Modeschöpfer: "Er gab Frauen die Macht" - Yves Saint Laurent ist tot

Modeschöpfer: "Er gab Frauen die Macht" - Yves Saint Laurent ist tot

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Modeschöpfer Yves Saint Laurent und eines seiner Models

Er gilt als einer der genialsten Modeschöpfer: Der Franzose Yves Saint Laurent. Im Alter von 71 Jahren starb der legendäre „Couturier“ am Sonntagabend nach langer Krebserkrankung in Paris. Berühmt wurde „YSL“ - so sein Markenzeichen - in den 60er Jahren für seinen Damen-Smoking.

Er machte Schluss mit der „Wespentaille“, revolutionierte die Damenmode und entwarf als erster Haute Couturier Mode für die Massen. „Er war mehr als ein Provokateur, er war ein echter Schöpfer, ein libertärer Anarchist, der Bomben in die Mitte der Gesellschaft warf - so befreite er die Frauen“, sagte sein langjähriger Freund und Partner Pierre Bergé.

Im Jahr 2002 zog sich das Genie ins Privatleben zurück. Seine Marke gehört heute zum französischen Luxuskonzern PPR. Die Nachricht vom Tode des Designers löste in Frankreich Bestürzung aus. Mit Saint Laurent sei „einer der Größten der Modewelt“ gegangen, sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Er sei der Erste gewesen, der die Haute Couture in den Rang der Kunst erhoben habe. Kulturministerin Christine Albanel würdigte Saint Laurent als „Erfinder einer modernen Damenmode“, bestehend aus Licht, Verführung und Begehren. Die Trauerfeier finde diesen Donnerstagnachmittag in der Pariser Kirche Saint-Roche statt, sagte Bergé. An der Zeremonie würden auch Sarkozy und seine Frau Carla teilnehmen.

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Als Carla Bruni lief das einstige Topmodel auch für „YSL“ über den Laufsteg. Anschließend soll die Urne in einem Grab am Anwesen Saint Laurents in Marrakesch beigesetzt werden. Yves Saint Laurent wurde am 1. August 1936 in Oran geboren, in der damaligen französischen Kolonie Algerien. Schon als Kind beeinflusste ihn die Leidenschaft seiner Mutter für Mode. Bereits 1953 erhielt Saint Laurent für ein Cocktailkleid den 1. Preis des „Internationalen Wollsekretariats“.

1954 ging er nach Paris und wurde noch im selben Jahr Assistent von Christian Dior. Drei Jahre später übernahm er nach dem Tod des Meisters dessen Nachfolge. Schon für seine ersten Kollektionen, darunter die berühmte „Trapezlinie“, wurde „YSL“ als Wunderkind der Pariser Modeszene gefeiert, wegen seiner „Straßenmode“ aber auch als ihr Ruin beschimpft. Saint Laurent habe sich mit der Modeschöpferin Coco Chanel ergänzt, sagte Bergé: Während Chanel den Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Freiheit gab, habe Saint Laurent ihnen in der zweiten die Macht gegeben.

Ein neues Kapitel begann für „YSL“ 1962 mit der Eröffnung eines eigenen Modehauses mit seinem Partner Bergé. Die Verbindung zwischen dem empfindsamen Modeschöpfer und dem leidenschaftlichen Kunstfreund und Finanzgenie erwies sich als Glücksfall: Aus dem Zweizimmer-Studio wurde ein weit verzweigtes Unternehmen. 1966 brachte Saint Laurent mit „Rive Gauche“ als erster Haute Couturier Prêt-à-Porter-Mode auf den Markt - auch dies ein Erfolg.

Mehr als 4000 Modelle hat „YSL“ in mehr als 40 Jahren Karriere entworfen. Er erfand die Hosenmode für die Frau neu und schaffte ihr eine Basisgarderobe mit Trenchcoats, Matrosenjacken und Anzügen. Nur für den Abend entwarf er Festkleider von märchenhafter Pracht, setzte chinesische Staatsgewänder, afrikanische Exotik oder alpenländische Folklore in moderne Abendroben um. Einen starken Einfluss hatte die zeitgenössische Kunst auf den Einsiedler in seiner 600 Quadratmeter großen, mit wertvollen Bildern bestückten Pariser Wohnung.

Die Maler waren seine Lehrmeister auf der Suche nach den Grundformen des Bildnerischen auch in der Mode. Als Hommage verwandelte er Mondrians geometrische Flächenaufteilung, Pop-Art-Muster, den Kubismus von Picasso und den Farbenrausch von Matisse in Kleider. In der „Grande Nation“ Frankreich gilt „YSL“ als Ikone. Der frühere Staatspräsident François Mitterrand nannte den Modeschöpfer einst einen Botschafter französischer Kultur in der Welt und ernannte ihn 1985 zum Ritter der Ehrenlegion. Trotz seines Ruhms und seiner Erfolge blieb „YSL“ Zeit seines Lebens scheu, weltabgewandt und von Ängsten geschüttelt. „Er hatte eine öffentliche und eine private Seite“, sagte Bergé. Im Privaten, das die Menschen weniger gekannt hätten, sei er schüchtern und introvertiert gewesen, er habe wenige Freunde gehabt.

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