Modemesse Bread & Butter: Ein Flughafen voll Mode

Modemesse Bread & Butter: Ein Flughafen voll Mode

von Peter Steinkirchner

Wie ein Feinkosthändler aus dem Saarland in zehn Jahren aus einem Szenetreffen eine internationale Modemesse machte und half, Berlin auf die Fashion-Landkarte zu befördern.

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Besucher auf der Bread & Butter (2010)

Kalt schneidet der Wind über das kühn überdachte Flugvorfeld auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Es ist erst 16 Uhr, doch der Himmel über Berlin ist schon tiefschwarz. Eisige Böen treiben Schneeflocken in die riesige, zu den Rollbahnen hin offene Halle, es herrschen zweistellige Minusgrade. Wo das Dach endet, fügt gerade ein Dutzend Arbeiter Stück für Stück ein Edelstahlregal zusammen. Wenn es fertig ist, wird es zwölf Meter hoch sein und fast 400 Meter breit. Steht das Gerippe, ziehen die Arbeiter 5000 Quadratmeter Kunststoffplane mit Luftkissenmembran ein. Die bilden die fehlende vierte Wand und eine Wärmemauer gegen die sibirische Kälte. „Dazu hängen wir noch 220 Heizstrahler unter die Decke“, sagt Karl-Heinz Müller und zeigt nach oben, „die sehen aus wie Döner-Grills und bringen die Halle auf 20 Grad.“ Müller heizt Tempelhof ein.

Der bullige 53-Jährige im Woolrich-Parka ist Erfinder und Galionsfigur der Bread & Butter, Europas größter Messe für so genannte Street- und Urbanwear, die vom kommenden Mittwoch an für drei Tage 650 Aussteller an die Spree lockt – darunter Riesen wie Levi’s, Adidas, Diesel und G-Star, aber auch viele hippe Kleinstmarken – sowie rund 100.000 Fachbesucher.

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Seit der gelernte Feinkosthändler Müller aus Dillingen im Saarland vor zehn Jahren die Bread & Butter gründete, ist die Veranstaltung trotz zahlreicher Rückschläge und zweier Umzüge zur Messe-Marke mutiert und hat aus Müller eine Art Herbergsvater der Szene gemacht. Sein Unternehmen, die Bread & Butter GmbH baute Müller vom Happening in Köln mit 200.000 Euro Umsatz zu einem mittelständischen Unternehmen auf mit mehr als 100 Mitarbeitern, dem eigenen Modeladen „14 oz.“ und geschätzten 40 Millionen Euro Jahresumsatz.

Signalwirkung für die Modebranche

Müller mag die Zahl zwar nicht bestätigen – stolz ist er dennoch: „Wir sind der kleinste Global Player.“ Und er will weiter wachsen: Von Sommer an soll eine Kindermode-Messe in Berlin der Konkurrenz in Florenz Aussteller und Besucher streitig machen. Ein Ableger der Bread & Butter in Übersee, etwa in China oder den USA, sei nicht ausgeschlossen. Jeans-Liebhaber Müller profitiert von seinem im Lauf der Jahre gesponnenen dichten Kontaktnetz zu den Größen der auf einen weltweiten Jahresumsatz von 300 Milliarden Euro geschätzten Modebranche. 360.000 Namen und Adressen von Besuchern und Ausstellern umfasst nach eigenen Angaben die Datenbank, die Müllers Unternehmen in seinen Rechnern in Berlin-Mitte pflegt. „Das ist so etwas wie das Facebook der Branche“, sagt Müllers Co-Geschäftsführer Sebastian Hennecke.

Diese Kontakte tragen wesentlich dazu bei, dass Berlin sich mittlerweile in Sachen Mode auf Augenhöhe mit Hochburgen wie Paris, Mailand und Florenz wähnt. Für die Hauptstadt lohnt sich der Strom der Fachbesucher und Einkäufer großer Kaufhäuser wie Harrods, Colette oder Blooming-dales, die die B&B als Flaggschiff zusammen mit den gleichzeitig stattfindenden weiteren vier Modemessen anlockt: „Die Bread & Butter hat Signalwirkung für die ganze Branche“, sagt Messe-Experte Norbert Stoeck von der Beratung RolandBerger. Die Fashion-People bescheren der klammen Metropole Einnahmen von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr, sagt Berlin-Tourismus-Chef Burkhard Kieker.

Sneakers im Büro

Damit war nicht zu rechnen, als Müller vor zehn Jahren mit dem Projekt Bread & Butter startete: „Damals gab es noch keinen Geschäftsplan, kein Startkapital, nur zahlreiche Kontakte“, beschreibt Müller die eher naiven Anfänge und lässt in seinem geräumigen Büro im vierten Stock des B&B-Hauptquartiers an der Berliner Münzstraße den Blick über die Plakate der mittlerweile 24 Veranstaltungen schweifen, die er auf dem Buckel hat. „Wir waren mehr so was wie ein Verein.“

Müller, der nach seiner Ausbildung in der Feinkostabteilung eines Kaufhauses für Levi’s, Pepe Jeans und die deutsche Modemarke Marc O’Polo gearbeitet hat, und seine damaligen Partner Kristyan Geyr und Wolfgang Ahlers hatten einen guten Riecher: Die Grenzen zwischen Freizeit- und Berufskleidung und die zwischen Sport und Mode verwischten, es wurde in vielen Berufen normal, auch im Büro Jeans und Sneakers zu tragen.

Allerdings fühlten sich die aufkommenden frischen Marken auf den bestehenden Messen nicht richtig aufgehoben. Dort kamen die aus ihrer Sicht falschen Besucher, das Umfeld stimmte nicht, in gesichtslose Messehallen zog sie rein gar nichts. Bis Müller und seine Leute auf die Idee kamen, Marken wie G-Star, Adidas und Levi’s, deren Turnschuhe, Jeans und Hemden sie selbst trugen und die Müller in seinem eigenen Laden in Köln verkaufte, eine Plattform zu bieten.

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