Modernisierung: Die Telekom vor dem Totalumbau

Modernisierung: Die Telekom vor dem Totalumbau

Erst den Service, dann das Netz – die von Telekom-Chef René Obermann geplante etappenweise Modernisierung ist passé. Jetzt kommt der Totalumbau.

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Telekom-Fahnen vor der Konzernzentrale in Bonn.

Eigentlich hat sich René Obermann einen wunderbaren Stufenplan zurechtgelegt. Die Sanierung der Deutschen Telekom wollte er in geordneten Bahnen, Schritt für Schritt und möglichst ohne allzu viel Aufsehen zu erregen, vorantreiben. Zuerst, so sah es der Masterplan bei seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren vor, wollte der Vorstandsvorsitzende die eklatanten Mängel beim Kundenservice beseitigen. Dazu werden in den nächsten Monaten die im ganzen Land verstreuten Callcenter auf 24 hochmoderne Standorte konzentriert. Von hier aus sollen die in eine eigenständige Gesellschaft ausgelagerten Service-Mitarbeiter Anfragen und Beschwerden der Kunden schneller erledigen.

Erst wenn das über die Bühne ist, wollte Obermann sein neues Standortkonzept für die Kabel und Schaltstellen im Festnetz vorlegen. „Wir dürfen die Organisation nicht überfordern“, hatte er im kleinen Kreis seiner Vertrauten immer wieder betont. Die Drängler im Konzern, die das Netz schneller umbauen und Milliardeneinsparungen heben wollten, bat er ausdrücklich um Geduld.

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Damit ist seit vergangener Woche Schluss – der schöne Stufenplan ist Makulatur. Obermann bläst zum gleichzeitigen forcierten Umbau an zwei entscheidenden Fronten. Noch während er bis weit ins nächste Jahr zwei Drittel der 75 Callcenter schließt und 8.000 Arbeitsplätze an andere Standorte verlagert, startet er das nächste noch wichtigere Megaprojekt: den Totalumbau des Festnetzes. Bis 2014 wird der Ex-Monopolist weite Teile Deutschlands mit Glasfasernetzen durchziehen. Die uralte, abgeschriebene Telefonvermittlung wird durch nahezu vollautomatische Internet-Techniken ersetzt. Und rund 7.000 der bundesweit 7.900 Schaltstellen müssen schließen. Das geht aus einem vertraulichen Papier hervor, dass Festnetz-Chef Timotheus Höttges den Konkurrenten vorgelegt hat.

Kein Platz für Konkurrenz

Damit drohen die Zeiten für Obermann noch unruhiger zu werden, als sie durch den Umbau bei den Callcentern ohnehin schon sind. Denn die Umstrukturierung im Festnetz birgt nicht nur Auseinandersetzungen mit den betroffenen Beschäftigten. Auch von den Wettbewerbern, die um ihre bisherigen Investitionen ins Festnetz fürchten, bekommt Obermann Gegenwind.

Die Pläne, die die Deutsche Telekom gegenüber den Konkurrenten jetzt offengelegt hat, haben es in sich. Bis 2014 sollen die Telekom-eigenen Kupfer- und Glasfaserkabel mit einer Gesamtlänge von derzeit 1,8 Millionen Kilometer nur noch in 800 bis 900 hochmodernen, zentralen Hauptverteilern zusammenlaufen, die alle Verbindungen zwischen den Kunden der Telekom und der Konkurrenten schalten. Damit fallen rund 7.000 der heutigen 7.900 Anlagen weg. Das spart Personal- und Übertragungskosten in Milliardenhöhe – und Jobs. Rund die Hälfte der bisher für die Wartung und den Betrieb des Telekom-Netzes erforderlichen 17.000 Techniker könnten überflüssig werden.

Auch die Wettbewerber werden den Umbau schnell zu spüren bekommen. Denn einen Teil der Technik verlagert die Telekom in die bundesweit über 325.000 meist grauen Verteilerschränke am Straßenrand. Bis dorthin will Festnetz-Chef Höttges neue Glasfaserkabel verlegen, damit alle Haushalte mit Spitzengeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde im Internet surfen und das neue zeitversetzte Fernsehen von T-Home abonnieren können.

Nur: In den mit Telekom-Technik vollgestopften Verteilerschränken gibt es keinen Platz für die Konkurrenz. Auch einen Parallelbetrieb des alten und des neuen Netzes sieht der Telekom-Plan nur für eine kurze Übergangszeit vor. Sobald nur noch sieben Millionen Haushalte die traditionellen Analog- oder ISDN-Anschlüsse nutzen, will die Telekom das alte Netz abschalten. Alle Kunden sollen den DSL-Anschluss als Komplettanschluss für Telefon, Internet und Fernsehen nutzen und auf den bisher mitverkauften Telefonanschluss verzichten.

Die Sprengkraft des Papiers hat Obermann offenbar unterschätzt. „Die Umbaupläne sorgen für große Unruhe im Markt“, sagt Rainer Lüddemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko). Rund 4.000 der 7.900 Hauptverteiler haben die Konkurrenten mit eigener Infrastruktur erschlossen und erreichen damit über 70 Prozent der Haushalte. Rund 2,5 Milliarden Euro investierten die Konkurrenten in diese Alternativ-Infrastruktur. Das Geld droht nun teilweise zu verbrennen. Denn 40 Prozent dieser Summe – rund eine Milliarde Euro – sind über Gebühren nicht hereingekommen, wenn die Telekom im Jahr 2014 die Standorte schließt. Das geht aus Kalkulationen der Kölner Telefongesellschaft Netcologne hervor. Die Telekom dagegen kann auf Sondererlöse durch den Verkauf der frei werdenden Immobilien-Standorte von bis zu 3,5 Milliarden Euro hoffen.

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