hinter sich gelassen. Und geht es nach Grote, der spätestens Ende 2007 Heinz Krogner als Vorstandschef beerben und dessen Strategien fortsetzten soll, will Esprit auch Zara und H&M überholen. Denn wer groß ist im Textilmarkt hat gegenüber kleineren Wettbewerbern deutliche Vorteile: bevorzugten Zugang zu den Top-Geschäftslagen und Verhandlungsmacht im Konditionenpoker mit Zulieferern. Die Fundamente für das weitere Wachstum legen Grote und Krogner dieser Tage. Gerade zieht bei Esprit eine neue Management-Ebene ein, die das Wachstum forcieren soll. Denn das fordert seinen Tribut: So hatte Esprit in der ersten Hälfte des am 30. Juni beendeten Geschäftsjahres erstmals seit langer Zeit Probleme in zwei von drei Damen-Divisionen, der Damen-Freizeitlinie und der Business-Kollektion, die für fast die Hälfte des Umsatzes sorgen. „Wir haben den Anspruch der Zielgruppe nicht optimal berücksichtigt – wir waren zu jung und zu trendy geworden“, räumt Grote ein. Doch gleichzeitig hakte es an einem zweiten Punkt: Ein Teil der Kollektion fiel in der internen Qualitätskontrolle durch, weil etwa Passformen nicht stimmten – ärgerlich für den Kunden, noch ärgerlicher für Esprit, denn einige umsatzträchtige Teile konnten gar nicht erst an die Läden ausgeliefert werden.

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Grote konnte von Glück sagen, dass andere Bereiche wie etwa die Herrenlinie und Märkte wie Frankreich in die Bresche sprangen und überdurchschnittliche Geschäfte machten – so meldete der Konzern trotz der Ausreißer im ersten Halbjahr ein Umsatzwachstum von 13 Prozent und eine Nettomarge von 15,8 Prozent – „da würde sich die ganze Branche die Finger nach lecken“, schwärmt Grote. Nur: Niemand kann garantieren, dass ähnliche Fehler in Zukunft stets an anderen Stellen im Konzern ausgebügelt werden und dadurch so glimpflich ablaufen. Damit Ausfälle den Wachstumsplänen keinen Strich durch die Rechnung machen, gönnt sich Esprit erstmals einen „Global Product Director“, der ausschließlich für Beschaffung und Auftragsvergabe zuständig ist – bislang haben Krogner und Grote den Job mit erledigt. In Asien stehen Investitionen an, dort lässt Esprit 60 Prozent seiner Ware produzieren. Der Konzern will seine Produktion in China ausbauen. Statt wie bisher vor allem auf den Süden zu setzen, wo sich die Textilindustrie konzentriert und Arbeitskräfte knapper und teurer werden, will der Moderiese in Zukunft auch auf Lieferanten aus dem Norden des Landes setzen – und so den internen Wettbewerb um Aufträge forcieren. Außerdem plant Grote, die Beschaffung in Indien weiter auszubauen. Hier sollen dann die Teile für die Läden in bislang 47 Ländern zusammengenäht werden – und für die neuen Verkaufsstellen, die Esprit in den kommenden zwölf Monaten eröffnen will. Anders als die Wettbewerber Zara und H&M fährt Esprit mehrgleisig und verkauft seine Pullis sowohl in rund 670 eigenen Läden wie auch mithilfe von Franchisenehmern sowie auf rund 11.500 Flächen in Warenhäusern wie Kaufhof und Karstadt, die an Esprits Warenwirtschaft angeschlossen sind. So will Esprit auch die Ambitionen von H&M kontern – die Schweden starten 2007 mit einer hochwertigeren Zweitmarke und wollen verstärkt reine Männerläden eröffnen. Enger könnte es für die Ratinger allerdings dann werden, wenn die Konkurrenz plötzlich den Spieß herumdrehen würde und H&M und Zara anfingen, ihre Leibchen nicht nur wie bisher in ihren eigenen Geschäften, sondern ebenfalls in Kaufhäusern abzubieten. Grote schluckt kurz. Dann wischt er den Gedanken beiseite: Das, sagt der Esprit-Kronprinz, wird nicht geschehen. Denn H&M und Zara seien vor allem eines: „vertikale Einzelhändler“. Um mit solch einem Strategiewechsel erfolgreich zu sein, „müssten diese Unternehmen ihre Strategien grundlegend ändern“. >> Mehr dazu:Interview mit Esprit-Chef Grothe, aus WirtschaftsWoche 42/2006

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 04.12.2009, 11:10 UhrAnonymer Benutzer: CooCoos

    ich finde h und m iist 10000000 x besser als zara und esprit zusammen
    espriit biietet doch nur omii klamotten an mal ehrliich wo geht man eher shoppwn h und m oder espriit?

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